„Vermieter kann sich schnell strafbar machen“

Haus und Grund Schwelm 1. Vorsitzender Heiner Maas.
Haus und Grund Schwelm 1. Vorsitzender Heiner Maas.
Foto: WP

Schwelm.  Die Fronten sind verhärtet. Konstruktive Verhandlungen zwischen dem Mieterverein Schwelm und Umgebung sowie dem Haus- und Grundbesitzerverein Schwelm sind derzeit unmöglich. Grund: Der Mietspiegel. Dieser wurde seit dem Jahr 2003 unverändert Jahr für Jahr fortgeschrieben. Im vergangenen Jahr widersprach Haus und Grund. Seit einem knappen Jahr hat die Kreisstadt keinen gültigen Mietspiegel mehr. Über die Gründe dafür, die Situation der Immobilienbesitzer generell und die Perspektiven auf dem Wohnungsmarkt für die Zukunft spricht Heiner Maas, 1. Vorsitzender von Haus und Grund.


Warum haben Sie der Fortschreibung des Mietspiegels widersprochen?
Weil diese zehn Jahre alten Zahlen, die wir damals ermittelt haben, nichts mehr mit der heutigen Realität zu tun haben. Für die angesetzten Zahlen ist kaum eine kostendeckende Vermietung möglich. Von Rücklagenbildung für Sanierung und Modernisierung ganz zu schweigen. Ich schicke meine Mitglieder nicht in die Strafbarkeit.
Was passiert denn, wenn der Vermieter den Quadratmeterpreis eigenmächtig festsetzt?
Da kann sich der Vermieter ganz schnell strafbar machen. Bei einer Überschreitung von mehr als 50 Prozent sprechen wir von Mietwucher. Eine Ordnungswidrigkeit unter gewissen Voraussetzungen bereits bei einer Überschreitung von 20 Prozent gegeben sein. In beiden Fällen besteht die Gefahr der Rückzahlungspflicht aller Beträge, die mehr als 20 Prozent über dem Mietspiegel liegen.


Welche Konsequenzen hat das für den Markt in Schwelm?
Durch demografischen Wandel haben wir seit einigen Jahren keinen Vermietermarkt mehr, sondern einen Mietermarkt. Heißt: Die Interessenten wählen die Wohnung aus und nicht mehr der Hausbesitzer seine Mieter. Leerstände nehmen zu. Erschwerend kommt durch den niedrigen Mietspiegel hinzu, dass Schwelm für Investoren von außerhalb völlig uninteressant ist.


Wo liegt denn das Problem einer Anpassung?
Der Mieterverein Schwelm und Umgebung sperrt sich dagegen. Die Verhandlungen im Jahr 2012 hatten eine Hartleibigkeit, die ich selten erlebt habe. Nach deren Scheitern hat sich der Schwelmer Beigeordnete Ralf Schweinsberg eingeschaltet und vorbildlich engagiert. Er hat EN Wohnen sowie die Schwelmer und Soziale mit an den Tisch geholt. Der Mieterverein rückte von seiner Position, alles so belassen zu wollen, wie es ist, jedoch keinen Millimeter ab. Irgendwann hat davor auch die Verwaltung kapituliert, so dass die Geschichten nun eine politische Frage ist. Ich will demnächst Fraktionsgespräche führen.


Was schwebt Ihnen denn konkret vor?
Ich will keine Wolkenkuckucksheimwerte, sondern eine realistische Anpassung an die Gegebenheiten. Die liegen bei einer Erhöhung von acht bis zehn Prozent. Denken wir die Sache doch einmal weiter: Der Renovierungsstau nimmt zu, das Geld, dagegen anzugehen, sinkt bei den Vermietern weiter. Gleichzeitig steigen aber die Ansprüche der Mieter, was Ausstattung und energetische Werte von Wohnungen angeht. Die beiden Enden bekommen Sie irgendwann nicht mehr beisammen. Ganz zu schweigen von kosmetischen Arbeiten an den Fassaden. Fazit: Die Stadt Schwelm, die im Speckgürtel des Ruhrgebiets und Düsseldorfs noch sehr interessant ist, wird für Neubürger immer unattraktiver.


Wie wollen Sie dieses Dilemma lösen?
Wenn es keine Fortschreibung des Mietspiegels mit veränderten Zahlen gibt, ist unser Ziel eine neue Erhebung. Diese wird aber nicht vor dem Jahr 2014 oder 2015 möglich sein, weil wir dafür minimal eineinhalb Jahre benötigen. So hatten wir im Jahr 2002 bei der letzten Erhebung 1320 Wohnungen ausgewertet. Trotzdem lagen die Werte des neuen Mietspiegels 16 Prozent unter den von uns ermittelten tatsächlichen Mieten.


Was würden Sie persönlich einer jungen Familie, die nach Schwelm ziehen will, raten? Bauen, kaufen oder mieten?
Für Schwelm ist das ganz egal, sie bleiben sowieso hier, weil es in unserer Stadt so schön ist (lacht). Im Ernst: Das ist eine ganz individuelle Entscheidung. Zinsen und Preise sprechen für Eigentum. Die Rechnung ist ganz einfach: Betrachten Sie die Zinsen als Miete, die Tilgung als Kapitalbildung. Trotzdem ist es derzeit nicht wirklich lustig, Hauseigentümer zu sein. Ich würde in der Tat eher raten, zu mieten.

 
 

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