Glühende Herzen für alten Beruf

Schmiedelabor bei der Realschule. Fotos: Sabine Nölke
Schmiedelabor bei der Realschule. Fotos: Sabine Nölke
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Ennepetal. Laura macht sich gern die Finger schmutzig. Wenn es etwas zu knöstern gibt, ist die Ennepetaler Realschülerin sofort zur Stelle. Mit ihrem Vater hat sie neulich sogar ein Getriebe „auseinandergepflückt“. Kein Wunder, dass sie Feuer und Flamme war, als das „Mobile Schmiedelabor“ am Breslauer Platz vor ihrer Schule Station machte.

Bereits um 7 Uhr in der Frühe warteten schon einige Mädels ungeduldig am Schuleingang auf Andreas Rimkus. Wer hätte das gedacht? Ja, besonders auf die Mädchen ist der Funke übergesprungen. „Die können vielleicht schmieden,“ kommt Rimkus, der die Idee für das Schmiedemobil hatte, aus dem Staunen nicht mehr raus.

Fahrbare Skulptur

Das mobile Schmiedelabor ist eine fahrbare Skulptur in Form eines Ambosses und will Kinder und Jugendliche mit der Kunst und dem Handwerk des Schmiedens und seinen Möglichkeiten vertraut machen. „Schmieden ist Teil unserer Kultur“, stellt die deutsche Unesco Kommission und hat das Projekt unter ihre Schirmherrschaft gestellt. Seinen ersten großen Auftritt hatte das „Mobile Schmiedelabor“ auf dem ThyssenKrupp Ideenpark 2008. Seitdem reist das Mobil durchs Lande.

Guter Draht zur Wirtschaft

Da die Realschule einen guten Draht zur heimischen Wirtschaft hat-- in diesem Fall zu CDP Bharat Forge – ist der Besuch überhaupt erst zustande gekommen. Das Unternehmen in Altenvoerde unterstützt das Projekt ebenfalls. Einige Lehrlinge des Unternehmens standen den Kindern und Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. So war es doch für die Klassen 5 und 9 ein kleines Abenteuer, natürlich auch für die Jungs. An drei Tagen stand der riesige Amboss auf dem Schulhof der Realschule.

Ab 7.30 Uhr wurden die Essen angeheizt und bis zum Mittag klangen die Hammerschläge auf dem Schulgelände. Viel Wissenswertes rund um Eisen und dessen Bearbeitung erfuhren die Schüler sehr eindrucksvoll und hautnah. Neben der alten Schmiedetechnik lernen die Schüler auch physikalische Grundlagen kennen. Wann ist die richtige Temperatur zur Bearbeitung erreicht? Muss noch mehr Sauerstoff in die Esse geblasen werde um die Glut weiter anzufachen?

Mit vier Essen, acht Ambossen (einer davon für Rollstuhlfahrer), Hämmern und Zangen gingen die Schüler im wahrsten Sinne mit glühendem Eifer zu Sache. Und auch Schulleiter Thomas Winter war richtig froh. „Wie oft habe ich mich um das mobile Schmiedelabor beworben. Nun hat es endlich doch noch geklappt.“ Auch Techniklehrer Hartmut Recke ließ sich gern von Andreas Rimkus begeistern.

„Über 10 000 Kinder sind schon durch mein mobiles Schmiedelabor gegangen. Bisher hat sich niemand verletzt“, versichert Bildhauer Andreas Rimkus. „Für die meisten ist es ein Schlüsselerlebnis, das ich ihnen vermitteln will.“

Beruf eigentlich abgeschafft

Der Beruf des Schmieds wurde von der Handwerkskammer vor Jahren abgeschafft. Offiziell existiert er gar nicht mehr. Trotzdem wird der Schmied noch gebraucht. Metallbetriebe suchten oft gute Leute. Wenn nur ein paar von den Schülern dabei blieben, sei das schon ein Erfolg, so Andreas Rimkus. Auch wenn es die Berufsbezeichnung nicht mehr gibt, das Handwerk dürfe einfach nicht sterben, meint Rimkus. Und dann wird er sehr ernst: „Besonders hier habt ihr die Tradition doch vor der Tür. Im Krenzer Hammer im Ennepe-Tal bei Wilfried Krenzer und seiner Familie kann man das Schmieden noch live erleben. Das ist doch einmalig“, schwärmt Rimkus und appelliert an die Schulen, dieses Angebot auch zu nutzen.

Auch für Dilara, Alina , Jaqueline oder Frank ist das Schmieden zu einer Herzensangelegenheit geworden. Denn auch ein Herz aus Eisen kann ein Mutterherz erwärmen. Gibt es ein schöneres geschenk zum Muttertag...

 
 

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