„Frau Grieger erzählt Blödsinn“

Stefan Scherer
Kameramann Axel Ruch (rechts) und Fotojournalist Michael Printz mit ihrem Multikopter
Kameramann Axel Ruch (rechts) und Fotojournalist Michael Printz mit ihrem Multikopter
Foto: WP

Schwelm.  Das Thema geriet zu einem Aufreger. Die Schwelmerin Natascha Grieger sah beim Sonnenbad eine Drohne mit Fotokamera über ihrem Garten, fühlte sich beobachtet, hatte Angst, dass Einbrecher die Nachbarschaft ausspionierten und erstattete Anzeige. Jetzt stellen sich die Piloten Michael Printz, Fotojournalist, und Axel Ruch, Kameramann, den Fragen dieser Zeitung. Sie erzählen eine andere Geschichte, haben aber auch Verständnis für das Misstrauen Natascha Griegers.


Warum sind Sie mit ihrem Multikopter in Schwelm geflogen?
Wir hatten vom Besitzer eines Mietkomplexes den Auftrag, Fotos für ein Exposé dieser Immobilie zu machen. Dieses Gerät war das geeignete dazu. Wir sind vom Bürgersteig aus aufgestiegen. Viele Menschen haben uns angesprochen.


Dabei sollen Sie patzig geantwortet haben.
Im Gegenteil: Wir haben uns mit einem Herrn sehr lange unterhalten und ihm alles genau erklärt. Allerdings sind wir, so lange dieses knapp 60.000 Euro teure Gerät in der Luft ist, sehr kurz angebunden. Nach der Landung nehmen wir uns für jeden gern Zeit.


Was hatten Sie in fünf Metern Höhe über dem Garten von Natascha Grieger zu suchen?
Frau Grieger erzählt Blödsinn. Wir führen ein elektronisches Logbuch. Daraus geht ganz klar hervor, dass wir stets zwischen 36 und 37 Metern Höhe hatten. Wir haben einen Schlenker über das Haus von Frau Grieger gemacht, gesehen, dass diese Perspektive für unser Objekt ungeeignet ist und sind nach exakt sieben Sekunden wieder zurückgeflogen. Wir waren niemals über dem Garten.


Haben Sie Film- oder Fotoaufnahmen von Frau Grieger gemacht?
Wir haben nach dem Trubel sämtliche Bilder durchgesehen, sie nirgendwo gefunden. Und wenn dies versehentlich passiert, wäre sie Beiwerk für das Motiv gewesen. Wir hätten sie unkenntlich gemacht oder aus dem Bild entfernt.


Warum haben Sie den Flug nicht bei den Behörden angemeldet?
Wir haben im Vorfeld ein Info-Fax an die Kreispolizeibehörde geschickt. Leider war in der Fax-Nummer ein Zahlendreher, so dass dieses niemals angekommen ist. Das Problem ist, dass viele Menschen etwas Merkwürdiges vor der Haustür sehen und anstatt nachzuschauen, bei facebook fragen, was das denn sein könnte. Uns wäre es lieber gewesen, die Polizei wäre gekommen, wir hätten unsere Unterlagen gezeigt und die Sache wäre erledigt gewesen. Wir überlegen, ob wir nun jede Leitstelle vorher telefonisch informieren.


Gerade auf facebook wird heftig gegen Sie gewettert.
Die Mitglieder der Schwelmer Gruppe schreiben, sie würden ein solches Gerät mit ihrer 9-Millimeter-Pistole, ihrer Armbrust oder ihrem Gartenschlauch vom Himmel holen. Nicht nur, dass das illegal ist. Wenn das Gerät unkontrolliert und vielleicht brennend in einem Wohngebiet zu Boden kracht, könnten Menschen verletzt werden.


Sind die Sorgen von Natascha Grieger also unbegründet?
Was uns angeht: Ja. Wir können ihre Sorgen, dass jemand in ihre Privatsphäre eindringt, jedoch nachvollziehen. Aber nochmal: Jeder darf uns direkt ansprechen.


Wie geht der Fall nun weiter?
Die Kripo hat ihre Ergebnisse an die Staatsanwaltschaft gegeben. Nun werden wir sehen, wie das Verfahren ausgeht.


Hatten Sie jemals so ein Theater mit einem Auftrag?
Nein. Durch die Fahrerei und den Schriftverkehr kommt dabei für uns auch nichts mehr herum. Aber bald sind wir wieder in Schwelm und hoffen, dass dann nicht ein solcher Aufruhr entsteht.