Erinnerung an die Opfer des Nazi-Regimes

Schwelm..  Als die AG Stolpersteine vor acht Jahren am Märkischen Gymnasium gegründet wurde, da hätte sicher noch keiner gedacht, welch’ große Rolle die Arbeitsgemeinschaft bei der Aufarbeitung der Geschichte während des Naziregimes in der Stadt übernehmen würde. Sie sorgte dafür, dass Stolpersteine in Gedenken an jüdische Familien verlegt wurden, beteiligte sich an mehreren Gedenkveranstaltungen, gestaltete Ausstellungen und seit gestern gibt es auch ein Buch zu kaufen.

Wie ein Kriminalstück

Die „Akte Pinc“ ist mehr als eine Ansammlung von Informationen von jüdischen Familien. Es umfasst einen großen Teil der Geschichte Schwelms in der Zeit des Nationalsozialismus. „Die AG Stolpersteine leiste einen wesentlichen Beitrag gegen das Vergessen, betonte die Schulleiterin Katharina Vogt. Das Buch würdige die Opfer, in dem es an das erinnere, das ihnen widerfahren sei, indem es aufarbeite, was in der Stadt passiert sei.

Bürgermeister Jochen Stobbe sagte bei der Buchvorstellung in der Schulaula, dass es sich wie ein Kriminalstück lese. Es gehe nicht nur um die Ermittlung der Täter. „Es handelt von Opfern und dem größten und schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts.“ Die AG Stolpersteine sorge dafür, dass die Geschichten der Verfolgten nicht in Vergessenheit geraten. Und das sei auch Ziel der AG Stolpersteine gewesen, erklärten die beiden Lehrerinnen Gabriele Czarnetzki und Anke Buetz.

Sie betreuen die Arbeitsgemeinschaft und loben den Einsatz der Jugendlichen, die sich freiwillig und vor allem in ihrer Freizeit mit dem Thema beschäftigten. Sie recherchierten in Bibliotheken, informierten sich im Stadtarchiv, suchten nach Zeitzeugen, machten archäologische Grabungen und Messungen am ehemaligen Standort der Schwelmer Synagoge am Fronhof. All ihre Ergebnisse sind in der „Akte Pinc“ verzeichnet. Akte, weil in der Nazi-Zeit über Juden Akten angelegt wurden. „Pinc“ steht für „Verfolgte im Nationalsozialismus in der Stadt Schwelm“, die Buchstaben setzten sich aus der englischen Übersetzung zusammen. Unterstützt wurde die Veröffentlichung von Dr. Schrader von der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, der Erfurtstiftung und der Stadt Schwelm.

In dem Buch sind Kurzgeschichten und Gedichte, viele Bilder und Biografien jüdischer Familien – und auch viele neue Erkenntnisse, wie Gabriele Czarnetzki erklärte. Zum Beispiel, dass viele jüdische Familien ihre Kinder im Ausland in Sicherheit brachten. Das zeige, dass sie wohlhabend gewesen sein müssen.

Oder aber die Tatsache, dass die Synagoge einen Tag vor der Pogromnacht an die Stadt verkauft wurde. Zwar wurde die Synagoge ebenfalls angezündet, aber auch schnell wieder gelöscht, weil sie ja schließlich mittlerweile der Stadt gehörte.

 
 

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