Heimatkunde und Gralssuche

Erzbischof Engelbert I. von Köln versucht, seinen Angreifern im Hohlweg am Gevelsberg zu entkommen. Wandgemälde von Claus Meyer im Rittersaal von Schloss Burg.
Erzbischof Engelbert I. von Köln versucht, seinen Angreifern im Hohlweg am Gevelsberg zu entkommen. Wandgemälde von Claus Meyer im Rittersaal von Schloss Burg.
Foto: WP
Henning Isenberg hat den zweibändigen Geschichtsroman „Das Friedrich-Lied“ geschrieben. Dabei geht es auch um die hinterhältige Ermordung des Erzbischofs Engelbert im Jahre 1225 bei Gevelsberg.

Hagen.. „Gut Ding will Weile haben“, sagt der Volksmund. Ein Arbeitsvolumen von zehn Jahren darf man daher durchaus als eine Weile bezeichnen. Geradezu ein doppelt gut Ding ist dabei der zweibändige Roman „Das Friedrich-Lied“ von Henning Isenberg geworden, der eben eine ganze Dekade an diesem ambitionierten Werk geforscht und geschrieben hat.

„Das Friedrich-Lied“ handelt auf insgesamt 800 Seiten vom jungen Friedrich II., der im frühen 13. Jahrhundert erst auf einen Kreuzzug ging und sich anschließend einen tödlichen Konflikt mit seinem Großonkel Engelbert, dem Erzbischof von Köln, lieferte. Die Ermordung des später heilig genannten Engelberts wurde in der Vergangenheit schon dutzendfach als Romanvorlage genutzt.

Mord bei Gevelsberg

Jetzt stellt dieses mörderische Ereignis vom 7. November 1125 bei Gevelsberg in Isenbergs „Friedrich-Lied“ nur einen Aspekt seiner deutlich komplexeren Geschichtsbetrachtung dar; gleichwohl fokussiert sich mit der blutigen Tat ein ganz wesentlicher Moment, ja geradezu eine Weichenstellung unserer westfälisch-regionalen Vergangenheit.

Der Stuttgarter Unternehmer-Coach Henning Isenberg, der seine Kindheit in Iserlohn verbrachte, blickt also gleichsam auch auf die eigenen Heimatwurzeln mit seinem Roman zurück. Seine Namensgleichheit mit Friedrich von Isenberg mag ihm zudem einen weiteren Motivationsschub für das Buchprojekt gegeben haben, obwohl eine direkte familiäre Verbindung eher nicht besteht.

Was Isenbergs Roman von den vielen anderen zum Thema unterscheidet, ist nicht nur die sehr viel breitere Handlungsaufstellung, sondern auch der strukturelle Literatur-Ansatz selbst. In vier parallelen Strängen gliedert sich das „Friedrich-Lied“: Es gibt einen historischen, einen inhaltlich-fiktiven, einen psychologischen sowie eine Art Parzifal-Faden, anhand und mit denen sich das Geschehen für die Leser erhellend und hinterfragend aufblättert.

Ein Roman über die Macht

Es sei ihm vorrangig darum gegangen, einen Roman über die Macht, das Suchen und das Finden zu verfassen, erklärt Henning Isenberg im Gespräch mit unserer Zeitung. In einer Art tieferen Erkenntnissuche wollte er neben der geschichtlichen Auseinandersetzung zugleich auch „eine Referenz an die heutige Zeit“ schaffen. Ähnlich wie beim Parzifal-Stoff, der Anfang des 13. Jahrhunderts gedichtet worden ist, soll auch das „Friedrich-Lied“ als ein „Roman der Reifung“ gelesen und verstanden werden.

Zwischen Vaterverlust und Mutterkonflikt manifestiert sich in Friedrich ein ausgesprochen differenziertes Bild vom vermeintlichen Heldentum. Die Suche nach dem eigenen Ich kann dabei durchaus als symbolische Gralssuche verstanden werden. Weitere Diskurse über grundsätzliche Lebensfragen treten immer wieder begleitend neben den Handlungsteppich, den Henning Isenberg dicht geknüpft auslegt.

Der südwestfälische Leser sieht sich durch „Das Friedrich-Lied“ unmittelbar in das Gestern der eigenen Heimat zurückgeworfen. Schloss Hohenlimburg wurde um 1240 von der Isenberg-Familie erbaut, 1225 fand in Soest ein Adelstag statt, Erzbischof Engelbert kam von dort, wurde bei Gevelsberg ermordet und bereiste zudem Orte wie Fröndenberg, Menden, Balve oder auch Schwelm. Auch dass er an der Felsformation von Pater und Nonne im heutigen Letmathe einstmals vorbeiritt, darf als keineswegs unwahrscheinlich gelten.

 
 

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