Mittendrin bei den Olympischen Spielen

Jacqueline Stork
Pfarrer Thomas Weber bei Olympia als Seelsorger des Deutschen Teams. Er war bei der Winterolympiade in Sotschi. Im Bild mit den deutschen Bobfahrern.
Pfarrer Thomas Weber bei Olympia als Seelsorger des Deutschen Teams. Er war bei der Winterolympiade in Sotschi. Im Bild mit den deutschen Bobfahrern.
Foto: WP

Gevelsberg.  Es geht um Medaillen, Fördergelder und Ruhm. Meist haben die Athleten ihr ganzes Leben lang auf Olympia hingearbeitet, alles auf den Leistungssport abgestellt. Der olympische Gedanke, „dabei sein ist alles“, ist zwar allgegenwärtig, wird aber von einem ungeheuren Leistungsdruck überschattet. Der Gevelsberger Pfarrer Thomas Weber begleitete die deutsche Olympia Mannschaft nach Sotschi. Jetzt berichtete der „Olympiapfarrer“ von seinen Erfahrungen, Momenten des Sieges und der Niederlage und von internationalen Begegnungen.

Bis auf den letzten Platz gefüllt

Bis auf den letzten Platz war das Gemeindezentrum Berge am Dienstagabend gefüllt, als Pfarrer Thomas Weber mit seinem Fotovortrag beginnt. Vor allem mit den Vorurteilen und der häufig negativen Berichterstattung im Vorfeld von Sotschi möchte er aufräumen. „Die Spiele waren perfekt organisiert, das Sicherheitskonzept sehr professionell“, erklärt der „Olympiapfarrer“.

„Es ist als tauche man in eine andere Welt ein, teilweise empfängt einen sozialistischer Charme, dann wieder die Moderne“, erinnert sich Thomas Weber. Diese Ambivalenz spiegeln auch seine Fotos wieder. Hier ein hochmodernes Pressezentrum, dann abgeholzte Wälder und bröckelige Bürgersteige, das nächste Bild zeigt Lifte der neusten Generation. Ein immer fortwährender Wechsel zwischen Perfektion und Unvollkommenheit.

Aber alle Fotos zeigen freundliche, offenherzige und begeisterte Menschen. „Die Stimmung war wunderbar, die Russen waren stolz, die Olympischen Spiele ausrichten zu dürfen, freundlich und immer hilfsbereit“, ist Weber begeistert. „Natürlich stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit“, weiß Thomas Weber. „Werden die Skiressorts wirklich genutzt? Fährt der Lift, der in einer Stunde 4000 Menschen transportieren kann, in zehn Jahren immer noch?“ Fragen, die so einfach nicht zu beantworten sind.

Thomas Weber bedauert vor allem, dass verhältnismäßig wenige Gäste in Russland während der Olympischen Spiele waren. Und was macht ein Olympiapfarrer den ganzen Tag vor Ort? „Ich habe mir vorgenommen immer mittendrin zu sein, Ansprechpartner zu sein, das ist es, was die Sportler, Funktionäre und Angehörige schätzen“, erklärt Pfarrer Thomas Weber.

„Dabei geht es häufig nicht um die Bibel oder den Glauben, viel wichtiger ist, dass es ein Vier-Augen-Gespräch ist und niemand Angst haben muss, das Gesagte morgen irgendwo zu lesen.“

Blick hinter die Kulissen

Bei seinem Blick hinter Kulissen, sah Thomas Weber, dass auch Hochleistungssportler „Menschen wie du und ich sind“. Schade sei es allerdings, dass der dritte Platz nicht gewürdigt werde. „Die Atmosphäre war wunderbar, auch wenn man merkte, dass die Spiele fürs Fernsehen inszeniert wurden“, so Weber weiter. Eines sieht aber auch Thomas Weber kritisch. „Das Prinzip, höher, schneller, weiter, muss doch irgendwo eine Grenze haben“, mahnt er.