Muslime setzen Zeichen gegen Gewalt

Iman Levent Cihangir (rechts) und Dogan Tekdemir begrüßten gestern die Kinder der Städtischen Katholischen Grundschule St. Marien Schwelm in der Moschee an der Hattinger Straße in Schwelm.
Iman Levent Cihangir (rechts) und Dogan Tekdemir begrüßten gestern die Kinder der Städtischen Katholischen Grundschule St. Marien Schwelm in der Moschee an der Hattinger Straße in Schwelm.
Foto: WP

Schwelm..  Die Muslime in der Kreisstadt distanzieren sich mit Nachdruck von den Urhebern der Terror-Anschläge in Paris. Für Freitag kündigte die Türkisch Islamische Gemeinde zu Schwelm eine Erklärung an, in der sie die Taten verurteilt. Gemeinsam mit Landrat Dr. Arnim Brux und Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe soll ein Zeichen gegen die Gewalt und für die Verständigung der unterschiedlichen Religionen untereinander gesetzt werden. Unterstützung erhoffen sich die Muslime auch von allen im Rat der Stadt Schwelm vertretenen Fraktionen. Sie haben eine Einladung bekommen, der gemeinsamen Erklärung in der Redaktion dieser Zeitung beizuwohnen.

Katholische Grundschule zu Besuch

Doch gestern konnte in der Moschee an der Hattinger Straße in Schwelm erst einmal anderer Besuch willkommen geheißen werden. Die zwei vierten Schuljahre der Städtischen Katholischen Grundschule St. Marien waren mit ihren Lehrerinnen Claudia Odermath und Eva-Maria Zurnieden zu Gast. Petra Ziegler, Fachlehrerin für Religion an der Grundschule, hatte unter den Eindrücken des islamistischen Terrors in Frankreich noch am Freitag einen Besuchstermin ausgemacht. Die Kinder der Schule sind regelmäßiger Gast in der Moschee, besuchen unter dem Motto „Dem Fremden begegnen“ auch die jüdische Synagoge in Wuppertal.

Fragestunde in der Moschee

Vorbeter Levent Cihangir und Dogan Tekdemir, der als Buchhalter für die Finanzen der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Schwelm verantwortlich zeichnet, erklärten den Kindern den Islam aus ihrer Sicht.

Vor Eintritt in die christlichen Kirchen müssen die Männer ihre Kopfbedeckungen abnehmen. Eine Moschee wird ohne Schuhe betreten. Das galt auch für die 43 Mädchen und Jungen und ihre Begleiterinnen. Danach stand ihnen der Gang durch die Moschee offen. „Ihr könnt Euch gerne genau umschauen. Dann setzen wir uns in einen Kreis und ihr könnt fragen“, lud Dogan Tekdemir seine jungen Gäste ein. Interessiert schauten diese sich die Ornamente an den Wänden des Gebetsraums an und die digitalen Uhr mit den vielen Anzeigen. An ihnen lassen sich die Zeiten für die Gebete ablesen, die ein jeder Gläubige täglich, gegen Mekka gewandt, fünfmal zu entrichten hat, erfuhren sie später aus dem Mund des Muslim. Doch zunächst stellte er sich und den Iman vor. Dogan Tekdemir lebt seit 1976 in Schwelm, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Ein Sohn besucht die siebte Klasse des Märkischen Gymnasiums, seine Tochter ist 17 Jahre alt. Er arbeitet bei Avery Dennison, der früheren Jackstädt GmbH. Vorbeter Levent Cihangir ist vor vier Monaten aus der Türkei nach Deutschland gekommen, ist ebenfalls Vater von drei Kindern und kann die 600 Seiten des Korans auswendig rezitieren. „Wenn der Iman von der Kanzel predigt, spricht er über Gott und die Welt“, sagte Dogan Tekdemir den Kindern. Das Freitagsgebet dauere bis zu 50 Minuten, sonst reichten 5 bis 15 Minuten für ein Gebet, in dem Verse aus dem Koran gelesen würden. „Wir glauben an Gott wie Ihr auch. Wir nennen ihn nur anders, wir nennen ihn Allah“, sagt Dogan Tekdemir und weiter: „Glaube ist wie ein Test. Man darf bestimmte Sachen tun und manche nicht. Aber jemanden mit Gewalt zu etwas zwingen, ist gegen den Koran. Islam heißt übersetzt Frieden.“

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