Wenn einer in der Klasse fehlt...

Mona Kalle (links) und Gertrud Stachevski haben gestern von Bürgermeister Claus Jacobi symbolisch den Schlüssel zu ihren Büroräumen in der Hagener Straße 63, wo auch die Drogenberatung untergebracht ist, erhalten.
Mona Kalle (links) und Gertrud Stachevski haben gestern von Bürgermeister Claus Jacobi symbolisch den Schlüssel zu ihren Büroräumen in der Hagener Straße 63, wo auch die Drogenberatung untergebracht ist, erhalten.
Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg..  „Das muss man sich einmal bildlich vorstellen, da steht eine komplette, kleine Schule leer“, sagt Rolf Kappel von der Arbeiterwohlfahrt (AWo). Rund hundert Kinder in Gevelsberg, Ennepetal und Schwelm schwänzen nicht nur einmal, sondern regelmäßig oder ständig den Unterricht. Um diesen Mädchen und Jungen kümmert sich in das Projekt „Jugend stärken im Revier“.

Geld von der Europäischen Union

Gestern hat Bürgermeister Claus Jacobi symbolisch Mona Kalle und Gertrud Stachevski, die für das Projekt in Gevelsberg arbeiten, den Schlüssel für einen Raum in den Büros der Drogenberatung in der Hagener Straße übergeben. Ihre Arbeit und ihr Engagement hätte sich die Stadt nicht leisten können. Finanziert werden die Personalkosten durch ein Programm der Europäischen Union.

Zielgruppe sind Mädchen und Jungen, die gar nicht zur Schule gehen oder vielleicht nur körperlich anwesend sind. Gekümmert werden soll sich auch um junge Straftäter. „Wir fassen da ein Tabu-Thema an“, glaubt Bürgermeister Claus Jacobi. Das seien Probleme, die mit Stammtischparolen oder dem Ruf nach der Polizei nicht aus der Welt zu schaffen seien: „Dafür ist die Zahl der Betroffenen inzwischen zu groß geworden.“

Für Rolf Kappel von der AWo spielt es auch keine Rolle, wo die Ursachen für die Schulverweigerung liegen – eins sei sicher: „Verlierer dabei sind immer die Kinder.“ Manuel Ashauer, Leiter der Gevelsberger Jugendamtes, ergänzt: „Das ist ein Verlust für die Gesellschaft.“ Da nutze es nicht viel, jemanden die Verantwortung dafür zuzuschieben.

Um den zu verhindern, wollen und sollen sich Mona Kalle und Gertrud Stachevski nicht nur um diejenigen kümmern, die bereits auffällig geworden sind. Sie werden auch versuchen, das zu verhindern. Beginnen wollen die beiden in den achten Klassen Hasencleverschule mit einem Programm unter dem Namen „Fit for Life - Fit fürs Leben“. Dabei geht es zum Beispiel darum, auf kreative Weise den Mädchen und Jungen der Förderschule eine berufliche Orientierung zu gehen oder Möglichkeiten an die Hand zu geben, Konflikte zu bewältigen.

Schon bei den Jüngsten soll angesetzt werden. Die Probleme, die durch das Schulschwänzen als Auslöser auf dem Weg in die Zukunft im Weg stehen, sind vielschichtig. Vielleicht ist ein Lehrer gar nicht so unglücklich, wenn ein Störenfried aus seiner Klasse einfach zu Hause bleibt und Ruhe einkehrt? Vielleicht wird ein Mädchen oder Junge von der Gemeinschaft ausgeschlossen, wenn es wieder an die Schule zurückkehren möchte? Und: „Was machen die Kinder mit der Zeit, in der sie eigentlich zur Schule gehen sollten?“, fragt Jugendamtsleiter Manuel Ashauer und weiß die Antwort. Das ist genau die Gruppe von Kindern, die anfällig dafür ist, straffällig zu werden.

Problembereich an der B7

„Jugend stärken im Quartier“ ist ein Projekt, bei dem die Städte Ennepetal, Gevelsberg und Schwelm zusammenarbeiten. Die Koordination liegt im Rathaus der Klutertstadt. Dabei soll sich überwiegend um den Bereich links und rechts der B7 gekümmert werden, der bei allen drei Städten ein problematisches Gebiet ist. Bei den etwa 190 Projekten, die im Rahmen des EU-Programms gefördert werden, sei dies das einzige, das über Städtegrenzen reiche, so Rolf Kappel von der AWo. Die Jugendlichen seien mobil, man selbst müsse es auch sein. Jacobi hält „Jugend stärken im Quartier“ für beispielhafte kommunale Zusammenarbeit. Die EU-Gelder – insgesamt 450 000 Euro – fließen aber erst nur bis zum 31. Dezember 2018.

 
 

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