Volkschor sagt zum Abschied leise servus

Der Volkschor Ennepetal zum letzten Mal in Aktion: „Querbeet“, so der Titel des Abschiedskonzerts, bringen die Sängerinnen und Sänger
Der Volkschor Ennepetal zum letzten Mal in Aktion: „Querbeet“, so der Titel des Abschiedskonzerts, bringen die Sängerinnen und Sänger
Foto: WP

Ennepetal..  Obwohl keinem zum Lachen zumute war, musste so mancher schmunzeln und bekam wohl Appetit, als er in das Programmblättchen „Abschiedskonzert des Volkschors Ennepetal“ schaute: Wurde gar im Rahmen des Konzertes eine Fischplatte serviert? Denn: „Die launige Forelle“, „Eine kleine Nachtforelle“, „Zur Ehre der Forelle“ und „Der Freifisch“ wurde gesanglich vom Volkschor, der nun nicht mehr existiert, präsentiert.

Die evangelische Kirche Milspe war ausgebucht zum Abschiedskonzert unter dem Motto „Querbeet“, bei dem der Männerchor Bergeshöh Zurstraße und Henrik Weiß am Klavier mitwirkten. Bevor das umfangreiche musikalische Programm begann, hielt der nun ehemalige Vorsitzende Reinhard Korntheuer einen Rückblick auf „70 Jahre Volkschor Ennepetal“. Er erinnerte daran, dass in der Gaststätte Otto Heringhaus an der Voerder Straße im Jahr 1945 alles begann, sich dort der Volkschor gründete. 1947 habe ein großes Konzert mit dem inzwischen gegründeten Frauenchor stattgefunden. Über 120 Sängerinnen und Sänger hatten das Programm gestaltet. Im Jahr 1945 sei noch ein Kinderchor mit über 100 Kindern dazugekommen, der allerdings nach einigen Jahren aufgelöst wurde.

1962 schlossen sich der Frauenchor und der Männerchor zusammen zum gemischten Volkschor Ennepetal. Im Jahr 1981 übernahm Heinz Martin Schmitz den Taktstock im Volkschor. Der Erfolg habe nicht lange auf sich warten lassen: Auftritte in sozialen Einrichtungen, beim Mai-Einsingen, zur Sang- und Klang-Reihe im Hülsenbecker Tal und zahlreiche gut besuchte Konzerte „hier und da“. „Vielfältige Gründe haben uns nun leider bewogen, den Chor aufzulösen“, teilte Reinhard Korntheuer mit. „Nachwuchssorgen“, sprach er aus.

Chorprobe wird ihr fehlen

Zuletzt zählte der Volkschor noch 21 Sängerinnen und Sänger. Zu ihnen gehörte Lotte Otto, die seit 70 Jahren, von Beginn an, Mitglied im Chor war. Sie sei betrübt, sagte die 89-jährige Milsperin. Immer montags habe man geprobt und auch viel zu erzählen gehabt. Das werde fehlen. Ihr Lieblingslied sei übrigens „Über den Sternen“. Auch Ilona Ploner, seit 60 Jahren im Volkschor, davon 14 Jahre lang 1. Vorsitzende, zeigte sich betroffen.

Reinhardt Korntheuer dankte dem Dirigenten Heinz Martin Schmitz für dessen 34-jährigen Einsatz, man akzeptiere aber seinen Entschluss, etwas kürzer zu treten. Da er als Chorleiter nicht aufhöre, wünschten die Volkschor-Scheidenden ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Tätigkeit. „Ihnen, liebe Zuhörer, wünschen wir eine bleibende Erinnerung an den Volkschor“, beendete Korntheuer seine Rede, um sich dann in die Reihen der Sänger zu stellen und mit schönen Liedern die Besucher zu erfreuen.

Tränen beim letzten Lied

Frühlingslieder wie „Und wieder blühet die Linde“, russische Gesänge („Gibt uns Herr den Frieden“), deutsche und amerikanische Volkslieder („Wohlauf in Gottes schöne Welt“/ „Weit, weit ist der Weg“) sowie internationale Folklore und Evergreens erklangen, wofür es großen Applaus gab. Ebenso Beifall erhielt Henrik Weiß für dessen Klavierstücke „Träumerei“ und „Abschied“ von Robert Schumann. Heinz Ewald Trust, der als Bescher in den Reihen saß, wurde gedankt für das von ihm komponierte Stück „Heute hier, morgen dort“.

Und nachdem „Sag beim Abschied leise servus“ gesungen wurde, mussten Tränen getrocknet werden.

INFO:

Es sei schade, hatte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, der mit Ehefrau Ilona das Abschiedskonzert besuchte, schon bei Eröffnung des Mai-Einsingens betonte, dass der Volkschor sich auflöse. Er finde es aber ganz toll, dass kein Eintritt zum Konzert erhoben, sondern um eine Spende zugunsten des Kinderschutzbundes Ennepetal gebeten werde.

Vorsitzender Reinhard Korntheuer konnte in der Ev. Kirche Milspe neben Wilhelm und Ilona Wiggenhagen auch die Erste Bürgermeisterstellvertreterin Anita Schöneberg mit Ehemann Jürgen sowie den Vorsitzenden des Stadtverbandes Ennepetaler Chöre und Bezirksvorsitzender im Sängerkreis Hagen Ennepe-Ruhr, Dieter Ehrenthal, begrüßen.

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