Mit Temperament und Stilgefühl Geigenpart virtuos gemeistert

Wuppertal..  Das Kandidatenkarussell um die Nachfolge von Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka dreht sich weiter. Wie bei den vorigen Vorstellungen gibt es auch im 5. Sinfoniekonzert im ersten Teil ein populäres Solistenkonzert und nach der Pause Musikliteratur, die den Probedirigenten besonders fordern soll.

Diesmal ist William Lacey zum Probedirigat eingeladen. Der Brite ist vorwiegend als Operndirigent hervorgetreten. Solist des Abends ist der junge Geiger Marc Bouchkov.

Es scheint, als hätten Dirigent und Solist sich abgesprochen, das Konzert untereinander aufzuteilen: Teil eins an Buchkov, Teil zwei an Lacey.

Höhe, Glanz, und Mittelpunkt wird der Auftritt von Marc Bouchkov im Tschaikowsky-Violinkonzert. Total unbeeindruckt vom Schwierigkeitsgrad seines Parts präsentiert er die große, schöne Idee mit Blick auf großformatige Zusammenhänge. Dabei ist es einfach überragend, wie er den großen Klang seiner wunderbaren Geige (Jean Baptiste Vuillaume, 1865) mit großem Temperament, sicherem Stilgefühl in jeder Nuance, hochvirtuos und hochmusikalisch ausschöpft. Seine hinreißende Darbietung lässt uns wunschlos zurück. Der brausende Applaus für ihn ist an diesem Abend nicht zu toppen. Zum Dank gibt es Bach. Das kann er auch. Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können.

Dass das Orchester, auch wenn die Geige noch so lockt und hochgestimmt den Himmel stürmt, ziemlich brav am sicheren Boden bleibt, ist zwar schade, bietet aber sichere Begleitung. Auch die „Tragische Ouvertüre“ von Brahms legt den Fokus mehr auf Präzision denn auf vielschichtige Brahms-Farben, von fahlem Licht bis zu erdigem Brodeln.

Glasklare Anweisungen

Aber was bis hierhin vielleicht vermisst wird, liefert William Lacey mit Arnold Schönberg und seinem Landsmann Edward Elgar nach der Pause nach. Schönbergs „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene“ geraten exzellent. Mit Umsicht und glasklaren Anweisungen für Metrisches und Tempowechsel belebt er das strenge Regelwerk dieser hochorganisierten Zwölftonmusik, gibt ihm dynamischen Sinn und kitzelt sogar Emotionales heraus.

Bei Elgar ist Lacey absolut in seinem Element. Dessen „Enigma“ beschreibt in 14 Variationen aufs Liebenswerteste Menschen um ihn herum. Da kommen die einzelnen Nummern – je nach Charakter liebevoll innig, witzig, kurios, polternd – oder, wie in Bezug auf einen Cellisten-Freund – mit einer rührenden Cello-Kantilene (plus Klarinette) daher. Herausragend ist die hymnische, schwelgende Variation „Nimrod“, die auch als Filmmusik populär ist. Deren feierliche, pompöse Klanggebärde wählt Lacey als Zugabe. Zuvor richtet er sich mit einer Ansprache an das Publikum, spricht über Elgar und anderes. Aber vor allem freut er sich, hier zu sein, bei diesem fantastischen Orchester, dem tollen Publikum und im schönsten Saal ganz Deutschlands.

 

EURE FAVORITEN