Stadtrat diskutiert wieder über Kastrationen

Ulrike Klaus zieht in ihrem Haus junge Katzen auf, die zu verwildern drohten und sucht für die Tiere ein neues Zuhause.
Ulrike Klaus zieht in ihrem Haus junge Katzen auf, die zu verwildern drohten und sucht für die Tiere ein neues Zuhause.
Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg..  Die Kastrationspflicht für Katzen ist erneut Thema im Gevelsberger Rat geworden. CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Günther Adrian wollte in der Fragestunde wissen, ob sich die rechtliche Situation seit der Beratung eines entsprechenden Antrags der Grünen verändert habe. Anlass war für den Christdemokraten eine entsprechende Berichterstattung in unserer Zeitung.

Ulrike Klaus, Vorsitzende des Vereins Katzen-Glück hatte angeprangert, dass die Zahl der streunenden und notleidenden Katzen in Gevelsberg und Umgebung rapide zunehme, weil der Rat sich nicht zu einer Kastrationspflicht durchgerungen habe. Aus einer freilebenden Katze würden im Laufe eines einzigen Jahres sozusagen 60, die nicht in der Lage seien, ohne die Hilfe von Menschen zu überleben. „Wenn ein Politiker sich die Not der Tiere ansehen würde, dann müsste er mir helfen“, so Ulrike Klaus, in deren Haus aufgelesene Katzen inzwischen sechs Räume bewohnen.

200 Kommunen in Deutschland, so die Tierschützerin, hätten sich inzwischen bereits zu einer Kastrationspflicht von freilaufenden Katzen entschlossen, um die explosionsartige Vermehrung der „Stubentiger“ einzudämmen. Als vor drei Jahren im Gevelsberger Stadtrat ein Antrag der Grünen über die Kastrationspflicht beraten wurde, verwies Bürgermeister Claus Jacobi auf rechtliche Bedenken des Städte- und Gemeindebundes. Das sei „damals sehr wenig zufriedenstellend gewesen“, so der CDU-Politiker Adrian jetzt in seiner Anfrage. Ob sich etwas an der Rechtslage oder der Einstellung der Landesregierung geändert habe, wollte er wissen.

„Meinen Informationen nach nicht“, meinte Jacobi, der auch einen Sitz im Rechtsausschuss des Städte- und Gemeindebundes inne hat. Der habe eine deutliche Regelung durch die Landesregierung in NRW gefordert, bei der auch gleichzeitig die Frage der Kostenübernahme geregelt wird. Die liegen pro tierärztlichen Eingriff zwischen 100 und 120 Euro. Zwischen 200 bis 250 Kastrationen finanziert im Augenblick noch der Verein Katzen-Glück zum Beispiel durch die Erlöse der selbst organisierten Flohmärkte in der Aula Alte Geer.

Antrag auch im Kreistag

„Wir haben ein Problem mit den Katzen im Stadtgebiet“, räumte auch Claus Jacobi unumwunden ein. „Das Problem ist sehr groß“, fügte der Bürgermeister hinzu. Martina Dietz, Vorsitzende der gemeinsamen Fraktion von FWG und FDP, verwies darauf, dass sich die Landesregierung durchaus bewegt haben könnte. Das habe so bei politischen Gesprächen mit dem Veterinäramt des Ennepe-Ruhr-Kreises geklungen.

Nach der Berichterstattung in unserer Zeitung ist die Kastrationspflicht für Katzen auch ein Thema auf Kreisebene geworden. Die Freien Wähler und die Piratenpartei im Schwelmer Kreistag setzen sich in einem gemeinsamen Antrag für eine Katzenschutzverordnung mit Kastrations- und Kennzeichenpflicht für die freilaufenden „Stubentiger“ ein.

Sachstandsbericht zugesagt

Im Tierschutzbericht der Bundesregierung hieß es im vergangenen Jahr: Es könne „erforderlich sein, den unkontrollierten freien Auslauf fortpflanzungsfähiger Haus- und Hofkatzen für einen bestimmten Zeitraum zu beschränken oder zu verbieten“. Die einzelnen Bundesländer müssten daher entscheiden, ob sie den Stubenarrest verhängen wollen oder nicht. In das Tierschutzgesetz wurde dafür schon 2013 eine Ermächtigung für die Landesregierungen eingefügt.

Eine nennenswerte Zahl von Kommunen will aber nicht warten, bis in Düsseldorf gehandelt werden. Vorbild ist für sie das „Paderborner Modell“, dort wurde die Kastrationspflicht bereits vor acht Jahren eingeführt. Die Stadt Essen hat sich erst im April dieses Jahres in der Reihe derjenigen Kommunen eingereiht, die eine Kastrationspflicht haben.

In Gevelsberg, so versprach Bürgermeister Jacobi, soll auf einer der nächsten Ratssitzungen über den Stand der Dinge berichtet werden. Und wie immer, wenn es um streunenden Katzen geht, wirkte der Stadtrat so zum Schluss ziemlich ratlos.

 
 

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