Interkommunale Gewerbegebiete im Blick

Ein Interkommunales Gewerbegebiet soll Firmen im EN-Kreis halten.
Ein Interkommunales Gewerbegebiet soll Firmen im EN-Kreis halten.
Foto: Irmine Skelnik

Ennepe-Ruhr..  Die Drohung der Spedition Schmidt Gevelsberg, Schwelm oder gar den gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis zu verlassen, sollte sich nicht eine 66.000 Quadratmeter große Fläche zur Neuansiedlung finden, ist ein ganz aktuelles und deutliches Anzeichen für die Misere vor Ort: Es fehlen Gewerbegebiete – besonders jene, die sehr große Flächen bieten. Aber: Einfach eine Fläche suchen, und allen ist geholfen, so einfach funktioniert das nicht.

Zum einen ist es für viele Kommunen, besonders für diejenigen, die finanziell aus dem letzten Loch pfeifen, wie Schwelm, nicht möglich, die Erschließung solcher Gebiete allein zu stemmen. Zum anderen müssen Verkehrsanbindung, Topografie, Restriktionen durch den Regionalverband Ruhr (RVR), die besiedelte Nachbarschaft und daraus resultierend die Vermarktbarkeit solcher Gebiete wohl überlegt abgewogen werden, bevor die Bagger anrollen. Das Zauberwort, um so etwas für die Kommunen leist- und finanzierbar zu machen heißt: Interkommunale Gewerbegebiete.

Auf gemeinsame Rechnung

Auf das Wesentliche reduziert bedeutet das: Zwei oder mehrere Kommunen erschließen – egal wo, auch komplett außerhalb der eigenen Stadtgrenzen – auf gemeinsame Rechnung ein Gewerbegebiet und vermarkten dies ebenfalls gemeinsam. Die anfallende Gewerbesteuer wird anschließend nach einem Schlüssel geteilt, auf den sich die beteiligten Städte verständigen. Zumal der RVR, und hier wird die Sache noch interessanter, zugesagt hat, planerische Restriktionen aufzuheben, wenn neue Gewerbegebiete interkommunal entwickelt werden, also nicht nur von einer Stadt.

Stadtplaner Günter Baasner aus Berlin nahm im Auftrag des Ennepe-Ruhr-Kreises zehn potenzielle Gewerbeflächen unter die Lupe und präsentierte den Mitgliedern des Ausschusses für Kreisentwicklung, Wirtschaft und Verkehr seine Ergebnisse. Grundlage für die Notwendigkeit bilden einige Fakten: Der Beschäftigtenanteil im produzierenden Gewerbe ist im Kreis überdurchschnittlich hoch. Und es wird eine jährliche Nachfrage von 6,5 Hektar Gewerbefläche erwartet. Davon sollen 2,2 Hektar im interkommunalen Gewerbegebiet besiedelt werden.

In der Studie hat Baasner ausschließlich aufgelistet, was machbar ist und was nicht. „Nun“, so Kreiskämmerer Daniel Wienecke“, liegt der Ball bei den Städten.“ Gleichwohl, ergänzte Uwe Tietz, Leiter des Sachgebietes Kreisentwicklung, gebe der Ennepe-Ruhr-Kreis den Kommunen jegliche Unterstützung.

Schnelles Handeln gefordert

Die Politiker waren sich einig, dass trotz allem der Druck so hoch ist, dass unverzüglich gehandelt werden müsse, auch mit Blick darauf, dass auf dem riesigen Opel-Gelände in Bochum neu angesiedelt wird. Angst besteht, dass Unternehmen aus dem Kreis dorthin abwandern könnten. Aber: Die im Kreis betrachteten Gebiete könnten wohl kaum vor 2017 beplant werden.

Im folgenden die Ergebnisse der Studie:

Mögliche Standorte

Gevelsberg, Auf der Onfer:
Bedingt geeignet.
Größe: 15 ha.
Probleme: nah an Wohnbebauung, eine Gasleitung müsste verlegt werden, sehr schwierige Topographie.

Schwelm Linderhausen:
Bedingt geeignet.
Größe: 11,2 ha.
Probleme: Experten schätzen ökologischen Wert hoch ein. Wegen Ärger mit den Anwohnern hält die Stadt wenig von einem Ausbau, im Kreuzungsbereich sollten keine simplen Hallen stehen, dort müssten ansehnlichere Gebäude entstehen.

Schwelm Wuppertal Nord:
Eignung: noch offen
Größe: 13,2 ha.
Probleme: siehe separater Bericht.

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