Vorschuss-Lorbeeren für neuen Klinik-Chef

Dr. Marc-Andreas Edel (rechts) wurde als neuer Chefarzt der Fliedner-Klinik in Gevelsberg eingeführt.
Dr. Marc-Andreas Edel (rechts) wurde als neuer Chefarzt der Fliedner-Klinik in Gevelsberg eingeführt.
Foto: WP

Gevelsberg.  Es wurde gestern im Dorf am Hagebölling viel über die Seele geredet. Nicht um die der Hauptperson, aber von vielen Millionen anderen. Dr. Marc-Andreas Edel wurde als neuer Chefarzt der Fliedner-Tagesklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Gevelsberg eingeführt..

Bereits vor dem feierlichen Akt im Dorf am Hagebölling, das auch unter der Regie der Fliedner-Stiftung steht, hatte Edel klar zu erkennen gegeben, dass er das Haus noch stärker als bisher für die Bevölkerung öffnen möchte. Das begrüßte Bürgermeister Claus Jacobi ausdrücklich. Er sprach in seinen Grußworten von der starken emotionalen Verbundenheit der Gevelsberger mit dem ehemals kommunalen Krankenhaus: „Viele Menschen sind da noch geboren worden.“ Deshalb seien sie froh gewesen, dass die Gebäude von der Fliedner-Stiftung übernommen wurde. Und deshalb hätten die Gevelsberger auch nicht die Vorbehalte gegenüber Menschen mit psychischen Probleme gehabt, die anderswo oft an den Tag gelegt wurden.

Dass Psychiatrie längst kein Tabu-Thema mehr ist, sondern Massenkrankheiten bekämpft machte Prof. Dr. Georg Juckel ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik in Bochum und damit sozusagen der ehemalige Chef des neuen Gevelsberger Chefarztes deutlich. Rund 25 Prozent der Bevölkerung, so Juckel, müssten in ihrem Leben eine Depression durchleben. Vier Millionen behandlungsbedürftige Patienten gebe es allein bei dieser Krankheit.

Früher hätten es sich die Psychiater leicht gemacht: „Da haben sie gewartet, bis die Patienten mit Blaulicht eingeliefert wurden. Da war die Diagnose dann klar.“

Heute gewinne die Vorbeugung immer mehr an Bedeutung, obwohl es bei seelischen Beschwerden nicht immer leicht sei, eine Ursache zu finden und sie abzustellen. Juckel: „Wenn sie ein paar Pfunde zugenommen haben, dann fangen sie an zu laufen.“ Bei psychiatrischen Erkrankungen sei das nicht so einfach.

Der Gast aus Bochum forderte eindringlich Vorbeugungsmaßnahmen bei Jugendlichen. Sie seien besonders gefährdet, wenn ihre Eltern bereits erkrankt gewesen seien. Deshalb sei eine Trennung zwischen Jugendpsychiatern und Ärzten für Erwachsenen auch nicht von Vorteil. Juckel warnte auch vor dem frühen Konsum von Cannabis. Das schade den jungen Menschen, die später in eine Gleichgültigkeit verfallen. „Zwischen 50 und 60 können sie sich das Kiffen dann sogar leisten“, scherzte der Wissenschaftler in seinem genauso informativen wie unterhaltsamen Vortrag. Prof. Dr. Georg Juckel setzte sich für ein „Bündnis gegen Depressionen“ auf kommunaler Ebene, also auch in Gevelsberg, ein. Dadurch, das habe sich gezeigt, könnten Suizid-Fälle deutlich gesenkt werden.

Prof. Dr. Reinhard Benn, stellvertretender Kuratoriums-Vorsitzender der Fliedner-Stiftung, hatte zuvor noch einmal deutlich gemacht, dass die „Sorge um die seelische Gesundheit“ schon seit kurz nach der Gründung einen festen Platz in der Stiftung in der Stiftung habe. Die psychologische Medizin werde als praktische und wissenschaftliche Arbeit gesehen. Benn stellte auch die wissenschaftlichen Ambitionen des neuen Chefarztes in Gevelsberg heraus. Er habe aber auch schon als Oberarzt an der Uniklinik in Bochum in Leitungsfunktionen überzeugt.

Den Menschen als Ganzes zu sehen mahnte Pfarrer Martin Bach, Vorstandsvorsitzender der Fliedner-Stiftung. Dazu gehöre, dass es keinen verengten Begriff von Gesundheit geben dürfe.

 
 

EURE FAVORITEN