„Wir waren ein eingespieltes Team“

Gevelsberg..  Am 25. April wurde Nepal von einem schweren Erdbeben erschüttert. Mehr als 6000 Menschen kamen dabei ums Leben. In einigen Distrikten sind über 80 Prozent der Gebäude zerstört und ganze Siedlungen von der Außenwelt abgeschnitten. Vor allem in den entlegenen Gebieten sind die Menschen auf Hilfe angewiesen.

Sechs Tage war der Gevelsberger Torsten Kinghorst als Mitglied eines elfköpfigen medizinischen Einsatzteams in Nepal unterwegs. Es war nicht sein erster Hilfseinsatz im Ausland, doch es war wieder eine neue Erfahrung für ihn. Nach seiner Rückkehr aus dem Erdbebengebiet schildert der 43-jährige Familienvater seine Eindrücke.

Wie groß war das Leid, das Sie nach Ihrer Ankunft in Kathmandu erwartete?

Torsten Kinghorst : Die Stadt Kathmandu selbst war nicht so sehr zerstört. Betroffen waren eher die ländlichen Gebiete. Wir waren in Dörfern, in denen 98 Prozent der Häuser zerstört waren.

Wie waren Sie vor Ort untergebracht?

40 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt auf dem Gelände eines Klosters, das auch zum größten Teil zerstört worden war. Im Klostergarten hatten wir unsere Zelte aufgebaut, die Menschen wurden dort medizinisch versorgt. Jeden Morgen um 5.15 Uhr hat uns der Mönch mit einem Gebet geweckt.

Welche Art von medizinischer Versorgung hatten Sie zu leisten?

Um die Schwerverletzten mussten wir uns nicht kümmern, die waren bereits nach Kathmandu ausgeflogen worden. Wir haben in den sechs Tagen mehr als 400 Menschen mit leichteren Verletzungen wie Platzwunden oder Virusinfektionen versorgt. Die Verständigung erfolgte per Dolmetscher.

Wie funktioniert die Arbeit in einem solchen Team?

Ich bin seit 2007 bei der Auslandshilfe, dort haben wir einen Pool von 80 Helfern, die zu Auslandseinsätzen gerufen werden. Bis auf einen Kollegen kannte ich alle anderen Helfer schon, deshalb waren wir ein eingespieltes Team.

Wie hilfreich waren die Erfahrungen von Ihren Auslandseinsätzen 2009 in Kenia und 2010 in Haiti?

Nach Haiti bin ich schon mit anderen Gedanken hingeflogen. Da war im Vorfeld Respekt und auch ein bisschen Angst, denn der Großteil der Millionenstadt Port-au-Prince war damals zerstört worden. Das war diesmal nicht so. Wir werden in Lehrgängen gut vorbereitet, und ich konnte mir unmittelbar nach der ersten Alarmierung über die Medien gleich einen Überblick über die Lage in Nepal verschaffen.

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