Villa Stockey gehörte den Quandts

Ennepetal..  In der vergangenen Woche starb eine der reichsten Frauen Deutschlands: Johanna Quandt. Der Name ihrer Familie, die insbesondere als BMW-Großaktionäre ein Milliardenvermögen angehäuft hat, war für einige Jahre auch mit Ennepetal verbunden. Günther Quandt, dem Vater von Johannas Ehemann Herbert Quandt, gehörte ein Zeit lang die Villa Stockey an der Heinrichstraße.

1948 erworben

Hans Hermann Pöpsel, Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtgeschichte, machte auf die Verbindung aufmerksam, die nicht zuletzt in einem Beitrag der früheren Stadtarchivarin Ingrid Windmöller über die Villa und die in den Ennepetaler Forschungen dargestellt wird (Heft 18 aus dem Jahr 2009). Die Villa war 1913/1914 von den Gevelsberger Architekten Peter und Emil Nau im Auftrag von Julius Stockey, damals Mitinhaber der Firma Stockey & Schmitz, gebaut worden. 1948 erwarb Günther Quandt nach seiner Haftentlassung als Kriegsverbrecher die Villa von Julius Stockey Witwe Bertha. Warum er den imposanten Bau erwarb, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Er hatte nach dem Krieg – vor allem in größeren Städten – vielversprechende Bauplätze erworben. Ein Grund für den Kauf der Villa in Milspe könnte Ingrid Windmöllers Ausführungen zufolge die Nähe zu Hagen gewesen sein. Dort hatte die Firma AFA (später Varta) ihren Sitz, Günther Quandt war deren Vorstandsvorsitzender.

Später das Bauamt beherbergt

Günther Quandt zog ohne Familie in die Villa ein. Man habe ihn persönlich nie gesehen, schreibt Ingrid Windmöller. Wenn er anwesend gewesen sei, habe er bis spät in die Nacht gearbeitet. 1954 starb Günther Quandt bei einer Reise in Ägypten. Sieben Jahre blieb die Villa anschließend noch im Besitz seiner Erben. Doch schon kurz nach seinem Tod hatte die Stadt Ennepetal Interesse am Erwerb von Haus und Grundstück angemeldet. Verhandlungen scheiterten aber an den Preisvorstellungen der Quandts.

1962 kaufte Gustav Crämer aus Hiddinghausen die Villa, um sie 1963 doch an die Stadt zu veräußern. Ein Jahr später erwarb die Stadt von ihm auch das Parkgrundstück. Bis 1998 war in dem erhabenen Bau das Bauamt beheimatet, danach erwarb zunächst ein Investor Villa und Grundstück, kurz danach verkaufte er die Villa weiter, die bis heute in Privatbesitz ist.

 
 

EURE FAVORITEN