Taucher entdeckt Neuland in Höhle

Tauchgänge in der Kluterthöhle Westsee
Tauchgänge in der Kluterthöhle Westsee
Foto: AK Kluterthöhle

Ennepetal..  Die Vermessung der Welt ist ein echter Bestseller, die Vermessung der Kluterthöhle ist es in Fachkreisen. Immer wieder gibt es neue Abenteuer, auf die sich der Arbeitskreis Kluterthöhle einlässt. Das lohnt.

Davon zeugen die neuesten Berichte aus der Ennepetaler Unterwelt: Insgesamt 231 Meter Neuland wurden entdeckt, berichtet Stefan Voigt, Vorsitzender des Arbeitskreises. Das Interessante: Der Arbeitskreis hat sie sich mühselig ertaucht.

Spektakulär ist die Forscherarbeit von Stephan Schild aus Schwelm. Der erfahrene Taucher ist Mitglied des Arbeitskreises Kluterthöhle. Er stieg in den Westsee der Kluterthöhle, zwängte sich unter Wasser durch einen engen Siphon und staunte: Ein neue wunderbare Höhlenwelt war entdeckt. Fazit: Die Kluterthöhle ist länger als bisher angenommen.

Der Tauchgang war nicht einfach. Stephan Schild musste sich durch eine nur 40 Zentimeter hohe und 1,20 Meter breite Öffnung hindurch zwängen. Der Rückweg gestaltete sich noch schwieriger, da Ablagerungen hochgewirbelt wurden und das Wasser wie Kaffee aussah. So schildert es Stefan Voigt und erklärt: „Der Kalk ist hier sehr unrein.“ Stephan Schild schaffte es. Er musste seine Ausrüstung einschließlich zweier Sauerstoffflaschen seitlich tragen, um die Enge passieren zu können. „Eine große Leistung,“ lobt Voigt.

Höhlentauchen ist eine echte Herausforderung: Kälte, Dunkelheit, Schlamm, Enge und fehlende Orientierung. Schlimm ist es, wenn der Schlamm aufgewirbelt wird und den Taucher einholt, man kann nichts mehr sehen.

Höhlenflohkrebs lebtim Zwergenschacht

Die zuvor erfolgten Tauchgänge, mindestens seit 1967, beschränkten sich meist auf Einzelaktionen. Mit dem damaligen Stand der Technik war eine Vermessung der Unterwasserbereiche aufgrund der schwierigen Sichtverhältnisse nicht möglich. Die aktuelle Technik erlaubt eine grobe Vermessung und die Videodokumentation der Tauchstrecken.

Seit 2007 arbeiten sich die Taucher des Arbeitskreises systematisch durch die Höhle. Zusätzlich werden die Tauchstellen der Bismarckhöhle untersucht, die zusammen mit einigen anderen Kleinhöhlen zum Klutertsystem gehört.

Noch beim Kongress der internationalen Höhlenforscher 2010 im Haus Ennepetal war sich der Arbeitskreisvorsitzende Stefan Voigt sicher: „Das Höhlensystem im Klutertberg verbirgt keine Geheimnisse mehr.“ Der erfahrene Höhlenforscher hatte sich getäuscht. Zwei neue Höhlen verbirgt der Klutertberg. Zehn sind ja schon seit längerer Zeit in der Fachwelt bekannt. Nun kommen das „Ackerloch“ und der „Zwergenschacht“ hinzu. Die Höhle Ackerloch liegt im Bereich der Bahnlinie und der Zwergenschacht auf Ebbinghausen, beide entdeckt vom Arbeitskreis.

„Es bleibt spannend im Klutertberg“, zieht der Vorsitzende Bilanz, denn durch die Entdeckungen seien womöglich ganz neue Erkenntnisse zu gewinnen. Verbindungen zur Bismarckhöhle? Alles sei möglich. Der „Zwergenschacht“ auf Ebbinghausen, wo es auch schon die Ebbinghauser Höhle gibt, wurde durch einen starken Luftzug entdeckt, der aus einer Spalte kam. In dieser Höhle lebt auch der Höhlenflohkrebs. Das kleine Lebewesen hat keine Augen, aber einen sehr guten Tast- und Geruchssinn, schildert Stefan Voigt.

Ein Aushängeschild des Arbeitskreises Kluterthöhle ist die Heilenbecker Höhle. Sie ist gut verschlossen und getarnt. Wissenschaftler der Universitäten Prag und Bochum waren jüngst wieder in die Heilenbecker Höhle eingestiegen. Sie wissen, dass diese Entdeckung der Ennepetaler Höhlenforscher einen hohen Stellenwert für die Forschung hat.

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