Höchster Anstieg der Verbrechen in Ennepetal

Klaus Bröking
Foto: Christof Rieken/nicht-bei-mir.de obs/Nicht bei mir

Ennepe-Ruhr.  Die Gefahr, Opfer eines Verbrechens zu werden, ist im Ennepe-Ruhr-Kreis 42 Prozent geringer als im Durchschnitt von Nordrhein-Westfalen. Das ist die gute Nachricht, die Landrat Arnim Brux und seine obersten Polizisten gestern im Schwelmer Kreishaus bekannt gaben. Nicht ganz so gut ist, dass die Zahl der Fälle, die die Kriminalisten bearbeiten mussten, im vergangenen Jahr um 5,66 Prozent auf 13.838 Verbrechen angestiegen ist. Die Aufklärungsquote sank dagegen um 2,63 Prozent. Sie liegt mit 53,87 Prozent aber noch immer deutlich über dem Landesschnitt mit 49,09 Prozent.

Banden aus Südosteuropa

„Durch den Anstieg der Fallzahlen haben wir einen Höchststand seit dem Jahr 2006 erreicht. Positiv dagegen ist, dass wir einen deutlichen Rückgang der Gewaltverbrechen um 5,7 Prozent vermelden können“, so Brux in seiner Eigenschaft als Chef der Polizei im EN-Kreis, die für alle Städte außer Witten zuständig ist.

Es sind vor allen Dingen Banden aus Südosteuropa, die mit Wohnungseinbrüchen und Trickbetrügereien die Zahlen nach oben treiben. „Täter, die auch am Ort selbst wohnen, spielen eine immer geringere Rolle“, so Kriminaloberrat Helmut Seelig. Nur noch bei den Rauschgiftdelikten sei das der Fall.

Die Anzahl der Straftaten hat sich in den Städten des südlichen Ennepe-Ruhr-Kreises sehr unterschiedlich entwickelt. Den höchsten Anstieg überhaupt musste mit 18,14 Prozent Ennepetal hinnehmen. Die Klutertstadt steht in absoluten Zahlen mit 1954 Straftaten allerdings noch relativ gut da. In Gevelsberg fanden im selben Zeitraum immerhin 2366 Verbrechen statt, was allerdings nur einen Anstieg um 6,58 Prozent bedeutet. In Schwelm ist die Zahl sogar um 4,28 Prozent auf 2171 Fälle zurückgegangen.

Bei den drei Tötungsdelikten in der Statistik handelt es sich nur in einem Fall um das, was ein Krimi-Autor unter Mord versteht: Ein 53-Jähriger wurde im März vergangenen Jahres in Sprockhövel erstochen. In einem anderen Fall handelt es sich um eine Messerstecherei, bei der aber kein Mensch umgekommen ist. Es blieb also beim Versuch. Der dritte Fall war ein Todesfall in einem Hattinger Umspannwerk, eigentlich ein Arbeitsunfall, bei dem falsche Bedienung im Spiel gewesen sein könnte. Kommissar Horst Schimanski würde es also zu langweilig im Kreis sein.

Er könnte sich allerdings um die Wohnungseinbrüche kümmern. Deren Zahl stieg von 552 im Jahr 2011 auf 824. Auch hier wieder ein unterschiedliches Bild in den Städten. In Schwelm wurden mit 93 Einbrüchen sogar zehn weniger als im Vorjahr gezählt. Aus Ennepetal wird ein Anstieg von 48 auf 68 vermeldet. Die Stadt hat keinen eigenen Autobahnanschluss und ist deshalb für reisende Banden, die schnell an den Tatort und wieder weg kommen wollen, ein zu gefährliches Ziel. Das ist in Gevelsberg anders. Hier stieg die Zahl der Einbrüche von 116 auf 137. In Sprockhövel haben sich die Fälle von 68 auf 135 fast verdoppelt. Allerdings ist die Statistik nicht ganz so bedrohlich, wie es die Zahlen vermuten lassen. Sie beinhaltet auch die Einbruchversuche. Deren Anteil liegt bei 40 Prozent.

Hilfe von den Nachbarn

Mit Großkontrollen an den Autobahnauffahrten will die örtliche Polizei den Tätern auf die Spur kommen. Noch wichtiger seien aufmerksame Nachbarn, sagt Polizeidirektor Ingolf Schween. Einbrecher würden zum Beispiel an der Tür klingeln, um herauszubekommen, ob jemand zu Hause sei. Wer solch ein auffälliges Verhalten bemerke, der solle sich bei der Polizei melden. „Ruhig über den Notruf 110“, ermutigt Schween die Menschen, keine Hemmungen vor der Nummer zu haben.