Hilfe aus dem Wechselbad der Gefühle

Katja Frost und Dr. med. Marc-Andreas Edel richten eine Sprechstunde bei bipolaren Störungen an der Fliedner-Klinik in Gevelsberg ein.
Katja Frost und Dr. med. Marc-Andreas Edel richten eine Sprechstunde bei bipolaren Störungen an der Fliedner-Klinik in Gevelsberg ein.
Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg.  In diesen närrischen Ausnahmezeiten kann man es gut nachvollziehen: Zu Weiberfastnacht „himmelhoch jauchzend“ und am schwarzen Freitag danach „zu Tode betrübt“. Das ist sicherlich keine Krankheit. Aber, extreme Gefühlsschwankungen können eine Krankheit sein. Bipolare Störungen nennt das ein Facharzt. Und Menschen, die darunter leiden, will die Fliedner-Klinik in Gevelsberg in Zukunft besser helfen.

In Süden des Ennepe-Ruhr-Kreises gibt es eine Vielzahl von engagierten Selbsthilfegruppen. Bei denen hat sich Dr. med. Marc-Andreas Edel als neuer Chefarzt der Tagesklinik gegen psychische Störungen in Gevelsberg vorgestellt. „Und dann hat mich die Vertreterin einer Gruppe gefragt, ob wir auch ein Angebot für Menschen mit bipolaren Störungen hätte.“ Er habe ihr dann versichert, dass während der normalen Sprechstunden auch eine solchen Krankheit angesprochen werden könnte. Dann sei er erneut angesprochen worden und habe gemerkt: „Da besteht ein echter Bedarf nach Hilfe.“

Und als Katja Frost das Team von 25 Mitarbeitern – darunter sechs Ärzten – in der Gevelsberger Fliedner-Klinik verstärkte, hatte der Chefarzt auch die Möglichkeit, ein entsprechendes Angebot anzubieten. Am Mittwoch, 17. Februar, ab 16.30 Uhr, wollen Frost und Edel die neue Sprechstunde bei bipolaren Störungen interessierten Betroffenen, Angehörigen, professionellen Helfern und ihren Fachkollegen im Stadtcafé Theodor in der Klinik vorstellen.

Krankhafte Gemütsschwankungen

Die krankhaften Gemütsschwankungen kommen nicht selten vor. „Fünf Prozent der Allgemeinbevölkerung sind von bipolaren Störungen betroffen, zwei Prozent in einer schweren Form“, sagt Katja Frost. In der euphorischen Phase, der Manie, würden die Menschen „richtig auf den Putz hauen“. Die Patienten kaufen dann spontan ein oder auch zwei Porsche, werfen das Geld also zum Fenster raus, sind Partylöwen, gesellig und immer gut drauf. „Sie sind in dieser Phase auch mitreißende Menschen“, sagt Frost. Die andere Seite der Medaille: Der Kranke verschuldet sich, hält sich für unsterblich, allwissend und ist unbelehrbar. Er verzockt sich und verfällt dem Größenwahn. „Schwer wird es, wenn solche Menschen auch noch die Chefs sind“, sagt Marc-Andreas Edel.

Dem Hochgefühl folge dann die tiefe Depression. Solche Gefühlsschwankungen finde man häufiger bei kreativen Menschen. Bei Künstlern können sie unter Umständen dann als Starallüren abgetan werden. Ein Schauspieler könne auch davon in seinem Beruf profitieren und Angst davor haben, die extreme Aussagekraft durch den Besuch beim Arzt zu verlieren.

Eine Behandlung als eine Kombination von Therapie und Medikamenten sei durchaus möglich. Darauf müsse sich aber nicht nur der Patient einlassen. Auch Angehörige und Freunde sollten in den Kampf gegen die Krankheit einbezogen werden. „Die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe ist bei bipolaren Störungen eigentlich unumgänglich“, sind sich Katja Frost und Marc-Andreas Edel einig. Aber daran besteht in Gevelsberg und Umgebung kein Mangel, wie sich die Leitung der Fliedner-Klinik selbst überzeugen konnte.

 
 

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