„Schwelmer sollen besser zusammenhalten“

Christine Beyer, Geschäftsführerin der GSWS will in Schwelm noch einiges bewegen.
Christine Beyer, Geschäftsführerin der GSWS will in Schwelm noch einiges bewegen.
Foto: WP

Schwelm..  Christine Beyer trat ihren Dienst als Geschäftsführerin der Gesellschaft für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung Schwelm (GSWS) vor knapp eineinhalb Jahren an und geht ihren Aufgaben mit Freude und Engagement nach. Allerdings hat sie auch einige Schwelmer Eigenheiten während dieser Zeit kennengelernt. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen.


Frage: Haben sich ihre Erwartungen, die sie vor Dienstantritt hatten, bestätigt?
Christine Beyer: Ich muss gestehen, dass es für mich als Frau vom Niederrhein nicht so ganz einfach ist im Westfalenland. Ich bin sehr offen und gehe auf die Menschen zu. Damit stoße ich auch auf Widerstand. Ich versuche, mich aber stets aller Probleme anzunehmen, auch wenn manches einfach nicht umsetzbar ist. Ich habe sicherlich an vielen Stellen Überzeugungsarbeit geleistet, kann und will aber auch nicht everybody’s darling sein.
Wie lautet Ihre persönliche Zwischenbilanz?
Ich bin sofort in die Weihnachtsmarktplanung eingestiegen, dann kam eine ruhigere Phase, in der Ursula Rasche, Markus Franke und ich als Team gewachsen sind. Durch den Umzug unserer Geschäftsstelle haben wir deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, was sehr schön ist. Die Veranstaltungen sind fast alle so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, aber ich glaube ich habe mir den Ruf erarbeitet, die Dinge anzupacken. Besonders hat mich gefreut, dass „Schwelm wird bunt“ so toll funktioniert hat.


Was kann aus Ihrer Sicht denn verbessert werden?
Wir brauchen in dieser Stadt mehr Zusammenhalt und Unterstützung. Wir selbst sind von der GSWS personell und finanziell knapp aufgestellt. Wenn einige dann nur das Negative herauspicken, ist das kontraproduktiv. Ebenso, wenn nicht alle Einzelhändler und Unternehmer an einem Strang ziehen, sondern ausschließlich auf sich selbst achten. Wir sind stets darauf bedacht, etwas zum Wohl der Stadt zu bewegen. Da müssen alle mitmachen, damit solche Dinge gelingen.


Da setzen Sie sich ein ehrgeiziges Ziel.
Mit ist bewusst, dass es in der Geschichte der GSWS verschiedene Gründe gibt, warum wir nicht überall bekannt sind und warum wir nicht überall einen guten Ruf genießen. Es bringt aber nichts, in die Vergangenheit zu blicken. Wir können es nur besser machen und schauen nun ins Jahr 2015.


Was erwartet die Schwelmer im kommenden Jahr?
Natürlich die bewährten Veranstaltungen mit den beiden Trödelmärkten, Schwelm wird bunt und dem Weihnachtsmarkt. Außerdem haben wir noch zwei Neuerungen in Planung.


Welche sind das konkret?
Wir wollen analog zum Business-Brunch am 14. Mai – Vatertag – einen Bürgerbrunch im Haus Martfeld veranstalten. Der Gastronom hat bereits Interesse signalisiert. Intensiv steigen wir in die Planungen aber erst im Januar ein. Das zweite Projekt wird eine Veranstaltung zwei Wochen nach dem Heimatfest. Hier gibt es allerdings noch derart viele ungeklärte Fragen, dass ich darüber noch nichts verraten kann. (Anmerkung der Redaktion: Laut GSWS-Internetauftritt wird an diesem Tag das erste Schwelmer Oktoberfest stattfinden.)


Sie sprachen den Business-Lunch an, der nicht wie gewünscht funktionierte. Wie geht es damit weiter?
Der klappte tatsächlich nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir wollen ihn trotzdem noch mal aufleben lassen. Außerdem werden wir nach dem Premieren-Erfolg auch im kommenden Jahr ein abendliches Unternehmertreffen veranstalten. Wir haben schon diverse Anregungen bekommen, die wir für 2015 umsetzen möchten.


Sie treiben vor allem die Veranstaltungen voran. Wo bleibt die Wirtschaftsförderung?
Das kann man aus meiner Sicht nicht trennen. Unternehmen, die auf der Suche nach Mitarbeitern sind, ist es wichtig, dass auch die so genannten weichen Faktoren funktionieren. Dazu gehört auch, dass man schöne Veranstaltungen hat. Außerdem spreche ich mich wöchentlich mit Bürgermeister Jochen Stobbe ab und versuche, die Unternehmen zu besuchen. Manchmal ist es allerdings gar nicht so leicht, Termine zu bekommen.


Welche Wünsche trägt die Unternehmerschaft an Sie heran?
Vor allem geht es um kaputte Straßen, mit denen der Anlieferungsverkehr zu tun hat, und um Sauberkeit in der Stadt. Außerdem ist das Thema Sicherheit ein ganz großes. Die Videoüberwachung der Stadt wird immer wieder angesprochen.


Das hat in anderen Kommunen zu heftigen Protesten geführt. Wie ernst ist die Option der Kameras?
Man muss abwägen. Ich persönlich glaube, dass der Vandalismus nicht derart stark ist, dass man sie zwangsläufig in der Stadt brächte. Da sind wir wieder beim Zusammenhalt. Jeder kann mithelfen, diese Stadt sicherer zu machen.


Die Gevelsberger rühmen sich als „Marktführer der Innenstädte im Südkreis“. Blicken Sie neidisch Richtung Osten?
Nein! In Gevelsberg herrscht eine andere Struktur. Neid ist nicht meine Art, ich will lieber etwas voranbringen. Das heißt nicht, dass man gute Ideen anderer nicht für sich selbst nutzen kann. Ich glaube Schwelm hat riesiges Potenzial, manchmal wird aber zu lange diskutiert, manches wurde sicherlich zu spät erkannt.


Wie die Möglichkeit auch draußen ein Bier trinken zu können?
Diesen Wunsch gibt es, kein Zweifel. So süß die Fußgängerzone auch ist, es stellt immer wieder ein Problem dar, dass sie so schmal ist. Aber noch einmal: Wenn die Unterstützung und der Zusammenhalt steigen, dann könne wir hier gemeinsam einiges bewegen. Dass das allerdings nicht von heute auf morgen geht, sollte auch jedem klar sein.

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