Instrumente verschmelzen im Kirchenschiff

Schwelm..  „Orgel plus – einfach ein Genuss!“, lautet das Fazit nach dem Start der Musikreihe auf gehobenem Niveau. Wer während der vergangenen Wochen bei der Veranstaltungsreihe „Orgelherbst“ auf den Geschmack gekommen ist, der ist jeden ersten Samstag eines Monats um 18 Uhr zur Vorabendmesse in der Schwelmer Propsteikirche St. Marien richtig.

Der koordinierende Kirchenmusiker der Propstei St. Marien und der Pfarrei Christus König aus Halver, Ulrich Isfort, wünschte sich seit langem, dass neben seiner Orgel ein weiteres Instrument im Kirchenschiff erklingt. Das ist nun geglückt: Regelmäßig wird der diplomierte Kirchenmusiker von Berufsmusikern begleitet, die dies jedoch ehrenamtlich leisten. Sie stimmen vier Stücke im Vorfeld ab. Wichtig sind dabei besonders die gemeinsamen Proben in der Kirche. Die Akustik in dem Schwelmer Rundbau ist eine Herausforderung, weil sie sehr trocken ist, also nicht hallt. „Profis zeichnen sich durch sehr gute Vorbereitung aus“ verrät Isfort, der seine Ausbildung am „Mozarteum“ in Salzburg mit dem A-Diplom „mit Auszeichnung“ abgeschlossen hat. Am Samstag war die Schwelmerin Anke Meisen mit ihrer Querflöte seiner Einladung gefolgt und gemeinsam begeisterten die beiden ihre Zuhörer.

Den perfekten Platz suchen

Die musikalische Qualität spricht sich herum. Eine Gottesdienstbesucherin gesteht: „Eigentlich bin ich ja nur wegen der wundervollen Musik gekommen.“ Die beiden Musiker probten bereits seit 17 Uhr bei geöffneter Kirche. Viele lauschten bereits, um auch der Entstehung des perfekten Zusammenspiels beizuwohnen. Anke Meisen verriet: „Wir müssen gut aufeinander hören können, damit wir das gemeinsame Notenwerk finden und uns helfen können, wenn mal was passiert.“ Dafür muss sie mit der Querflöte den richtigen Platz in der Kirche finden.

Propst Norbert Dudek brachte es vom Altar aus auf den Punkt: „Es hört sich an, als ob ihr den ganzen Tag nur zusammenspielt.“ Die Besucher bekräftigten dies mit einem spontanen, aber langen, Beifall. Vielen hatte es schon vorher in den Fingern gejuckt. Neben der Predigt, in der Dudek lebensnah über „Ratschläge sind auch Schläge – oder doch besser Lebenstipps“ sprach, gab das Duo Werke aus der Bach-Familie und von Mozart zum Besten.

Sie begannen mit Carl Philip Emanuel Bach (Sonate ES-Dur, Sonate G-Mol). Es folgte das Andante von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Werke fügten sich harmonisch in die von der Gemeinde gemeinsam gesungenen Lieder ein. Zum Auszug erklang von Johann Sebastian Bach aus der Orchestersuite Nr. 2, h-Moll, (BWV 1067) Menuett und Badinerie. Als Badinerie wird ein tanzartiges Stück mit schnellen und lockeren Zweiertakt bezeichnet. Das berühmteste Beispiel für ein Badinerie ist der in Schwelm gespielte Schlusssatz.

Viele Besucher bedankten sich beim Verlassen der Kirche persönlich bei den Künstlern. Ulrich Isfort, der zum Veranstaltungsteam des Orgelherbstes gehört, hat aktuell zahlreiche Projekte: Sein Kinder- und Spatzenchor und die Marienkäfer der Kita St. Marien haben am Sonntag den Gottesdienst zum Erntedankfest gestaltet. In den Herbstferien startet er zudem ein Chor Projekt für Kinder ab der dritten Schulklasse.

Planungen für das Jahr 2017 laufen

Und so geht es mit „Orgel Plus“ weiter: Am 5. November wird Isfort von Dr. Nils Brückelmann mit der Oboe begleitet. Dies ist auch ein besonderer Tag für die Orgel, denn exakt 33 Jahre zuvor wurde sie geweiht. Am 3. Dezember erhält die Orgel sogar Unterstützung von zwei Flöten. Anke Meisen kommt erneut mit ihrer Querflöte; Gaby Weidner wird zudem die Blockflöte spielen. „Diese Gestaltung des Gottesdiensts wird sehr gut angenommen“, sagt Isfort, der sich bereits in der Planung für die Fortsetzung der Orgelreihe im kommenden Jahr befindet.

 
 

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