Ikea kommt nur mit zusätzlichem Fachmarkt-Zentrum nach Wuppertal

Stefan Pohl
Der Möbelriese Ikea kann sich eine Ansiedlung am Autobahnkreuz Wuppertal-Nord ohne zusätzliches Fachmarkt-Zentrum nicht vorstellen. Doch der lokale Einzelhandel fürchtet, dass ein Areal mit Elektromärkten, Sportläden und weiteren Angeboten die Kaufkraft aus den Innenstädten abzieht. Die Fronten sind verhärtet.

Wuppertal/Schwelm. Kommt sie oder kommt sie nicht? Und wenn ja: wann? Wo büßt der Einzelhandel in der Nachbarschaft am meisten ein? Die geplante Ikea-Ansiedlung am Autobahnkreuz Wuppertal-Nord bei Sprockhövel, die nach Kamen, Dortmund und Siegen vierte, die von Südwestfalen aus gut erreichbar ist, produziert zurzeit vor allem eins: Fragen.

Die erste lautet: Warum diese Verhärtung der Fronten, die bis zur Klageandrohung einzelner Städte in benachbarten Ennepe-Ruhr-Kreis reicht, ausgerechnet in Wuppertal? Soll hier ein Exempel statuiert werden? „Wir können uns den Standort ohne Fachmarkt-Zentrum nicht vorstellen“, deutet Simone Settergren, Ikea-Sprecherin in der Deutschland-Zentrale Hofheim am Taunus, den Konflikt an.

Ikea will Wuppertal wirtschaftlich gestalten

Das bedeutet, zusätzlich zum 25000 Quadratmeter großen Möbelhaus noch 20 000 Quadratmeter für Fachgeschäfte wie Elektromärkte und Sportläden auf vermietetem Ikea-Grund mit Innenstadt-relevantem Sortiment, das aus Hagen, Gevelsberg, Schwelm, Ennepetal und Sprockhövel bis nach Hattingen und Wuppertal hinein Kaufkraft abziehen könnte, wie der örtliche Einzelhandel fürchtet. Noch nicht eingeschlossen das Randsortiment an Glas, Textilien, Blumen und Einrichtungsgegenständen, das auf Ikea-Kunden regelmäßig wartet, wenn sie ihren Möbel-Rundgang beendet haben.

„Damit könnten wir den Standort Wuppertal wirtschaftlicher gestalten und noch mehr Arbeitsplätze schaffen“, behauptet Settergren. Außerdem ersetze Ikea nicht den Besuch in den Stadtzentren, sondern ergänze ihn. „Ikea allein an diesem Standort ist völlig unkritisch. Was nicht geht, ist die Zusammenballung zusätzlicher Verkaufsfläche, die in die benachbarten Innenstädte gehört“, kontert Herbert Dabringhaus, Fachbereichsleiter Handel bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) zu Hagen.

Ikea unternimmt einen Strategiewechsel

Aber war das schon immer so, hat der Möbelriese die gleichzeitige Errichtung so genannter Homeparks zur Bedingung einer Neuansiedlung in Nordrhein-Westfalen gemacht? „In Dortmund und Kamen gehört das nicht zu uns“, erklärt die Ikea-Sprecherin. „Aber das stört uns nicht.“ Grund ist wohl ein Strategiewechsel. Ursprünglich hatte die Ikea-Deutschlandzentrale die Parole ausgegeben, an jeden zweiten Standort ein Fachhandelszentrum anzugliedern. „Da sind wir jetzt flexibler“, erläutert Settergren.

In Dortmund wurde am so genannten Indupark an der B1 ein Gelände nur für das Möbelhaus erworben - genügend Facheinzelhandel in der Nachbarschaft war schon vorhanden. Und Kamen kam einfach seine attraktive Lage am Autobahnkreuz zugute, als das dortige Ikea-Haus vor einiger Zeit in die Jahre kam. „Wir hatten immer einen guten Draht zu Ikea“, sagt Ronald Sostmann, oberster Wirtschsftsförderer der Stadt nicht ohne Stolz, das Unternehmen in Kamen gehalten zu haben: „Ikea hatte ein überdimensioniertes Randsortiment im Hause und wollte es mit an den neuen Standort nehmen. Mit dem Bestandsschutz bei uns ging das auch“, erläutert Sostmann. Es hätte aber wohl nicht bei Nachbarstädten geklappt, die damals offensiv um den Möbelriesen warben. Und wie es sich so ergab, hatte Kamen zu dieser Zeit auch gerade das passende Grundstück im Angebot.

Bochum hat "Nein!" zu einer Ikea-Ansiedlung gesagt

Aber auch das Gegenteil hat es schon gegeben. Kommunen, die Nein zu einer Ikea-Ansiedlung gesagt haben. Bochum zum Beispiel oder Essen, das eine Verlegung verweigert. „Da haben wir jeweils in einem ganz frühen Stadium abgebrochen“, betont Simone Settergren. „Da, wo wir mit der Projektentwicklung schon so weit waren wie jetzt in Wuppertal, ist es immer zur Ansiedlung gekommen.“

Aber das kann in diesem Fall noch dauern. Zwar hat Ikea zugesagt, den Anteil Innenstadt relevanter Sortimente in Wuppertal auf unter 10 Prozent zu drücken, aber viele Einzelhändler in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis halten das für Augenwischerei. Die Landesregierung, die eine Weiterplanung untersagt hat, will noch im Juni entscheiden, ob und wie es weitergehen darf. Es steht viel auf dem Spiel. „Wir hoffen, dass es möglich ist, mit unserem Markthallen-Sortiment weiterhin in NRW zu investieren“, hält die Ikea-Sprecherin die Spannung hoch. „Die Entscheidung der Landesregierung wird darauf Einfluss haben.“