Viel Beifall für zwei Uraufführungen

Das Herzstück des Industriemuseums Ennepetal. Hier war einst die alte Schraubenfabrik Böddecker & Ebbinghaus beheimatet, die im Film „Frauen – Zeitzeuginnen der Industrie“ eine Rolle spielt.
Das Herzstück des Industriemuseums Ennepetal. Hier war einst die alte Schraubenfabrik Böddecker & Ebbinghaus beheimatet, die im Film „Frauen – Zeitzeuginnen der Industrie“ eine Rolle spielt.
Foto: Volker Speckenwirth (WR)

Ennepetal..  Gegensätzlicher können die Filme von Horst Groth nicht sein. Einer dokumentiert Frauen bei der Arbeit in Fabriken, der andere zeigt die Schokoladenseiten Ennepetals. Beide Filme sind ein Bekenntnis zur Heimat Ennepetal, zur Industriestadt mit Wäldern und Feldern und touristischen Angeboten. Beide Filme wurden am Dienstag vor viel Publikum im Hörsaal des Hauses Ennepetal uraufgeführt und für beide Filme gab es eine Menge Beifall und große Zustimmung.

Weil diesmal die Jahresveranstaltung des Förderkreises Industriekultur eine besondere Bedeutung für Ennepetal hatte, eröffnete Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen im Beisein seiner ersten Stellvertreterin Anita Schöneberg und vielen Ratsmitgliedern die Veranstaltung.

Zeitzeuginnen interviewt

Wie und warum arbeiteten Frauen in Fabriken und Produktionshallen? Aus dem von der Ennepetaler Gleichstellungs- und Ehrenamtsbeauftragten Sabine Hofmann moderierten Frauennetzwerk entstand ein Arbeitskreis namens „Museum – Frauengeschichten im Industriezeitalter“, der diesen Fragen nachging und die schließlich mit dem Film „Frauen – Zeitzeuginnen der Industrie“ von Horst Groth dokumentiert wurden. Sabine Hofmann, die Gevelsberger Künstlerin Renate Schmidt-Vogt, Elke Zach-Heuer und Stadtarchivarin Frauke Blum interviewten einfühlsam die Zeitzeuginnen und bekamen ganz persönliche Antworten.

Die Frauen, die u. a. bei Peddinghaus in Altenvoerde, bei Vormann und Hesterberg sowie bei Brocke in Schwelm und bei Hauer Schmidt in Gevelsberg gearbeitet hatten, berichteten übereinstimmend von einem guten Betriebsklima und von freundlichen Chefs. Unterschiedlich die Aussagen zu den Löhnen: eine wurde bezahlt wie Männer, die anderen hatten bei gleicher Arbeit weniger in der Lohntüte. „Das ärgerte uns sehr!“ war zu hören. Vor allem die Begründung der Chefs: „Die Männer hätten schließlich Familie!“ Familie hatten und haben die Interviewten auch: „Wir mussten etwas hinzuverdienen!“ Kinder wurden oft von den Eltern und Schwiegereltern betreut. Dennoch sei man gerne zur Arbeit gegangen, habe Hämmer eingestielt, am Schleifstein gestanden oder bei Brocke in Schwelm technische Zeichnungen für Waschmaschinen erstellt.

Die Frauen Ingrid Nielsen, Helga Fabritz, Margitta Luft, Annemarie Maurer und Andromachi Soruvaku saßen ohne Scheu vor der Kamera und berichteten wohl aus dem Herzen erzählend aus ihrem Leben. Gleich zu Anfang war im Film Renate Leithold zu sehen. Die vor einiger Zeit Verstorbene war langjährige Grundschullehrerin und ist die Enkelin des ehemaligen Altenvoerder Fabrikanten Ebbinghaus (Schraubenfabrik Böddecker & Ebbinghaus), der damals für seine beschäftigten jungen Frauen in der Bismarckstraße ein Wohnheim baute, in dem heute das Rathaus untergebracht ist. Die Fabrikgebäude beherbergen heute das Industriemuseum.

Kutschfahrt durchs grüne Ennepetal

Uraufführung Nr. 2: „Mein Ennepetal“ wurde von Horst Groth im Auftrage von Friedrich Burgath erstellt. Burgath ist auch der Hauptdarsteller, der mit seiner vierspännigen Kutsche durch das grüne Ennepetal fährt, die Kirchen in Rüggeberg und Voerde ansteuert und natürlich seine Pferde durch das Tal der Ennepe traben lässt. Es gibt jede Menge Informationen, verpackt mit schönen Bildern. Der Film von Horst Groth wurde im vergangenen Jahr beim Festival der nichtkommerziellen Filmemacher in Düsseldorf mit der Bronzemedaille ausgezeichnet: Ennepetal kompakt – in zehn Minuten.

Der Film- und Vortragsabend erhielt eine schöne Einstimmung zum Thema. Hardy Lahme zeigte seinen Film „Der EN-Kreis – Die Wiege der Industriekultur des Ruhrgebiets!“ Ein beachtenswerter Streifen.

Und weil es um Industrie und Kultur ging, erlebten die Besucher noch einen interessanten Vortrag von Prof. Dr. Helmuth Burger zum Thema „Die Bibel in Eisen“. Burger stellte alte Ofenplatten vor, die biblische Szenen zeigten, in bester Gießerkunst. Die Bilder warben recht deutlich für die Reformation: Kunst am Ofen mit Aussagekraft.

Zum Schluss gab es herzliche Dankesworte von Prof. Döpp für alle Akteure und danach im Foyer Gespräche beim Sekt über die Filme, über Industriekultur und die Heimat Ennepetal.

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