Problem erkannt, nicht gebannt

Wenn das Zassenhaus-Gelände bebaut wird, muss der „Circus Corelli“ mit seinen Tieren weichen.
Wenn das Zassenhaus-Gelände bebaut wird, muss der „Circus Corelli“ mit seinen Tieren weichen.
Foto: WR

Schwelm.. Es ist ein idyllisches Bild: 13 Kamele grasen auf einer Wiese. Darunter sind auch fünf Jungtiere, das jüngste erst drei Wochen alt. Für diese Tierbeobachtung müssen die Schwelmer nicht erst in den Zoo fahren oder einen Flug nach Afrika buchen und den beschwerlichen Weg in die Wüste wählen. Denn Afrika ist uns näher als man denkt. Um die Paarhufer beobachten zu können, reicht auch ein Abstecher an die Viktoriastraße. Die Idylle ist auf dem alten Zassenhaus-Gelände zu beobachten.

Doch die Idylle trügt. Es ist vielmehr die Ruhe vor dem Sturm. Denn die Tiere gehören zum „Circus Corelli”. Und die Zirkuschefin strandete vor ca. fünf Jahren mit ihrer Familie samt Wohnwagen und 60 Tieren auf der alten Fabrikbrache in der Kreisstadt. Statt von Auftritt zu Auftritt und Stadt zu Stadt zu reisen, musste die Frau gegen eine lebensbedrohliche Erkrankung ankämpfen.

Die Krankheit haben die Ärzte mittlerweile in den Griff bekommen. Aber ohne Auftritte hatte der Zirkus keine Einnahmen mehr. Die einzige Zugmaschine gab ihren Geist auf, der „Circus Corelli” war immobil, saß in Schwelm fest. Das Familienunternehmen ging schließlich in die Insolvenz.

In Peter Eibert fand die Zirkus-Familie schon vor Jahren einen verständnisvollen Behördenleiter im Rathaus, der sich, so gut es eben ging, der in Notlage befindenden Familie annahm. Heu und Getreide für die damals noch vorhandenen Ziegen, Ponys, Pferde, Lamas und Kamele bekam der Zirkus von Bauern aus der Umgebung gespendet, für den Standplatz musste schließlich auch keine Miete mehr gezahlt werden.

Jahrelang ging das Abenteuer Zirkus auf dem alten Zassenhaus-Gelände gut. Das wilde Campen der Artisten sorgte nie für Ärger mit den Anwohnern. Die Passanten erfreuten sich am Anblick der Tier. Doch schon bald könnte Schluss sein mit der Idylle. Das alte Fabrikgelände soll in absehbarer Zeit bebaut werden. Für die Reste des „Circus Corelli” bedeutet dies, dass sie ihren „Zeltplatz“ früher oder späten verlassen werden müssen. „Ich habe ihnen schon früher eine Wohnung angeboten“, sagt Fachbereichsleiter Peter Eibert im Gespräch mit unserer Zeitung. „Doch sie wollten lieber im Wohnwagen wohnen bleiben.“

Im Rathaus hat man das Problem erkannt. Mit allen Beteiligten werden zurzeit Gespräche geführt mit dem Ziel, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Doch wie diese aussehen könnte, ist noch nicht absehbar. Schlimmstenfalls muss die Stadt Schwelm tief in die Tasche greifen und auch die 13 Kamele übernehmen. Innerhalb der Verwaltung geht man dann davon aus, dass dies Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen könnte.

 
 

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