Schiffsmodellbauer sitzen auf dem Trockendock

Schwelm.  Die Bohrmaschine jault kurz auf. Aus der Ecke ist das stete „Ritsch-ratsch“ einer Feile zu hören. Lachen durchdringt den Raum im Kellergeschoss der Realschule. Es riecht nach Lack. Das junge Mädchen und der Rentner richten beide angestrengt den Blick auf das, was einmal ein prächtiges Modellschiff werden soll. Ein paar Stunden Arbeit sind noch notwendig. Wann das Mädchen allerdings zum ersten Mal sein Boot zu Wasser lassen kann, steht in den Sternen. Der Schwelmer Schiffsmodellbau-Club hängt auf dem Trockendock.

Acht Jahre lang erlaubte die Ennepetaler Firma Vormann den Mitgliedern, ihre Boote auf einem Gewässer zu steuern. „Nun ist der Hammerteich an eine Privatperson verkauft worden, die verständlicher Weise das Gewässer selbst nutzen will“, sagt der 1. Vorsitzende Jens-Uwe Arnemann. Bitter: Seit der Verein im Realschulkeller eine Heimat gefunden hat, sind zahlreiche Jugendliche bei den Schwelmer Schiffsmodellbauern aktiv. „Während für die Erwachsenen das Spannendste der Einbau der Technik ist, wollen die jungen Leute natürlich wissen, wie ihr Boot fährt und ob sie alles richtig gemacht haben“, erläutert der 2. Vorsitzende Dieter Brost.

Arbeitskraft ist reichlich vorhanden

Auch wenn diese unbefriedigende Situation nun schon geraume Zeit anhält, haben die Modellbauexperten die Hoffnung nicht aufgegeben, dass in der näheren Umgebung doch noch ein Gewässer existiert, das der Besitzer für ihre regen Vereinsaktivitäten freigibt. „Wir sind finanziell nicht so aufgestellt, dass wir eine Pacht zahlen können“, sagt Arnemann. Gleichwohl habe der Verein Arbeitskraft zu bieten, die er gern zur Verfügung stellt. „Liebend gern würden wir uns darum kümmern, dass das Gewässer sauber ist, Müll einsammeln oder auf was auch immer man sich einigt“, fährt der Vereins-Chef fort.

Aus Vorstandssicht spräche auch nichts dagegen, sich einen Teich mit einem Angelverein zu teilen. Diese entsprächen der richtigen Größe, man könnte sich auf bestimmte Nutzungstage festlegen. „Außerdem benutzen wir keine Verbrennungsmotoren. Die Fische würden keiner Lärmbelästigung ausgesetzt, das Gewässer nicht verschmutzt“, sagt Dieter Brost. Falls jemand den Schiffsmodellbauern und vor allem der Jugendabteilung einen großen Gefallen erweisen will und ein Gewässer zur Verfügung stellen möchte, meldet er sich einfach per E-Mail unter aue163070@googlemail.com.

Die bessere Alternative, um mit dem Club Kontakt aufzunehmen und sich ein Bild dessen zu machen, was sich überhaupt hinter dem Schiffsmodellbau verbirgt, bietet sich aber am kommenden Wochenende, Samstag, 17., und Sonntag, 18 September. Dann steht das Schaufahren im Schwelmer Freibad, Schwelmestraße 43, auf dem Programm, das dort seit weit mehr als 20 Jahren stattfindet.

U-Boote tauchen im Sprungbecken

Am Samstag startet die Veranstaltung mit einem Nachtfahren mit beleuchteten Booten ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Haupttag ist jedoch der Sonntag, an dem von 10 bis 17 Uhr mehr als 100 Modellboote in den Becken des Schwelmebads fahren. Dabei bringen neben den Schwelmern auch Modellbauer aus ganz Nordrhein-Westfalen ihre spektakulärsten Boote mit. Für Aufsehen werden mit Sicherheit die Modell-U-Boot-Freunde Köln sorgen, die im Sprungbecken auf Tauchstation gehen werden. Es dürfen aber nicht nur die Schiffsmodellbauer kommen, die in Vereinen organisiert sind. „Etliche tüfteln für sich allein im Keller, auch sie sind eingeladen, ihre Boote in den Becken zu fahren“, sagen die Vorsitzenden unisono.

Doch auch, wer nur mal schauen will oder sich vielleicht für Modellbau interessiert, kann jederzeit vorbeikommen. Der Eintritt beträgt zwei Euro für Erwachsene, einen Euro für Kinder. Für Essen und Trinken ist natürlich auch gesorgt, die Vereinsmitglieder stehen für Gespräche zur Verfügung. Vielleicht wird es ja bald noch reger im ­Realschulkeller und die Modellbauer können ihre Werke auch gleich testen.

 
 

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