Razzia: Mutmaßliche Islamisten wollten sich falsche Pässe beschaffen

Razzia in einer Düssedorfer Wohnung. Auch in Schwelm überprüfte die Polizei verdächtige Islamisten.
Razzia in einer Düssedorfer Wohnung. Auch in Schwelm überprüfte die Polizei verdächtige Islamisten.
Foto: dpa
  • Anti-Terror-Einheit GSG 9 stürmt Wohnungen in Schwelm und Düsseldorf
  • Vier Personen unter Verdacht
  • Keine Festnahme
  • Anti-Terror-Einheit GSG 9 stürmt Wohnungen in Schwelm und Düsseldorf
  • Vier Personen unter Verdacht
  • Keine Festnahme

Schwelm/Düsseldorf.. Um sechs Uhr rücken sie an. 80 Polizisten der Bundespolizei, darunter Kräfte der Anti-Terror-Einheit GSG 9, stürmen zeitgleich am Donnerstagmorgen zwei Wohnungen in Düsseldorf und eine in Schwelm. Der Einsatz richtet sich gegen drei Männer und eine Frau, die der islamistischen Szene angehören sollen.

Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt

„Die Beschuldigten haben versucht“, so Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, „sich falsche französische Pässe in Berlin zu besorgen.“ Das hat auch Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Rande der Konferenz der Innenminister in Koblenz bestätigt: „Es gibt einen klaren Verdacht.“

Mehr ist bislang nicht bekannt. Erkenntnisse über einen möglichen Zusammenhang mit den Terror-Anschlägen in Paris am 13. November gibt es nach Angaben aber von Steltner nicht: „Es gibt auch keinen Hinweis auf terroristische Aktivität.“ Die Einsatzkräfte stellen Computer, Dokumente und persönliche Unterlagen sicher. Die Verdächtigen leisten bei dem rund dreistündigen Einsatz keinen Widerstand. Auch wird niemand von ihnen festgenommen. Der Generalbundesanwalt hat das Verfahren zu diesem Zeitpunkt bislang nicht an sich gezogen. „Es liegt bislang allein in der Zuständigkeit der Berliner Staatsanwaltschaft“, bestätigt Pressesprecher Stefan Schmidt in Karlsruhe auf Anfrage.

Verbindung zu „Dschihadi John“

Wie eng die Verbindung der Verdächtigen mit der islamistischen Terrorszene ist, dafür sprechen Hinweise, wonach ein ehemaliger Weggefährte des berüchtigten Massenmörders „Dschihadi John“ der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in einem der durchsuchten Häuser in Düsseldorf lebt. Der Deutsche soll in Tansania an der Seite des Briten aufgefallen sein. Er ist offenbar wegen eines ähnlichen Urkundenvergehens zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er war 2013 am Frankfurter Flughafen aufgefallen, weil er falsche französische Pässe im Futter seiner Kleidung eingenäht hatte. Er soll nicht Ziel des Einsatzes gewesen sein.

„Dschihadi John“ ist nach Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums an mehreren Enthauptungen beteiligt gewesen. Erstmals taucht er im Video auf, das den Tod des US-Journalisten James Foley im August 2014 zeigt. Der IS-Mörder soll vor drei Wochen bei einem Angriff einer US-Drohne in Syrien getötet worden sein.

Die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis ist vorab nicht über diesen Einsatz der Bundespolizei in Schwelm informiert worden. Normalerweise, so Pressesprecher Dietmar Trust, würde mitgeteilt, wenn Fremdkräfte in einem anderen Gebiet tätig seien: „In diesem Fall ist es aber nicht geschehen.“

 
 

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