Integrationsförderung mit Plan

Ge.  17 Empfehlungen für ein verbessertes Zusammenleben der Kulturen und die bessere Vernetzung von Hilfsangeboten und Hilfesuchenden gibt der Integrationsplan für die Stadt Gevelsberg. Erarbeitet hat das Konzept unter dem Titel „Zuhause in Gevelsberg“ die VHS Ennepe-Ruhr-Süd.

Deren Leiter Achim Battenberg erläuterte Hintergründe, Vorgehensweise und Ergebnisse der Arbeit. Der 2008 vorgelegte Sozial- und Demografiebericht für Gevelsberg empfahl die Erarbeitung eines Integrationsplanes, der einerseits die Lebensbedingungen zugewanderter Menschen verbessert und andererseits das Potenzial, das aus der Zuwanderung erwächst, stärker zugunsten einer positiven Stadtentwicklung nutzen soll.

Grundlage: Tagung
und Workshops

Es sei unerlässlich, so Battenberg, die Potenziale zu erschließen, denn das soziale Antlitz städtischen Lebens sei elementar für die kommunale Zukunftsfähigkeit einer Stadt wie Gevelsberg.

Seit Mitte 2010 hatte Battenberg gemeinsam mit seinem VHS-Team, der Stadtverwaltung und mit vielen Migrantinnen und Migranten an der Empfehlung für die Gemeinschaft der Kommune gearbeitet. Außerdem basiert der Entwurf auf der ersten Integrationsfachtagung im Januar 2010 und den Ergebnissen von vier sich daran bis Januar 2011 anschließenden Arbeitskreisen und Workshops zu den festgelegten Handlungsfeldern, die das Gerüst für die Empfehlungen des Integrationsplans bilden. Als Felder wurden festgelegt: Bildung und Ausbildung, Frauen, Kinder und Jugendliche sowie Zusammenleben.

Zu den wichtigen Eckpfeilern gelungener Integration gehören die Sprachkompetenz und die damit verbundene Teilhabe an Bildung und Ausbildung. Die Handlungsempfehlungen, die der erste Gevelsberger Integrationsplan der Kommunalpolitik, Vereinen und Verbänden gibt, basiert auf der Sprachkompetenz, auf der Kenntnis der deutschen Sprache und der Teilhabe im Schul- und Berufsleben. Aber sie basieren auch auf dem Gemeinschaftsgedanken und der Neugier auf andere, auf fremde Kulturen.

Über 100 verschiedene Nationalitäten leben in der Stadt Gevelsberg, die heute rund 32 000 Einwohner zählt. Doch die Prognosen zeigen einen Abwärtstrend: Die Bevölkerung wird älter, aber es wird nicht zwangsläufig mehr Gevelsberger geben. „Wir werden älter und bunter werden“, schreibt dazu Bürgermeister Claus Jacobi in seinem Vorwort. Nichtsdestotrotz sind es vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, denen die Förderung in erster Linie gelten soll.

Gevelsberg war und ist eine Einwandererstadt. Schon heute hat jeder vierte in der Stadt lebende Mensch ausländischen Hintergrund. 2030 soll bereits ein Drittel der Gevelsberger ausländische Wurzeln haben. „Wir wissen Integration geht nicht von heute auf morgen. Also fangen wir rechtzeitig an“ so Jacobi weiter.

Finanzierung als Gemeinschaftswerk

Es stellt sich die Frage nach der finanziellen und personellen Ausstattung der vorgeschlagenen Projekte Der Integrationsplan sieht die Finanzierung als Gemeinschaftswerk der Stadt, der Stiftungen und weiteren Investoren. Außerdem bewirbt sich das Gesamtprojekt wie auch die Einzelprojekte um Fördermittel aus Landes- wie Bundesprogrammen und aus der Europäischen Union. Das Förderprogramm „Komm in“ des Landes NRW etwa machte das Projekt Integrationsplan erst möglich.

Es gebe keinen Königsweg und keine Patentrezepte für eine erfolgreiche Integration, deshalb müsse sich auch die Integrationsarbeit und der Integrationsplan anpassen, verändern und erneuern, so Battenberg. Die Fraktionen im Sozialausschuss gaben den Weg mit ihrer einträchtigen Zustimmung frei.

INFO:

Handlungsempfehlungen in vier Bereichen

Mit 17 Hauptempfehlungen gibt der Integrationsplan neben der vorgesehenen Einrichtung eines Beirates zu dem schon bestehenden Integrationsrates einen Handlungsrahmen für die intensivierte Integrationsarbeit. In den vier Handlungsfeldern bieten sich verschiedene Möglichkeiten um Menschen und die Stadt als gemeinsame Lebenswelt zu Gewinnern zu machen.

Auch Projekte, die es zum Teil schon heute gibt, hat VHS-Leiter Achim Battenberg als Ergebnis der Workshops und der Tagung in die Empfehlungen mit auf genommen. Hier einige Beispiele:

Bildung- und Ausbildung: Das Job-Speed-Dating gibt Arbeitnehmern und potenziellen Arbeitnehmern die Möglichkeit in kurzer Zeit Kontakt miteinander aufzunehmen.

Frauen: Das Projekt Stadtteilmütter qualifiziert Migrantinnen zu „Kümmerern“ in ihren Stadtteilen. Sie können die Belange und Probleme von Frauen besser einschätzen und Hilfsangebote machen.

Kinder und Jugendliche: „GSDS - Gevelsberg sucht den Superstar“. In einer Talentshow zeigen Kinder und Jugendliche, was sie drauf haben. Eine Jury bewertet und vergibt Preise an die „Superstars“.

Zusammenleben: Die Weiterentwicklung des Bürgerhauses Alte Johanneskirche zu einem Begegnungszentrum der Kulturen und einem Haus der frühkindlichen Bildung.

 
 

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