Verein "Katzen-Glück" fordert örtliche Kastrationspflicht für Katzen

Den Katzen ein lebenswertes Dasein zu bereiten, ist das Hauptziel des Vereins. Dazu gehört nicht nur die Pflege, sondern auch mal ein leckeres Stück Schinken.
Den Katzen ein lebenswertes Dasein zu bereiten, ist das Hauptziel des Vereins. Dazu gehört nicht nur die Pflege, sondern auch mal ein leckeres Stück Schinken.
Foto: WP
Der Verein "Katzen-Glück" in Gevelsberg fordert eine Kastrationspflicht für Katzen. Doch die Versuche, die Stadt dazu zu bewegen, sind bisher erfolglos. Nicht nur das Kastrieren ist ein Thema, mit dem sich Katzenhalter beschäftigen sollten - am besten schon bevor man sich eine Katze zulegt.

Gevelsberg. Der größte Irrglaube bei Katzen sei, dass sie für sich selber sorgen können. „Nur die wenigsten schaffen das“, weiß Ulrike Klaus aus Erfahrung. Hunderte dieser Tiere sind schon von ihr und den Mitstreitern vom Verein „Katzen-Glück“ aufgenommen worden. Oftmals, weil sie vom Menschen sich selbst überlassen wurden, krank und ausgehungert in der Tiernothilfe landeten.

Viele werden aber auch immer noch ausgesetzt, weil sie zu unbequem oder zu teuer wurden. „Etwas mehr Verantwortungsgefühl – und viel Elend könnte vermieden werden“, sagt sie. Aber auch fehlendes Wissen und Gedankenlosigkeit sorgten dafür, dass es Kater wie „Jogi“ gebe, der in seinem kurzen Katzenleben schon sehr viel durchgemacht hat.

Etwa 100 Tiere pro Jahr vermittelt

Katzen brauchen mehr als Futter, für das übrigens im Monat mindestens 60 bis 80 Euro einkalkuliert werden müsse, weiß die Tierschützerin. Viele würden sich nicht ausreichend informieren, bevor sie sich ein Tier anschaffen. Unwissenheit sei auch Grund dafür, dass der erst elf Monate alte Kater „Jogi“ bereits drei Besitzer und ein völlig gestörtes Sozialverhalten hatte, als er in der Tiernothilfe unterkam. Aus einem einfachen Grund: Er war nicht kastriert. „Der Kater stand permanent unter Druck wie ein Dampfkessel“, sagt Ulrike Klaus. Kein Wunder, dass er so schwierig war, nie in der Lage war, mit einem Menschen zusammenzuleben.

Acht Wochen nach der Kastration ist aus einem unausstehlichen Rabauken ein Schmusetiger geworden. Er ist und bleibt aber ein Alphatier, erklärt Ulrike Klaus und streichelt „Jogi“ über den Kopf.

Jede Katze sei eben anders, habe bestimmte Charaktereigenschaften, doch unkastriert überwiegen Jagd- und Sexualtrieb, der Wunsch nach Freigang und der Konkurrenzkampf. Deshalb sei Ulrike Klaus auch für eine Kastrationspflicht. Nicht, dass sie das Problem lösen würde, aber sie würde die Situation „unendlich verbessern“, ist sie sich sicher. Weniger Katzen würden ausgesetzt, sie würden sich auch weniger vermehren. „Eine Katze kann, inklusive Kindeskinder im Jahr 65 Nachkommen zur Welt bringen“, erklärt Ulrike Klaus. Katzen seien bereits nach sechs Monaten geschlechtsreif, haben mehrere Würfe im Jahr.

In 250 Städten und Gemeinden in Deutschland gibt es die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht. In Gevelsberg haben der Verein Katzen-Glück, das Tierheim Strückerberg und der Tierschutzverein Gevelsberg gemeinsam einen entsprechenden Antrag formuliert. Der zweite bereits. Vonseiten der Stadt hieße es, dass verwaltungsrechtliche Probleme dagegen sprechen würden. „Woanders klappt es doch auch“, sagt die Tierfreundin und hofft, dass es bald ein Umdenken gibt.

Wichtig sei, dass das Thema artgerechte Haltung mehr ins Bewusstsein der Menschen rücke, denn viele wüssten gar nicht, was für Katzen neben der Nahrung und einem Heim wichtig sei. Vor allem an einem Tag wie heute, an dem der Welt-Katzentag gefeiert wird, sollten die Menschen für Themen wie Kastration und Verantwortung sensibilisiert werden.

Vor zwölf Jahren wurde der Verein „Katzen-Glück“ gegründet, weil Ulrike Klaus das Schicksal der Tiere ans Herz ging. Etwa 200 Kastrationen werden von dem Verein pro Jahr finanziert, dazu kommt die Übernahme zahlreicher Arztkosten, Futter, Medizin. Etwa 100 Katzen werden in einer der Katzenstationen pro Jahr wieder aufgepäppelt und an verantwortungsvolle Menschen vermittelt. Über 200 frei lebende Tiere zusätzlich versorgt.

„Jogi“ sucht ein neues Zuhause

25 bis 28 aktive Mitstreiter hat Ulrike Klaus. Sie alle packen tatkräftig mit an, organisieren verschiedene Veranstaltungen, um die Kosten reinzuholen. Dazu kommen Spenden und Mittel von der Aktion Tier. Am wichtigsten sei aber die Vermittlung, sagt Klaus. Für ein lebenswertes Katzenleben. Nicht jede Katze passe zu jedem. Man müsse auf die Bedürfnisse beider achten, auf die Eigenheiten. Ulrike Klaus sucht jetzt ein neues Zuhause für „Jogi“. Jemand, der sich um ihn kümmert und weiß, was er braucht. Bei Ulrike Klaus kann er nicht bleiben. Ihm geht es wieder gut, ist bereit für einen Neuanfang. „Und wir müssen noch vielen anderen helfen.“

 
 

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