Vom Lehrer zum Millionär

Die Unternehmesgruppe Dr. Lohbeck hat ihren Firmensitz im alten Prinz von Preußen am Altmarkt in Schwelm.
Die Unternehmesgruppe Dr. Lohbeck hat ihren Firmensitz im alten Prinz von Preußen am Altmarkt in Schwelm.
Foto: WR

Schwelm.. Erfolgreicher Unternehmer, zwielichtiger Geschäftsmann, zurückgezogen lebender Finanzinvestor - über Rolf Lohbeck wurde schon viel geschrieben und noch mehr behauptet. Doch seit seinem Rückzug aus dem Altenheimgeschäft und seit der Insolvenz der Privatbrauerei Schwelm ist es um den gebürtigen Essener ruhiger geworden. Aber zur Ruhe gesetzt haben sich der umtriebige Selfmade-Millionär und seine Frau Heidrun nicht. Statt in Seniorenresidenzen, macht das erfolgreiche Unternehmerehepaar in den letzten Jahren in Immobilien und Hotels.

Als Unternehmer hat Rolf Lohbeck alles erreicht, was man nur erreichen kann: ein erfolgreiches Familienunternehmen und Reichtum. Als Familienmensch ist er stolz auf seine 4 Kinder und 11 Enkelkinder. Doch in seiner Wahl-Heimat Schwelm ist der Gründer der Unternehmensgruppe Dr. Lohbeck nicht unumstritten. In einem 454 Seiten starken Buch (Titel: Sterne fliegen höher – Chronik eines ungewöhnlichen Unternehmerlebens) hat er sein Leben niedergeschrieben.

Rolf Lohbeck spricht selbst von einem „autobiografischen Werk“. „Ich gehöre zu den Nichtangepassten – in jeder Beziehung“, sagt der heute in der sogenannten Bering'schen Villa, hoch über Schwelm thronende 71-Jährige von sich selbst. „Ich hatte nie die Absicht, Unternehmer zu werden. Wollte lieber ein abenteuerliches Leben, fern bürgerlicher Normen führen – im Dschungel in Südamerika. Doch wie das Leben so spielt.“

Dreiviertel des Buches hat der gelernte Volksschullehrer und Dr. phil. in einem Floridaurlaub innerhalb von sechs Wochen „handschriftlich“ zu Papier gebracht. Ehefrau Heidrun Lohbeck hat es dann in den Computer getippt. Für Rolf Lohbeck ist es das fünfte und wohl auch das bisher umfangreichstes Buchprojekt. Vom Immobilienspekulanten, über den Hotelier zum Seniorenheim- und Bier-König von Schwelm und wieder zurück zum Hotelier und Immobilien-Guru – das ist die Kurzform des Unternehmers Rolf Lohbeck. Seine Besitztümer verteilen sich auf verschiedene Länder, Zentrale der Unternehmensgruppe Dr. Lohbeck ist aber Schwelm.

Von den Büroräumen aus der ersten Etage des ehemaligen „Prinz von Preußen“ am Altmarkt haben Rolf und Heidrun Lohbeck einen wunderbaren Blick auf die Christuskirche. „Eine Religiosität, die nicht unbedingt mit Kirche zu tun hat, habe ich mir behalten“, sagt Rolf Lohbeck. Dazu gehöre auch das tägliche Gebet. Das Leben sei kurz und darauf folge die Ewigkeit.

Hollywoodstar Stewart Granger war Nachbar

In Schwelm hat Familie Lohbeck Wurzeln geschlagen. Dazu gehört natürlich auch der Besuch des Heimatfests, das Fischbrötchen und die Wurst auf der Kirmes. Und den Festzug am Sonntag kann das Unternehmerehepaar quasi aus der ersten Reihe heraus verfolgen – vom Balkon des „Prinz von Preußen“ am Altmarkt.

In der ersten Reihe sitzen auch die Leser des Druckwerks – aus Sicht des Buchautors. Für Kenner der Schwelmer Verhältnisse gibt es ein Wiedersehen mit stadtbekannten Größen und Gebäuden. Mit jedem Wort, mit jeder neuen Seite lernt der Leser Rolf Lohbeck und dessen Familie besser kennen, kann Anteil am Aufstieg des Familienunternehmens nehmen. Es ist die Geschichte vom kleinen Volksschullehrer zum Millionär.

Das Privatleben der Familie ist nach der Lektüre des Buches für die Leser kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Lohbeck nimmt seine Leser mit auf seine Reisen durch die Welt, zeigt ihnen, wo urlauben seiner Meinung nach am Schönsten ist. Aufmerksame Leser entdecken aber auch bisher unbekannte Seiten an Familie Lohbeck. Dazu gehört sicherlich deren Bekanntschaft zur Hollywood-Legende Stewart Granger. Der 1993 verstorbene britische Schauspieler wohnte einst Tor an Tor mit der Schwelmer Familie Lohbeck, als sie „wegen des Asthmaleidens der Kinder“ ihre Zelte im spanischen Marbella aufgeschlagen hatte.

Das Buch ist aber nicht nur ein Rückblick auf längst vergangene Zeiten, sondern auch ein Rückblick auf Geschehnisse, die allen Schwelmern noch sehr deutlich in Erinnerung sind und die mit dem Ende der Bierbrautradition in Schwelm zusammenfallen. Für Rolf Lohbeck ist die Sache klar: Ein inkompetenter Betriebsrat und Sabotage ist für das „Aus“ der Brauerei Schwelm verantwortlich. „Die Brauerei war für mich kein Steuersparmodell, sondern eine Herzensangelegenheit“, gibt er seinen Kritikern mit auf den Weg.

Hätten die Mitglieder des Betriebsrats ein Einsehen gehabt, würde es die Brauerei noch geben, sagt Rolf Lohbeck. Sein Deal sei gewesen: „Ihr tretet aus dem Betriebsrat aus und könnt eine Mitarbeitervertretung wählen. Und ich verpflichte mich, die Brauerei noch mindestens zwei Jahre am Leben zu erhalten.“ Selbst mit dem Gedanken, eine neue Brauerei für zehn Millionen Euro auf einem Gelände am Ochsenkamp zu bauen, habe er zum Leidwesen seiner Frau gespielt. Doch wie die Geschichte letztendlich ausgegangen ist, weiß jeder Schwelmer nur zu genau: Die Unternehmensgruppe Dr. Lohbeck braut heute noch Bier in Görlitz, aber in Schwelm ist die Quelle für den Gerstensaft versiegt.

 
 

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