Ministerin Christina Kampmann beim Redaktionsbesuch

Prof. Dr. Rainer Bovermann, Ministerin Christina Kampmann und Hubertus Kramer (von links) sprechen in der Redaktion über Sport, Kultur, Familie und Ehrenamt. Auf die Politik warten  anspruchsvolle Aufgaben, damit diese Bereiche weiterhin erfolgreich bespielt werden.
Prof. Dr. Rainer Bovermann, Ministerin Christina Kampmann und Hubertus Kramer (von links) sprechen in der Redaktion über Sport, Kultur, Familie und Ehrenamt. Auf die Politik warten anspruchsvolle Aufgaben, damit diese Bereiche weiterhin erfolgreich bespielt werden.
Foto: Carmen Thomaschewski
  • Sparen bei Kultur und Sport ist ein falsches Zeichen der Städte
  • Ehrenamt muss gestärkt werden
  • Arbeitgeber müssen familienfreundlicher werden

Schwelm..  Langsam wird es draußen dunkel, als sie zum Ende ihrer Tour durch den Ennepe-Ruhr-Kreis in der Schwelmer Lokalredaktion aufschlägt. Christina Kampmann, die seit etwas mehr als einem Jahr Landesministerin ist, hat bislang nur beste Erinnerungen an den EN-Kreis, weiß aber zu gut, dass die Bereiche, die sie auf Landesebene beackert, bei kritischen Haushaltslagen in den Kommunen meist als erstes zur Streichung angeführt werden.

Willkommen in Schwelm. Welche Berührungspunkte hatten Sie vor Ihrer heutigen Tour mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis?

Christina Kampmann:

Bislang habe ich nur positive Erinnerungen. Sehr schön war mein Besuch des Jahresempfangs in Gevelsberg, als ich dort das Zertifikat „Familienfreundliche Stadt“ an die Gevelsberger übergeben durfte. Außerdem war ich schon zur Jubilarehrung und zum Grünkohlessen in Volmarstein. Dazu darf man mich gern einladen. Ich liebe Grünkohl und freue mich deshalb schon besonders auf die kalte Jahreszeit. Nicht zuletzt habe ich gerade Kitas in Witten und Hattingen besucht, die aus meiner Sicht wunderbare sind. Ich arbeite gerade an einem neuen Kindergartengesetz, dessen Eckpunkte Ende des Jahres stehen sollen.

Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport sind Bereiche, die dadurch Qualität gewinnen, dass die Kommunen dort Geld aus freiwilligen Leistungen einfließen lassen. Schwelm ist Stärkungspaktkommune, Ennepetal steht vor einem Haushaltssicherungskonzept, in Gevelsberg wird darüber seit Jahren gesprochen. Wie können diese Bereiche auf Dauer auskömmlich finanziert werden?

Ich bin nicht für die Kommunalfinanzen zuständig, glaube aber, dass wir auf einem guten Weg sind, weil keine andere Landesregierung so viel für die Kommunen getan hat wie wir. Von den 34 Stärkungspaktkommunen haben 27 mittlerweile einen ausgeglichenen Haushalt. Dazu kommen die Sportpauschale oder das Kulturfördergesetz unter anderem mit dem Ziel Kommunen in ihrer Kulturarbeit zu stärken. Wir sind bemüht, die Städte so gut wie möglich zu unterstützen

Nun sind aber auch die Ausgaben der Kommunen nicht zuletzt wegen der Flüchtlinge und deren weiterhin nicht zu hundert Prozent geklärte Finanzierung deutlich gestiegen. Schwimmbäder, Musikschulen, Büchereien – all dies steht in vielen Städten auf dem Prüfstand.

Nicht zuletzt weil diese Institutionen – genau wie Sportvereine – einen tollen Beitrag zur Integration leisten, hielte ich es für eine absolut falsche Entscheidung der Städte, auf diesem Sektor etwas zu schließen. Kulturelle und sportliche Institutionen sind ein unglaublich wichtiger Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Was aber auch oft nur durch Ehrenamtler getragen wird. Und auch hier klagen immer mehr Vereine und Institutionen darüber, dass sie keinen Nachwuchs mehr generieren.

Ich bin federführend für das Ehrenamt zuständig. Wir stellen aktuell eine Zunahme der Ehrenamtlichen fest. Von den sechs Millionen Ehrenamtlichen im Land sind 46,5 Prozent in Vereinen aktiv. Die Vereine gehen auch immer mehr Kooperationen mit Schulen und Kindergärten ein, diesen Weg halte ich für richtig.

Lange Kindergartenzeiten, Ganztagsschulen und deutlich verschulischte Studiengänge sind da doch kontraproduktiv, weil selbst die Jüngsten kaum noch Freizeit haben. Wie wirkt die Politik dem entgegen?

Diese Problematik ist ganz klar eine politische Aufgabe. Ich finde beispielsweise das Projekt des Landesjugendrings „Freiräume“ sehr gut. Junge Menschen brauchen diese Zeit für sich und egal, wo ich mich mit Jugendlichen unterhalte, ist dies ein Thema, das ihnen unter den Nägeln brennt. Sie wollen mehr Zeit.

Welche Rahmenbedingungen schaffen Sie in diesem Zusammenhang für Familien?

Klar drückt auch hier der Schuh bei den meisten bei der Zeit, vor allem bei der zu langen Arbeitszeit. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie von Pflege und Beruf werden immer wichtiger. Die Politik muss für die Infrastruktur sorgen. Die Arbeitgeber sind da ebenso in der Pflicht. Vielen ist Familienfreundlichkeit mittlerweile wichtiger als Gehalt und Karriere. Darauf müssen sich die Arbeitgeber vor allem im Angesicht des Fachkräftemangels einstellen. Immer mehr Arbeitnehmer wählen die Unternehmen aus und nicht umgekehrt. Dies ist natürlich vor allem für kleine Betriebe mit vier, fünf Mann eine Herausforderung. Aus meiner Sicht ist hier von Arbeitgeberseite deutlich mehr Flexibilität im Kampf um gute junge Leute notwendig.

Zum Abschluss: Welchem Fußballverein drückt denn die Sportministerin die Daumen?

Als Bielefelderin natürlich der Arminia, auch wenn es gerade in der 2. Bundesliga nicht so toll für die Bielfelder läuft. Am Freitag war ich mal wieder auf der Alm, auch wenn es nicht so gut ausgegangen ist (Anm. d. Red: Bielefeld verlor 0:1 gegen Würzburg).

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