Schöner Abend zu ernstem Thema mit Ann-Kathrin Kramer

Foto: Christina Makarona

Ennepetal.. Der Regen peitschte durch die Stadt. Es war dunkel und die Fußgängerzone menschenleer. Kein Wunder. Alle saßen sie bei Köndgen und strahlten vor Freude, besonders der Geschäftsführer der Buchhandlung und Mitveranstalter Thomas Helbig. Denn der konnte am Donnerstagabend nicht nur über 100 Besucher begrüßen, sondern auch einen „echten Star“.

Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer ermittelte diesmal nicht fürs „Duo“ oder war auf dem Jacobsweg bis ans Ende der Welt unterwegs, sondern für Amnesty International – und sorgte dafür, dass die Buchhandlung proppenvoll war. Und um es gleich vorwegzunehmen: „Sie ist wirklich so schön wie auf dem Bildschirm. Nein, noch schöner“.

Botschaften vermitteln

Diese Nachricht wisperte sich dann auch schon durch die Stuhlreihen, als die Lesung noch gar nicht begonnen hatte und der Stargast sich noch im Hintergrund mit Tobias Kiwitt von der Schwelmer Amnesty-Gruppe unterhielt. Schließlich galt es ja an diesem Abend, noch andere Botschaften zu übermitteln, und zwar aus dem Buch „Wer die Wahrheit spricht..., muss immer ein gesatteltes Pferd bereithalten.“

Das Lesebuch, wir stellten es bereits vor, beinhaltet 26 Geschichten junger Autoren zu den Menschenrechten. Sie widmen sich je einem Menschenrechtsartikel, und Ann-Kathrin Kramer las fünf davon vor. Einer der Autoren saß sogar im Publikum. Elmar Nettekoven hatte die Erzählung „Tomán und die Kreuzfahrt“ geschrieben. Klar, wenn der Autor schon selbst anwesend war, ließ es sich Ann-Kathrin Kramer nicht nehmen, die Erzählung, in der es um Sklavenhandel und Sklaverei (Artikel vier der Menschenrechte) geht, zu Gehör zu bringen. Applaus gab es dann auch für den Autor.

Die 44-Jährige nahm die Besucher mit in „Das Land, in dem sie die Türen eintreten“, eine ergreifende Geschichte über Armut und ein Mädchen, dass ihre Kindheit auf der Straße verbrachte. In „Berührungen“ ging es um Einsamkeit, Alter und dem Abschiednehmen.

Ergreifend war die Ge­schichte von dem Autofahrer, dem vorgeworfen wird, einen Menschen überfahren und ge­tötet zu haben. Innerhalb weniger Stunden wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Von Medien, Freunden und Kollegen wird er vorverurteilt. Das machte wütend. Und obwohl die Zu­hörer schon von seiner Unschuld wissen, bangen sie, bis der wahre Täter sich stellt.

Inhalte transportiert

Leidvoll, nicht nur für das Publikum. „Gibt es denn eine Geschichte, die nicht so traurig ist?“, fragte Ann-Kathrin Kramer sehnlichst und nicht ganz unbegründet. Denn das „gesattelte Pferd“ aus dem Titel des Buches (eine armenische Weisheit), führt ein wenig in die Irre. Doch die beliebte Schauspielerin sorgte mit Witz und ihrer erfrischenden Natürlichkeit dafür, dass die schwere Kost an diesem Abend gut verdaulich blieb.

Die Geschichten sollen ja zum Nachdenken anregen, doch für tiefe Gedanken blieb an dem Abend wenig Zeit und vor allem wenig Raum. Ein oberflächliches Gespräch wäre dem sicherlich nicht gerecht geworden. So blieb eine Diskussion nach der Lesung aus. Dafür gab es Blumen, jede Menge Autogramme und Handyfotos mit der sympathischen Ann-Kathrin Kramer, die vor allem mit ihrer Natürlichkeit, die Herzen des Publikums erobert hatte und auch ohne Drehbuch Wärme und Licht in den schnöden Regenabend brachte. So nahmen die Besucher nicht nur Autogramme mit nach Hause, sondern auch Vorfreude auf ein gutes Buch.

Nachwort: Ein schöner Abend, eine sympathische und bezaubernde Ann-Kathrin Kramer, die vor allem auch vermittelte, dass der literarische Umgang mit dem Thema „Menschenrechte“ kein Drama sein muss.

 
 

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