Schellenbäume, Schützenröcke und Orden

Der amtierende Vorsitzende des Schwelmer Schützenvereins Wolfram Heintze (l.) und der Chronist Joachim Heringhaus im Haus Martfeld. In ihrem Vortrag erläuterten sie, was Orden und Ehrenzeichen an den Schützenröcken bedeuten.
Der amtierende Vorsitzende des Schwelmer Schützenvereins Wolfram Heintze (l.) und der Chronist Joachim Heringhaus im Haus Martfeld. In ihrem Vortrag erläuterten sie, was Orden und Ehrenzeichen an den Schützenröcken bedeuten.
Foto: WP

Schwelm..  Eine Liedersammlung befindet sich in der Historischen Bibliothek Haus Martfeld: Es sind die Festgesänge des Schwelmer Schützenvereins, gesungen beim Königs-schießen im Jahr 1833. Grund ge-nug, das dritte Jahr der Reihe „Altes neu entdeckt“, veranstaltet vom Kulturbüro, dem Verein für Heimatkunde und der Wilhelm-Erfurt-Stiftung, mit dem Abend „Der goldene Schuss - Schwelms ältester Verein“ zu eröffnen.

1594 gab es die ersten Schützen

Aus der Geschichte des Vereins berichtete der langjährige Vorsitzende und Bearbeiter der neuesten Chronik Joachim Heringhaus anschaulich und schmückte seinen Vortrag mit etlichen Anekdoten. Heide Marie Kube streute Textlesungen der Gesänge ein. Die Anfänge der Schützen reichen zurück bis ins Jahr 1594, wo es die „Rotten“ waren, denen die Verteidigung der Stadt, der Brandschutz und die Sicherung der öffentlichen Ordnung oblagen. Die Belohnung für Übungsschießen und Aufgabenerfüllung war eine warme Mahlzeit. Bereits 1609 gab es die ersten Schießübungen auf die Scheibe und nach dem Vogel am Göckinghof und 1710 die ersten Schützenspiele.

Über den Schießstand am Ländchen beschwerte sich der Gutsbesitzer Caspar Wichelhausen 1831, dass „…die Kugeln mitunter die Richtung nach der von Möllenkotten nach dem Brunnen führenden Hauptstraße genommen hätten.“ Also galt es, Regeln und Bestimmungen aufzustellen und den Zusammenschluss aller Schwelmer Schützen zu einem Verein voranzutreiben.

1831 gilt also als das Gründungsjahr, aus dem die Kette des ersten Schützenkönigs Carl Levering bis heute erhalten ist. 1835 stiftete der Kupferschläger Walter Freytag einen von seiner Hand gefertigten Schellenbaum, der ebenso wie der moderne von 1963 als ständige Leihgabe im Heimatmuseum zu sehen ist. 1865 gab es einen weiteren Schießstand in der heutigen Schützenstraße.

Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum wurde Carl Dicke Schützenkönig, obwohl er ein recht ungeübter Schütze war - doch Vereinskollege Theisen schoss für ihn aus einem Versteck den Vogel ab.

Frauen sind seit 1982 Mitglied

Jeder König musste Erinnerungsorden stiften, die im Tresor der Sparkasse eingelagert die Kriegswirren überstanden. Erst seit 1982 gibt es das Vereinsheim und die Schießstände für Luftgewehr und Kleinkaliber an der Dr.-Moeller-Straße, und auch erst dann wurden Frauen als Vereinsmitglieder aufgenommen. Heringhaus: „Für die Richtfest-Feier entbrannte der Streit darüber, dass die Frauen, die bei der Bewirtung helfen, bei Unfällen nicht versichert seien. Also setzte ich mich als damaliger Vorsitzender für die gemisch-te Mitgliedschaft ein.“ Mittlerweile sind bereits vier Damen des Vereins als Schützenköniginnen gekrönt worden.

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