Pfarrer Weber ließ Olympia Revue passieren

Bastian Haumann
Win Bild aus dem Vortrag von Pfarrer Thomas Weber.
Win Bild aus dem Vortrag von Pfarrer Thomas Weber.
Foto: Bastian Haumann
Thomas Weber, Pfarrer der Evangelische Kirchengemeinde Gevelsberg-Berge, war bei den Olympischen Spielen dabei.

Gevelsberg.  Vom Ankleiden über Ticketpreise bis Arbeitsalltag: Thomas Weber, Pfarrer der Evangelische Kirchengemeinde Gevelsberg-Berge war dabei, als es für den deutschen Sportlerkader nach Olympia ging – und er hat einige Geschichten mit nach Hause gebracht. Schließlich gehörte er zu ihnen und vermittelte den Sportlern den wichtigen Glauben, an sich selbst und an Gott. Im Berger Gemeindezentrum berichtete er über das Erlebte.

Verstärkung bekam er durch die Familie des Presbyters Martin Oberlies. „So nah wird Olympia lange nicht mehr sein“, habe sich die Familie damals gedacht – und machte sich daran, die begehrten und überteuerten Tickets zu bekommen. Von dem Geld hätte man auch einen mehrwöchigen Südseeurlaub machen können.

Die Tickets kosteten zwischen 150 und 600 Pfund, umgerechnet etwa 190 bis 940 Euro. Und: „Man musste sich bewerben.“ Das hieß: Es stand in den Sternen, ob die Familie bei den Wettkämpfen landete, die sie ins Auge gefasst hatte. Tat sie erst einmal nicht. Das Los fiel auf Volleyball. Nicht schlimm? Nun, doch. Jedenfalls, wenn die Kinder Leichtathletik-Fans sind. „Die wollten dann gar nicht mehr nach Olympia“, erinnerte sich Martin Oberlies.

Aber da fand die Odyssee noch lange nicht ihr Ende. Das Hotel musste gebucht werden – was leichter und viel später möglich war, als gedacht, Sponsoren warfen nicht genutzte Tickets wieder auf den Markt, und die ganze Familie hing vor den Rechnern und hoffte da, wie bei einer Online-Auktion – drei, zwei, ein, meins – auf gute Nachrichten. Apropos Sponsoren: Olympia war toll, keine Frage, hatte aber auch seine Eigenarten.

Die Bevölkerung von London habe das Gefühl gehabt, abseits zu stehen. Die Spiele gehörten dem Internationalen Olympischen Komitee. „Das war die Meinung vieler Londoner“, erzählte Pfarrer Weber. Falls die Londoner überhaupt in London blieben. Denn eine Empfehlung ging raus: Wer kann, sollte in Urlaub gehen, sonst drohe ein Verkehrschaos. „Also sind drei Millionen Londoner in den Urlaub und zwei Millionen Touristen nach London gereist.“

Die Folge war, dass Einzelhändler und Restaurants über einen umsatzschwachen August klagten. Über einen umsatzschwächeren als ohne Olympia. „Das war eine Folge der überhöhten Preise“, meinte der Pfarrer. Fürs Shoppen oder den Besuch im Restaurant habe das Geld nicht ganz so locker gesessen. Dazu gab es viele Sicherheitskontrollen, „wie auf einem Flughafen.“ Aber das sei gut gewesen, fand Thomas Weber.

Doch davon ab: Man schloss neue Kontakte, London zeigte sich von seiner schönsten Seite, das Deutsche Haus war der Treffpunkt und das Wetter war – obwohl London ja die Wahlheimat des Regens ist – traumhaft. „Wir hatten nie mehr als zwei Stunden Regen am Stück.“

Nur eines störte ihn. „In einem Heft standen auch die Berufe unserer Sportler.“ Dabei waren Polizisten, Soldaten, sogar Tischler. Mit einer Sportsoldatin kam er ins Gespräch. „Sie verdient 2000 Euro, zuzüglich 200 Euro Sportlerhilfe.“ Und nun solle das jeder einmal mit Gehältern von Profi-Fußballern vergleichen.