Erderwärmung raubt den Schlaf

Ein Klimamodell, das in verkleinerter und zeitlich komprimierter Form Folgen der Erderwärmung deutlich macht, hat mich in der Nacht zu gestern um den Schlaf gebracht.

Es war am frühen Morgen gegen vier Uhr, als mich ein lautes Krachen hochschrecken ließ. Ich brauchte einige Sekunden, bis mir dämmerte, was das wohl passiert war. Zur Erklärung muss ich ein wenig ausholen.

Kürzlich beschloss ich, mich von meinem mit 24 Jahren eigentlich noch taufrischen, stets verlässlichen Kühlschrank zu trennen und ein neues Gerät mit ohne Eisbildungsgefahr (No Frost), erheblich mehr Platz, einem echten Tiefkühlabteil und vor allem extrem niedrigem Energiebedarf – das Altgerät hätte im Prinzip wohl einen eigenen Zähler benötigt – zu kaufen. Am Samstag schloss ich das hochmoderne neue Teil an und stellte das alte in meinen Flur, um es abtauen zu lassen.

Im Ein-Stern-Kühlfach hatte sich im Laufe der vergangenen Monate ein veritabler Gletscher gebildet. Wunschgemäß taute das Eis nun vor sich hin. Und irgendwann am frühen Morgen brach ein riesiges Stück ab und polterte in die Gemüseschublade. Geschickterweise hatte ich auf dem Kühlschrank einen Metallkorb stehen, der das Poltern schwingend verstärkte.

Nachdem ich so unfreiwillig wach geworden war, dachte ich darüber nach, dass mein Eisfach im Grunde ein Modell für das ist, was die Erderwärmung mit einem Gletscher macht. Er taut, wird kleiner, rissig und irgendwann bricht ein großes Stück krachend ab. Im Nachhinein fand ich es sehr beruhigend, dass es bei mir nur das Eis in meinem Kühlschrank war und ich nicht an der Abbruchkante eines Gletschers wohne. So habe ich meinen Schlaf doch recht schnell wieder finden können.

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