Kronzeuge nimmt sich in JVA das Leben

Michael P. saß in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal ein. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben.
Michael P. saß in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal ein. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben.
Foto: WR

Neuenrade/Wuppertal.. Michael P. ist tot. Wenige Stunden vor seiner geplanten Aussage vor dem Hagener Schwurgericht wurde der Kronzeuge im Auftragsmord-Verfahren erhängt in seiner Zelle in der JVA Wuppertal entdeckt. Offenbar hat der mutmaßliche Auftragsmörder in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Suizid begangen. Die Aussage des 49-jährigen Neuenraders wurde mit einer gewissen Spannung erwartet. Dazu ist es nicht mehr gekommen.

Am Donnerstag sollte der sorgsam abgeschirmte Michael P., für Morde in Altena und Köln bereits rechtskräftig verurteilt, gehört werden. Seine Angaben hatten zur Verhaftung und zum Prozess gegen die schweigenden Angeklagten geführt. Dann, gegen 9.45 Uhr der Schock.

Sichtlich betroffen eröffnete die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen den Sitzungstag, der an sich über Stunden gehen sollte und nun nach wenigen Minuten zu Ende war. „Nach Kenntnis der Kammer hat sich der Zeuge Michael P. heute Nacht aufgehängt“, sagte Hartmann-Garschagen, die an anderer Stelle von einem „etwaigen Freitod“ sprach. „Wir möchten den Angehörigen unser herzliches Beileid ausdrücken.“

Verteidiger spricht vom Riesenskandal

Die Verteidiger Andreas Trode und Julia Kusztelak vertraten Michael P. seit seiner Verhaftung im Februar 2010, sprachen noch letzte Woche mit ihm. Im Interview mit der WAZ-Mediengruppe verbarg Rechtsanwalt Andreas Trode seinen Schock nicht im Geringsten. „Ich bin traurig“, gab er offen zu.

Den Tod seines Mandanten kann er nicht fassen. „Das ist ein Riesenskandal, dass sich ein geschützter Zeuge in einer Einzelzelle selbst weghängt. Ich kann nicht sagen, ob es ein Suizid war. Aber, bei einem langen Gespräch letzte Woche hat er noch geäußert, dass er keine Angst vor seiner Aussage hat. Er fühlte sich gut. Es gab für einen Suizid nicht den geringsten Anhaltspunkt. Ich bin immer davon ausgegangen, dass das, was er sagt, richtig ist. Das lässt sich ja auch an vielen objektiven Sachen festmachen.“

Prozess für Anwälte jetzt eigentlich geplatzt

Nachdem P. nun tot sei, sehe es die Strafprozessordnung vor, dass seine Aussagen verlesen, Vernehmungsbeamte gehört und die Videoaufzeichnungen seiner Aussagen gesehen würden. Die Verteidiger der beiden Angeklagten sehen das offenbar anders. Auf Nachfrage der WAZ-Mediengruppe erklärte Anwalt Oliver Gaertner, Verteidiger des Kölner Angeklagten Mario L.: „Das einzige Beweismittel ist weg. Der Prozess ist eigentlich geplatzt.“

Zeitpunkt des Suizids kein Zufall?

Anwalt Oliver Gaertner geht von einem Suizid aus: „Es wussten alle nicht, wo er war. Er wurde doch besonders geschützt und bewacht. Aus meiner Sicht ist ein Fremdverschulden auszuschließen.“ Nach dieser Wende werde er in Kürze die Aufhebung des Haftbefehls oder eine Haftverschonung für seinen Mandanten beantragen. Sein Kollege Rechtsanwalt Thorsten Merz betonte: „Das kam aus dem Nichts. Ich bin überrascht. Das ist auf jeden Fall in diesem Prozess eine ganz neue Wendung.“

Verfahren wird neue Wendung nehmen

Rechtsanwalt Thomas Gros vertritt den Gevelsberger Angeklagten Pasquale B. Er ist überzeugt: „Der Zeitpunkt des Suizids dürfte kein Zufall sein. Der Prozess wird eine deutliche Wendung nehmen. Für uns ist der Zeitpunkt des Suizids ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass P. seine unwahren Behauptungen nicht wiederholen wollte. Jetzt ist alles wieder völlig offen.“

Videoaufzeichnungen von Aussagen des Zeugen

Staatsanwalt Bernd Haldorn bestätigte im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe, dass es nun Ermittlungen und eine Obduktion gebe. Das sei in solchen Fällen Standard. Anhaltspunkte für einen Suizid habe es vorher nicht gegeben – auch nicht von Seiten des psychiatrischen Sachverständigen. Sicherlich werde das Verfahren nun anders verlaufen. Allerdings gebe es ja unter anderem die Videoaufzeichnungen von den Aussagen des Zeugen. Das unerwartet dramatische Verfahren wird am 28. November fortgesetzt.

 
 

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