Gestern und heute auf einem Bild

Klaus Bröking
Historische Aufnahmen kombiniert Günter Lintl mit Fotos aus der Gegenwart.
Historische Aufnahmen kombiniert Günter Lintl mit Fotos aus der Gegenwart.
Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg.  Wie könnte man einen Kalender noch mehr loben als mit dem Satz: Er ist ein echter Hingucker? Früher hat Günter Lintl das Archiv seines Vaters und Großvaters nach historischen Gevelsberger Motiven für den Kalender der Schnellmark-Apotheke durchforstet. Nun geht der Fotografen-Meister einen neuen, noch viel eindrucksvolleren Weg. Bei „Gestern im Heute“ – so der Titel – werden alte Aufnahmen von der Plattenkamera mit farbigen Digitalfotos kombiniert, die vom selben Standort aus aufgenommen wurden. Vorher und nachher werden sozusagen in einem Motiv vereint.

Lintl hatte es sich sicherlich leichter vorgestellt, sein anspruchsvolles Projekt zu verwirklichen. „Es war nicht immer einfach, den alten Standort wieder zu finden,“ sagt er. Auch hätten die modernen Digitalkameras eine andere Perspektive als die Plattenkameras, mit denen sein Opa und sein Vater Motive in Gevelsberg festgehalten hätten. „Und meine Frau hat mich schon vermisst, wenn ich stundenlang daran gearbeitet habe, die Fotos per Computer zu kombinieren.“ Aber, für Lintl war es nicht nur eine Reise in die Geschichte der Stadt, sondern auch eine Ausein­andersetzung mit den Veränderungen in seinem Beruf und einem Stück Ahnenforschung.

„Es war schon ein besonderes Gefühl, da zu stehen, wo vor etlichen Jahren mein Vater oder mein Großvater auf den Auslöser gedrückt haben“, sagt der Fotograf. Seine Vorgänger mussten ihre Aufnahmen noch als Negative im Labor entwickeln. Lintl junior benötigt keine Säuren und Laugen mehr, sondern muss stattdessen ein für den Laien doch sehr kompliziertes Computerprogramm beherrschen. Stolz ist Günter Lintl darauf, dass sein Gevelsberg-Kalender auch ein Gevelsberger Produkt ist. Herausgeber und Mit-Initiator ist Klaus Fiukowski vom Filmriss-Kino, wo der Fotograf regelmäßig die Bilderschauen mit historischen Motiven präsentiert. Gedruckt wurde das Werk bei Winterhoff. Unterstützt wird das Projekt vom heimischen Energieversorger AVU.

Dem kam es recht, dass der Fotograf die Veränderungen im Laufe der Jahre dokumentieren wollte, denn es gibt ein Jubiläum zu feiern. „Vor 125 Jahren begann die Stromproduktion für Gevelsberg und die Nachbarstädte am Nirgena, dort, wo in den letzten Jahren mit dem Ennepebogen eine grüne Mitte entstanden ist,“ erklärt AVU-Vorstand Uwe Träris. Man könne sich das heute gar nicht mehr vorstellen: Eine Kohle-Kraftwerk mitten in der Stadt. Auch als Nicht-Gevelsberger ist er von dem Kalender begeistert: „Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gesehen.“