Schmitz schreibt Mosaiksteine des Untergangs

Klaus Peter Schmitz schreibt an einem neuen Buch über Schwelms Geschichte. Es trägt den Titel„Mosaiksteine des Untergangs – Chronologie der Nachkriegszeit“ und soll Ende des Jahres erscheinen.
Klaus Peter Schmitz schreibt an einem neuen Buch über Schwelms Geschichte. Es trägt den Titel„Mosaiksteine des Untergangs – Chronologie der Nachkriegszeit“ und soll Ende des Jahres erscheinen.
Foto: Bernd Richter

Schwelm..  Klaus Peter Schmitz wäre nicht Klaus Peter Schmitz, wenn er nicht nach all seinen Büchern noch ein weiteres in der Pipeline hätte. In seinem neusten Werk, dass zum Jahresende 2016/2017 fertig sein soll, beschäftigt er sich mit den ersten Monaten nach der Kapitulation von Nazi-Deutschland in Schwelm.

Dokumente vor Reißwolf gerettet

Doch im weitesten Sinne ist sein Geschichtswerk auch ein Werk der Gegendwartgeschichte. Das Buch hätte nämlich gar nicht geschrieben werden können, wenn im Stadtarchiv nicht aufgeräumt worden wäre. Denn bei dieser Aufräumaktion sollten auch gut 20 Kisten an alten Akten einfach entsorgt werden. Hätte Klaus Peter Schmitz und einige Menschen, die ebenfalls Interesse an Schwelmer Geschichte haben, nicht aufgepasst, wären diese Zeugnisse der Zeitgeschichte unwiederbringlich im Reißwolf gelandet. Und das neueste Buch von Klaus Peter Schmitz hätte nie geschrieben werden können.

Konkret hat sich Klaus Peter Schmitz die Zeit vom 14. April 1945 bis zum 31. Dezember 1946 vorgenommen. Auf Seite 118 ist der Hobby-Historiker, der neben anderen Werken auch schon die Geschichte der Mariengemeinde, die Zeit des Nationalsozialismus in Schwelm und jüngst die Chronik der CDU Schwelm zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat, bereits angekommen. Je mehr er sich in das Thema einarbeitet, desto umfangreicher wird es wahrscheinlich werden. 500 Seiten sind angepeilt. Der Titel steht auch schon fest: „Mosaiksteine des Untergangs – Chronologie der Nachkriegszeit“.

Die Unterzeile gibt bereits Aufschluss über den Inhalt: „Ergebnisse und Erinnerungen an die Zeit vor Kriegsende; Verwaltungsneuordnung, Zwangsarbeiter und Entnazifizierung“. „Diese bisher tote Zeit ist jetzt komplett belegt“, freut sich Klaus Peter Schmitz und blättert eifrig in einem verblassten, roten Schnellhefter aus Papier. Sein Inhalt: lückenlos alle amtlichen Verwaltungsvorgänge der ersten Monate nach Kriegsende. „Wir wissen, was in dieser Zeit in Schwelm passiert ist, aber nicht, was die Verwaltung gemacht hat“, so der gelernte Elektriker, der sich in den letzten 20 Jahren intensiv mit der Stadtgeschichte befasst hat und so zu ihrem intimen Kenner geworden ist.

In seinem Prolog zum neuen Buch schreibt der 71-jährige Autor: „Die Dokumente berichteten amtlich über das Chaos und die Not des Kriegs- und Nachkriegszeit. Sie beschreiben anschaulich die Schwierigkeiten, wie der tägliche Bedarf an Nahrung, Kleidung, Wohnung und Heizmaterial organisiert und gestillt werden konnte. Viele dieser Dokumente geben Auskunft über die neuen Verordnungen der anfangs amerikanischen und dann britischen Militärregierung, geben Einblick in schon fast als menschenunwürdig zu bezeichnenden und daher ungeliebten und doch zum Überlebenwichtige Einquartierung.“

Entnazifizierung aufarbeiten

„Weitere Dokumente und Berichte bezeugen das Heimkommen von Kriegsgefangenen, geben Aufschluss über die aus dem Osten Vertriebenen und von den befreiten Zwangsarbeitern. Letztere wollten zwar mehrheitlich schnell in ihre Heimat zurück, mussten aber erst einmal von Plünderungen und Racheakten abgehalten und mit Essen und Kleidung versorgt werden. Kurzum: Als am 8. Mai 1945 die Amerikaner Schwelm besetzten und im Juni unser Gebiet die Briten als die oberste Besatzungsmacht übernahm, standen Besetzer und Einheimische vor der fast unlösbaren Aufgabe, die vorgenannten Probleme zu lösen. Davon zeugten die gefundenen Dokumente.“

Spannend ist für Klaus Peter Schmitz besonders das Kapitel der Entnazifizierung. „Die Engländer kamen damals nicht weiter, setzten deutsche Tribunale ein.“ Da hätten Nachbarn ihre Nachbarn denunziert, weil sie sie nicht leiden konnten. Auf die Nennung von Namen will der Autor aber verzichten. „Es leben teilweise noch die Nachkommen. Ich möchte nicht, dass meine Bücher entzweien. Sie sollen vielmehr ein Nachschlagwerk sein und Geschichte bewahren.“

Apropos Geschichte bewahren: Nach der Chronik über 70 Jahre CDU in Schwelm könnte es auch einmal eine Chronik des SPD-Ortsvereins geben. Die heimischen Sozialdemokraten sind auf Klaus Peter Schmitz zugegangen und bieten ihm für seine Forschungen das 1. Protokollbuch der SPD Schwelm an. „Die Forschungen zur Stadtgeschichte sind seit 20 Jahren zu meinem Lebensinhalt geworden“, so der Autor.

 
 

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