Reparaturcafé trotzt Wegwerfwahn

Gevelsberg..  Schraubendreher, Zangen, Kabel, Lötkolben, Popcorn, Cola, Kinoleinwand. Nein, das ist bestimmt keine typische Werkstatt! Selbst wenn hier alles wieder flott gemacht wird, was einen Stecker hat. Es ist das erste Reparaturcafé in Gevelsberg, das die Mitglieder des Neuen Gevelsberger Kulturvereins (NGK) im Filmriss-Kino auf die Beine gestellt haben.

„Es geht uns um Nachhaltigkeit“, sagt NGK-Vorsitzender Jan Frederik Demmer. „Wir reparieren nicht als Dienstleister, sondern mit den Besitzern der beschädigten Geräte zusammen.“ Ziel sei es, dass die eben nicht sofort alles wegschmeißen und in Zukunft selbst Hand anlegen können.

Das Reparaturcafé ist auch etwas für Nostalgiker. Wie für Klaus Fiukowski vom Filmriss, der seinen alten, übergroßen Kassettenrekorder reparieren lässt, an dem er hängt. Am Ende will nur der Ein- und Ausschalter nicht so, wie er soll. Das ist schnell behoben. „Und wir haben festgestellt, dass eine der Boxen nur eine Attrappe ist“, erzählt Demmer etwas überrascht.

Schützenhilfe aus Wuppertal

Für das Projekt „Reparaturcafe“ holten sich der Gevelsberger Verein Schützenhilfe aus Wuppertal. Die Mitglieder des Hackerspaces /dev/tal haben bereits Erfahrung mit Reparaturcafés, führen sie jeden ersten Sonntag im Monat im Mirker Bahnhof durch. „Wir sind aber fest entschlossen, es in Gevelsberg mit Gevelsbergern zu etablieren“, sagt Demmer. Dafür suchen sie technikvisierte Menschen, die ihre Unterstützung anbieten möchten.

Doch vorerst sind nur die Wuppertaler dabei, wie Felix, ein Typ Marke: Schraubte früher mal den Taschenrechner auf, um zu schauen, was da drinnen los ist. „Ich habe in meiner Laufbahn aber viel gelernt und nur hin und wieder etwas kaputt gemacht“, gesteht er lachend. „Ich muss den Leuten natürlich sagen, was geht, was nicht geht und ich rate immer von einer Reparatur bei uns ab, wenn ein Gerät eigentlich funktioniert und im Gebrauch ist.“

Felix kämpft gerade zusammen mit Annika um den Fortbestand eines Toaster. „Wenn Kabel im Spiel sind, hole ich mir meist Hilfe. Bei allem Mechanischem kann ich mich dafür gut reindenken“, erzählt sie. Annika ist ein gutes Beispiel dafür, dass technikvisiert nichts mit der Ausbildung zu tun haben muss. Denn: „Ich bin Narkoseärztin.“

Die Besitzerin des Toasters kommt aus Ennepetal. Das Reparaturcafé trifft ihren Geschmack. „Ich wünsche mir mehr Rettungsaktionen für Mensch und Material“, sagt sie. Sie kenne das Café aus Wuppertal und finde es schön, dass es nun auch in ihrer Nähe stattfinde.

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