Schwelm

Warum des Kaisers Bart so groß geriet

So muss man es sich vorstellen:Hergestellt wurde der Schnurrbart aus einer Metallfeder, die außenseitig drapiert wurde.
So muss man es sich vorstellen:Hergestellt wurde der Schnurrbart aus einer Metallfeder, die außenseitig drapiert wurde.
Foto: Privat

Schwelm.  Die Vortragsreihe über die Familie Müller und das Schwelmer Eisenwerk, im Frühjahr 2015, war vollkommen ausgebucht. Keiner passte mehr in den Veranstaltungsraum der Sparkasse. Aufgrund der guten Resonanz auf beide Vorträge von Marc Albano-Müller und der hohen Nachfrage einer Wiederholung bietet nun der Verein für Heimatkunde beide Vorträge nochmal an.

August Müller (1817-1896), der Stammvater der Müllers, baute in der Gründerzeit ab 1850, nachdem er 1840 nach Schwelm zuwanderte, die Fabrik „August Müller & Co.“ am Möllenkotten auf. Sie spezialisierten sich auf Produkte, die Metall mit Textil verbanden, unter anderem Reifröcke und Korsettstangen. Besonders für die Firma war eine Technik, bei der ein flexibler metallischer Kern aus Spiralfedern mit einer robusten, textilen Ummantelung versehen wird. So wurden Pfeifenstiele und Peitschen hergestellt. Genau diese Technik kam auch bei der Kaiserbüste, die heute im Museum Martfeld steht, zum Einsatz.

Engagiert im Alter

August Müller engagierte sich im Alter sehr für das öffentliche Geschehen in Schwelm. Im Brunnenpark am „Haus Friedrichsbad“ ließ er 1885 Bäume pflanzen und ein Denkmal errichten. Er war empört darüber, dass Schwelm noch kein eigenes Kaiser-Denkmal hatte und stiftete daher die Kaiserbüste für den neuen Brunnenplatz. Diese wurde im Eisenwerk Isert & Co. gegossen, genau in dem Werk, das er im Folgejahr aufkaufte.

Schnurrbart aus Metallfeder drapiert

Da die Gußtechnik des Eisenwerk Isert es nicht vermochte, die ausladenden Schnurrbartspitzen herzustellen, sprang August Müller mit seiner eigenen Firma und Technik ein. Hergestellt wurde der Schnurrbart aus einer Metallfeder, die außenseitig drapiert wurde.

Noch Generationen später waren Parkbesucher des Brunnenparks verwundert, da der Bart, aufgrund dieser Technik etwas zu groß war. Die Bartspitzen sind später, wahrscheinlich bei der Demontage des Denkmals abhanden gekommen und wurden bis heute nicht mehr wieder gefunden.

Vorträge zum Eisenwerk

Wer mehr über die Familie Müller und das Schwelmer Eisenwerk wissen möchte, ist herzlich zu den zwei Vorträgen „Vom Eisenrock zum Eisenfass“ und „Vom Fässerschmied zum Patriarchen“, von Marc Albano-Müller, eingeladen. Die Vorträge finden am 1. Oktober und am 27. Oktober, um 19 Uhr, in der Sparkasse Schwelm statt (siehe Infobox). Der Eintritt ist kostenfrei und die Teilnehmerzahl ist auf 199 begrenzt.

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