Politik rüffelt die AVU im Kreisausschuss

In einem Jahr soll die AVU den Politikern des Ennepe-Ruhr-Kreises erneut zum Sachstand berichten.
In einem Jahr soll die AVU den Politikern des Ennepe-Ruhr-Kreises erneut zum Sachstand berichten.
Foto: Volker Speckenwirth (WR)

Gevelsberg/Schwelm..  Das „Mein Solar“-Geschäftsmodell der AVU hatte besonders Lothar Hellmann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke NRW auf die Palme gebracht. Er sah das heimische Handwerk durch den örtlichen Energieversorger ausgesperrt und die Grenze überschritten, dass alle Arbeiten ab dem Hausanschluss dem Handwerk vorenthalten sein sollen. Auf Antrag der Grünen-Fraktion wurde dieses heiße Thema nun im Kreisausschuss diskutiert.

Zwei Betriebe haben Interesse

Zum Hintergrund in Kurzfassung: Der Kunde, der sich für eine Photovoltaik-Anlage auf seinem privaten Dach interessiert, kann bei der AVU über die Internetplattform oder telefonisch anfragen. Die Anlagen werden ausschließlich über Solar-World geliefert und über das von ihnen zertifizierte Unternehmen Eißing und Rohling aus Dorsten installiert. Die Rechnung stellt der Installateur der AVU, die sie dem Kunden weiterleitet. Das Geschäft für die AVU ist eine Provision. Die Frage von Lothar Hellmann, die sich auch viele andere nach der Berichterstattung dieser Zeitung stellen: Warum zeichnet kein heimisches Unternehmen für die Installation verantwortlich?

Thorsten Coß, Geschäftsführer der AVU Service Plus GmbH, der das Modell maßgeblich erdacht hat und in dessen Geschäftsfeld es beheimatet ist, erläuterte die gesetzliche Lage, die Hintergründe und die bisherige Historie von „Mein Solar“. Ziel sei die Zukunftssicherung der AVU: „Wir wollen nicht zu einem Resteversorger werden.“ Der Wegfall von Herstellern und der Rückzug vieler Solateure aus dieser wenig gewinnträchtigen Branche habe in Verbindung mit Handlungsdruck bei der Realisierung des Projekts dafür gesorgt, dass Solar World als Partner verblieb. Nachdem eine Bochumer Firma abgesprungen war und die von Solar World zertifizierten Unternehmen rar seien, habe sich die jetzt bestehende Dreierkonstellation ergeben. „Allerdings,“ so räumte Coß ein, „hätten wir sicherlich auch intensiver auf die heimischen Handwerker zugehen und häufiger nachhaken können.“

Aktuell setze er alles daran, dies zu tun. Zwei Betriebe aus dem Netzgebiet der AVU möchten sich laut Coß gern von Solar World zertifizieren lassen, gestern Abend führte er selbst Gespräche mit den entsprechenden Firmen, um eine lokale Partnerschaft einzustielen.

Während sich Landrat Dr. Arnim Brux, die SPD und die Linken vor die AVU stellten, rüffelten Grüne, CDU, FDP sowie Freie Wähler/Piraten das Unternehmen in unterschiedlicher Heftigkeit. Tenor: Bei der Art und Weise, wie die bestehende Kooperation zu Stande gekommen ist, sei etwas falsch gelaufen, die Bemühungen um die heimischen Handwerker hätten eine höhere Priorität genießen müssen.

Nächster Bericht in einem Jahr

Dennoch lobten auch die Kritiker samt und sonders die Kurskorrektur, nun die Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Netzgebiet zu forcieren. In einem Jahr, darauf einigten sich alle Anwesenden im Kreisausschuss, soll die AVU den Politikern des Ennepe-Ruhr-Kreises erneut zum Sachstand auf diesem Geschäftsfeld berichten.

 
 

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