Faszinierendes Himmelsspektakel im Blick

Der Anblick der partiellen Sonnenfinsternis begeisterte die vielen Besucher der Volkssternwarte. Im Vordergrund ist die Sonne zu sehen. Durch das Teleskop wird das Bild auf ein Blatt Papier gespiegelt.
Der Anblick der partiellen Sonnenfinsternis begeisterte die vielen Besucher der Volkssternwarte. Im Vordergrund ist die Sonne zu sehen. Durch das Teleskop wird das Bild auf ein Blatt Papier gespiegelt.
Foto: WP

Ennepetal..  Mit dem Haufen Sonnenfinsternisbrillen, die Klaus Becker in beiden Händen hält, hätte er die Vereinskasse für die nächsten Jahre füllen können. „Im Internet wurden die Brillen für fast 400 Euro gehandelt, pro Stück“, sagt er und lacht. Doch ihm und seinen Mitstreitern der Volkssternwarte Ennepetal geht es nicht ums Geld, sondern darum, die Menschen für den Sternenhimmel zu begeistern. Deshalb wurden die Spezialbrillen auch gestern kostenlos während der partiellen Sonnenfinsternis verteilt, damit auch wirklich jeder einen Blick auf die Sonnenscheibe werfen konnte, die spektakulär Stück für Stück hinter dem Mond verschwand.

Schulklassen und Sternenfreunde

Ursula und Horst Wattenberg sind extra aus Gevelsberg angereist. „Wir hatten leider keine Brillen mehr bekommen, aber wir wollten nicht auf dieses tolle Ereignis verzichten“, erzählen die beiden. Der Ausflug hat sich gelohnt. Nicht nur, dass es auch für sie die begehrten Exemplare gab, sie konnten die Sonne aus der Profi-Perspektive sehen. Die Vereinsmitglieder hatten viele Teleskope aufgebaut und sie mit Sonnenfiltern bestückt, Kameras angesteckt oder das Licht der Sonne auf ein Stück Papier reflektiert. Jeder, der wollte, durfte einen Blick riskieren.

Sonnenflecken, Feuerfackeln, die gebirgige Oberfläche des Mondes und die immer kleiner werdende Sichel der Sonne: Der Himmel hatte gestern Vormittag einiges zu bieten. Für Astronomie-Anfänger und Profis gleichermaßen.

„Viele finden über die Astronomie einen Zugang zur Wissenschaft“, weiß Klaus Becker aus Erfahrung. Vor allem Kinder hätten viel Spaß daran. Auch ihn packte als kleiner Junge die Leidenschaft für den Sternenhimmel, heute versucht er anderen die „Schönheit der Objekte“ näher zu bringen. Mit ehrenamtlichen Gruppenführungen, bei Klassenbesuchen, in dem er und seine Mitstreiter bei klarem Himmel immer montags und freitags ab 19 Uhr alle Sternenfreunde zur Beobachtungsstation einladen – und eben mit solchen Aktionen wie gestern.

Mit Erfolg. Mehr als 100 Besucher zog es zur Sternwarte. Unter ihnen auch Schüler der Grundschule Voerde Nord. Die 3a von Ute Berlepp war bereits im November Gast am Hinnenberg. „Ich finde es toll, wie engagiert dieser Verein ist“, sagt die Lehrerin und betont, wie froh sie über solche Angebote sei. Die Kinder seien begeistert und würden etwas Einmaliges erleben. Rick, Anna und Noah sind Feuer und Flamme für das Schauspiel, es sei nur etwas kalt an den Fingern. „Vor allem jetzt, wo die Sonne so viel weg ist“, sagt Carla. „Trotzdem schade, dass so was Tolles so selten ist.“

Klaus Becker hat in seinem Leben schon einige Sonnenfinsternisse miterlebt, auch schon, bevor er 1997 dem Verein beigetreten ist. Diese sei aber besonders, weil der Bedeckungsgrad mit 78 Prozent so groß sei. Eine ähnliche wird es in diesen Breiten erst wieder 2026 geben. Optimal waren die Bedingungen an diesem Tag nicht. Der Nebel hatte die Sicht zu Beginn beeinträchtigt, doch immer wieder blitzte die Sichel durch, dann klickten die Auslöser der Astro-Kameras. Detlev Friede hat gleich mehrere Teleskope mitgebracht, am Ende sind 96 Fotos aus dem Kamerachip. Er habe so wie jeder mit einem kleinen Teleskop angefangen, sagt er, „doch dann ging es immer weiter.“

Bei Klaus Becker war es seine Frau, die ihn zur Volkssternwarte brachte. „Sie hatte damals gelesen, dass es einen Tag der offenen Tür gibt, also sind wir zusammen hingegangen. Und dabei hatte ich eigentlich keine Lust.“

Mit Freude dabei sind auch die Besucher, auch zwei Stunden nach Beginn der Wanderung des Mondes. Denn kurz bevor er die Sonne wieder freigibt, blitzt sie richtig auf. Es ist die beste Zeit für Beobachtungen. Klaus Becker ist froh, dass keiner der Versuchung erliegt, ohne Brille in die Sonne zu schauen. „Nach Sonnenfinsternissen sind die Augenkliniken immer voll“, sagt er den Grundschülern, die ihm gebannt zuhören. Alle lauschen den Sicherheitsbelehrungen, danach geht es los mit Fragen. Klaus Becker antwortet, während ihn die Kinderaugen anstrahlen. Diese Momente empfinde er als Lohn für all den Einsatz. Seinen Kollegen geht es nicht anders. Während sie neben ihren Teleskopen stehen, blicken andere hindurch und freuen sich über den Anblick der Sonne. Wer wollte, durfte sich am Ende übrigens eine Brille kaufen, für die nächste Sonnenfinsternis. Für vier Euro.

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