Mit Feuer, Bauchtanz und Balance in die Manege

Eigentlich sollten Kinder ihre Hände nichts ins Feuer halten. Bei den kleinen Artisten der Grundschule Nordstadt ist das eine Woche lang aber anders: Ohne Flammen wäre der Auftritt als Feuerschlucker auch langweilig
Eigentlich sollten Kinder ihre Hände nichts ins Feuer halten. Bei den kleinen Artisten der Grundschule Nordstadt ist das eine Woche lang aber anders: Ohne Flammen wäre der Auftritt als Feuerschlucker auch langweilig
Foto: WP

Schwelm..  Die kleinen Artisten, die gerade in der Manege so wagemutig über die brennende Stange gesprungen sind und teils sogar Purzelbäume über diese schlugen, sollen noch ein bisschen an ihrem Auftritt feilen. „Ihr müsst höher über das Feuer springen, nicht so nah an der Stange bleiben“, erklärt Jonny junior Casselly vom gleichnamigen Zirkus. Die Jungen hören ihrem Trainer aufmerksam zu, nicken und eilen aus der Manege hinaus hinter den Vorhang zum neuen Versuch.

Generalprobe für großen Auftritt

Es ist die Generalprobe für ihren großen Auftritt, der heute Nachmittag und morgen Vormittag endlich den Zuschauern präsentiert werden soll. Hinten machen sich schon die Bauchtänzerinnen für ihre Darbietung bereit. Und auch die Feuerschlucker warten mit verschränkten Armen vor dem freien Oberkörper auf ihren Einsatz. Die Spannung ist groß, denn die Kinder sind eigentlich keine Bodenakrobaten, Fakire, Clowns, Trampolinspringer, Bauchtänzerinnen und mehr. Sie sind ganz normale Grundschüler.

Mitmachzirkus nennt sich die Aktion, durch die in der gesamten Woche der Betrieb in der Grundschule Nordstadt auf den Kopf gestellt wurde. Denn seit der „Circus Jonny Jr. Casselly“ am Montag seine blau-gelben Zelte auf dem Sportplatz unterhalb des Pausenhofs aufgeschlagen hat, gibt es neben Mathe, Sachkunde und Deutsch für die Schüler Fächer wie Jonglage, Trapezkunst, Clownerie, Voltigieren und vieles mehr.

Alle vier Jahre sei das so, erklärt Schulleiterin Manuela Rahn – damit jedes Kind in seiner Zeit an der Schule Zirkusluft schnuppern könne. „Durch den Zirkus können die Schüler ihre sozialen Kompetenzen trainieren. Die Aufgaben haben viel mit Disziplin zu tun, und geübt wird in altersgeschmischten Gruppen. So sind in einer Gruppe alle Jahrgänge vertreten“, schildert die Schulleiterin den pädagogischen Nutzen der organisatorisch recht aufwändigen Aktion.

Positiv sei auch, dass durch das Projekt Schüler, die in Kernfächern wie zum Beispiel der Mathematik Probleme hätten, hier einmal auch Stärken ausleben könnten, die auf der Schulbank nicht so sehr zum Tragen kämen. „Sie können sich im sportlerischen Bereich austoben und sich vor Publikum präsentieren.“ Es sei dabei an den Kindern, sich die Gruppen auszuwählen, in denen sie im Verlauf der Woche ihre Zirkusnummer einstudierten. Dabei sei, so die Schulleiterin, die Überraschung zuweilen groß, welche Talente in den jungen Hobbyartisten steckten, wenn es plötzlich ans Jonglieren oder ans Balancieren auf dem Trapez gehe. „Die Kinder gehen dabei oft über ihre eigenen Grenzen hinaus. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung für sie.“

Zum dritten Mal

Bereits zum dritten Mal machte der Zirkus in dieser Woche Station an der Grundschule Nordstadt. Die Schulleiterin lobt die liebevolle Art, mit der das Casselly-Team auf die Schüler eingehe. Und auch wenn in einem solchen Projekt im Schulbetrieb vieles ganz anders als gewohnt ablaufe, werde der normale Unterricht natürlich nicht außer Acht gelassen. An einem Teil des Vormittags gehe es für alle 150 Schüler zwar in die Manege, der andere Teil gehöre aber weiter den regulären Schulfächern. Auch wenn der Unterricht selbst dann, soweit möglich, das Thema Zirkus aufgreife. Das müsse halt so sein, wenn aus Schülern Artisten würden.

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