Wenn die Pause zum Stress wird

Arbeitskreis der Interdisziplinären Frühförderstelle für Kinder mit Behinderungen in der Praxis von Cordula Bauschki-Bertina an der Voerder Straße 44. Von links nach rechts: Jennifer Kollbach (Mutter eines betroffenen Kindes), Cordula Bauschke-Bertina (Praxisinhaberin), Anna Schwalaland-Tuschy (Beratende Psychologin), Nikola Nowak (beratende Psychologin). Claudia Ossenberg-Diehl (Mutter und Sprecherin der Gruppe), Bianca Müller (Mutter), Regine Winkelmann (Mutter), Sabine Hofmann (Stadt Ennepetal), Bernhard Bertina (stellvertr. Leitung)
Arbeitskreis der Interdisziplinären Frühförderstelle für Kinder mit Behinderungen in der Praxis von Cordula Bauschki-Bertina an der Voerder Straße 44. Von links nach rechts: Jennifer Kollbach (Mutter eines betroffenen Kindes), Cordula Bauschke-Bertina (Praxisinhaberin), Anna Schwalaland-Tuschy (Beratende Psychologin), Nikola Nowak (beratende Psychologin). Claudia Ossenberg-Diehl (Mutter und Sprecherin der Gruppe), Bianca Müller (Mutter), Regine Winkelmann (Mutter), Sabine Hofmann (Stadt Ennepetal), Bernhard Bertina (stellvertr. Leitung)
Foto: WAZ FotoPool

Ennepetal..  Sie sind Menschen, die Probleme haben Gestik und Mimik von Gesprächspartnern zu deuten. Viele verstehen Witze oder Zweideutigkeiten nicht. Sie sind wahrheitsliebend bis zur Selbstaufgabe und gleichzeitig absolut zuverlässig. Sie sind Autisten und ganz besondere Menschen. „Der Alltag mit einem autistischen Kind ist eine Herausforderung, sie brauchen feste Strukturen, aber sie geben einem unheimlich viel zurück“, erklärt Claudia Diehl, Mitinitiatorin der Selbsthilfegruppe „Autismus Ennepe-Ruhr“.

Bereits seit 2008 trifft sich ein fester Kreis Angehöriger von Autisten in den Praxisräumen der Heilpädagogin Cordula Bauschke-Bertina. „Ich habe viele Kinder in Therapie und sah die Not der Eltern“, erinnert sich Cordula Bauschke-Bertina an die Anfänge. So begann sie Treffen für die Eltern zu organisieren. „Anfänglich war die Hemmschwelle sehr groß, so dass es meist so war, dass wir vortragsartig einzelne Themen behandelten und die Eltern meist nur zuhörten.

Inzwischen sind die Eltern Fachleute auf den verschiedensten Themengebieten“, ist die Heilpädagogin sichtlich mit der Entwicklung zufrieden. Dass die Gruppe so lange im Verborgenen arbeitete erklärt Claudia Diehl so: „Es braucht Zeit ein Selbstbewusstsein aufzubauen.

Vielschichtiges Krankheitsbild

Wir mussten erst einmal ein Wir-Sind-Wir-Gefühl entwickeln.“

Jetzt hat die Selbsthilfegruppe „Autismus Ennepe-Ruhr“ den Schritt gewagt, sich unter dem Dach der KISS offiziell als Selbsthilfegruppe eintragen zu lassen. Denn befragt man Angehörige, so erzählen viele von denselben Problemen. „Autisten werden oftmals als stoffelig oder unfreundlich abgetan“, so der Tenor der Gruppe. Allerdings gibt es auch nicht einfach die Diagnose „Autismus“.

Die Krankheit hat ein vielschichtiges Krankheitsbild und ist unterschiedlich stark ausgebildet. Frühkindlicher Autismus bedingt meist eine geistige Behinderung, Asperger-Autisten zeigen hingegen meist oben genannte Kommunikationsstörungen. Alle Autisten wünschen sich eine eindeutige, reizarme Umgebung. „Autisten möchten ihr Umfeld verstehen, dass ist immer dann der Fall, solange es geregelt ist“, erklärt Claudia Diehl.

Einfachstes Beispiel hierfür ist ein Schultag. „In den Unterrichtszeiten fühlte sich meine autistische Tochter wohl, in den Pausen, wenn alle durcheinander laufen und nicht klar, was die anderen Kinder von einem erwarten, was das Stress pur für sie“, weiß Claudia Diehl. Heute erfährt Claudia Diehls Tochter aber viel positive Resonanz von Arbeitgebern. „Die Fähigkeit sich an einem Thema festzubeißen und absolut zuverlässig zu sein, schätzt heute ihr Arbeitgeber“, freut sich Claudia Diehl: „Man muss nur verstehen, dass Autisten einen trotzdem mögen, auch wenn sie es nicht immer zeigen können.“

Die Selbsthilfegruppe trifft sich einmal im Quartal. Die Ansprüche der Selbsthilfegruppe sind hoch: „Wir möchten Autisten Türen in die Gesellschaft öffnen, Ansprechpartner bei alltäglichen Problemen sein und praktische Lebenshilfe bieten.“ Nähere Informationen, Kontaktdaten und Termine gibt es im Internet unter: www.autist-EN.de oder unter 02333/75029 in der Praxis von Cordula Bauschke-Bertina.

 

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