Ennepetaler Firma erhält Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis

Eine kleine Auswahl der Fräsringe, die die Maija Frästechnik GmbH in vielen verschiedenen Größen und Verzahnungen anbietet.
Eine kleine Auswahl der Fräsringe, die die Maija Frästechnik GmbH in vielen verschiedenen Größen und Verzahnungen anbietet.
Foto: WP

Ennepetal.. Meiko Haertel entwickelt und vertreibt mit seiner Firma Maija Frästechnik GmbH spezielle Fräsringe aus Hartmetall, die anstelle herkömmlicher Schleifmittel beim altbekannten Winkelschleifer eingesetzt werden können. Doch obwohl sein Unternehmen noch sehr klein ist und sich mit seinen Produkten gerade erst auf dem Markt durchzusetzen versucht, ist es schon von höchster Stelle ausgezeichnet worden – mit dem Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis 2015. Vor wenigen Wochen konnte der Ennepetaler den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verliehenen Preis in Berlin entgegen nehmen.

Fräsringe mit vielen Vorteilen

Erst vor drei Jahren hatte Meiko Haertel seine Firma gegründet. „In meinem ersten Leben war ich Forstwirt, später habe ich im Außendienst Werkzeuge und Schrauben verkauft“, erzählt er. 2012 sei er dann arbeitslos geworden und habe sich gefragt: „Was mache ich jetzt?“ Und so griff er etwas auf, was er schon einige Zeit zuvor entwickelt und nebenher vertrieben hatte: Fräsringe für Winkelschleifer. Dabei ist er nicht einmal Ingenieur. Er sei aber schon seit seiner Kinderzeit technisch interessiert gewesen, habe vom Vater, der als Kesselwärter arbeitete, viel gelernt. Meiko Haertel machte sich an die Arbeit. „Ich bin 10 000 Kilometer gereist, mit geliehenen Autos oder Bus und Bahn, und habe vor allem Werften, Silo- und Schienenfahrzeughersteller besucht.“ Dort sind Winkelschleifer vielfach im Einsatz, es werden unzählige der herkömmlichen Schleifmittel verbraucht. „Ich habe gefragt, ob es Sinn macht, meine Idee weiter zu verfolgen“, so Haertel. Dabei sei er überall auf offene Ohren gestoßen.

Mit den Fräsringen, die er entwickelt hat, könne man aber nicht nur große Mengen an Schleifmitteln einsparen, so Haertel. Die Werkstücke würden sich nicht erhitzen, was die Brandgefahr reduziere und Staubexplosionen verhindere. Die Arbeitsplätze blieben staubfrei, da nur Späne anfielen, und Schweißnähte würden metallisch blank vorbereitet. Zudem seien die Handwinkelschleifer leichter zu führen. „Vor allem Frauen lieben das“, meint er, „weil mit viel weniger Kraftaufwand mehr Abtragsleistung möglich ist.“ Da auch der häufige Scheibenwechsel entfällt, könne man unter dem Strich z. B. in der aluminiumverarbeitenden Industrie bis zu 70 Prozent schneller arbeiten, erklärt Meiko Haertel. Letzteres sei von der Technischen Hochschule Ulm getestet worden.

Abends und nachts hat er die Fräsringe, auf die er mehrere deutsche und internationale Patente hat, entwickelt, oft in Zusammenarbeit mit den Kunden. Tagsüber kümmert er sich um den Vertrieb. Produziert werden die speziell geschliffenen Fräsringe, die mittels zweier Metalladapter auf Winkelschleifer geschraubt werden, nicht in Ennepetal. Eine Berliner Firma schleift in die Fräsringe mit Diamantschleifscheiben die für die jeweilige Anwendung nötige Verzahnung. Es gibt sie in verschiedenen Durchmessern und Zahngeometrien, eingesetzt werden können sie unter anderem für Aluminium, Kupfer, Messing, Stahl, Edelstahl, Titan, Kunststoffe wie CFK, GFK und Holz. Auch so genannte Schweißnahtwurzelöffner, die insbesondere im Metallbau zum Einsatz kommen, hat die Maija Frästechnik entwickelt und patentiert. Handwinkelturbinen-Fräsmaschinen stellt ein Amberger Unternehmen für den Einsatz der Fräsringe her.

Kein Abfall

Dass die Maija Frästechnik GmbH den Preis für Rohstoffeffizienz erhalten hat, ist übrigens nicht nur in den Vorteilen des Produktes selbst begründet. Auch im Herstellungsprozess für die Fräsringe gibt es keinen Abfall, da das abgeschliffene Hartmetall aufgefangen und wiederverwendet werden kann. Darüber hinaus können sie bis zu siebenmal nachgeschliffen und weiter verwendet werden. „Dabei verringert sich natürlich der Durchmesser“, so Meiko Haertel. Doch selbst, wenn sie nicht mehr zu nutzen sind, fallen die Fräsringe nicht aus dem Materialkreislauf. „Wir kaufen die Kerne auf und geben sie an den Hartmetallhersteller zurück“, erklärt er. Daraus könnten Hartmetallhalbzeuge gemacht werden, die zum Beispiel bei Asphaltfräsen im Straßenbau eingesetzt werden und es gebe sogar Verfahren, Hartmetall wieder komplett aufzubereiten.

In alle Welt verkauft Meiko Haertel seine Produkte. In Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Polen und Ungarn habe er Kunden, sogar nach Kalifornien liefert er über einen Händler. Inzwischen seien auch große Unternehmen wie Siemens, Linde, Zeppelin, die Deutsche Bahn und Bombardier auf die Fräsringe und Schweißnahtwurzelöffner aufmerksam geworden. Auch Gießereien und kleinere Unternehmen äußerten sich sehr lobend, dass ihnen der Einsatz bares Geld bringe. Mehr als 900 „Fräsringe“ sind bereits in verschiedenen Branchen täglich im Einsatz.

Gelegentliche Aushilfen

„Bisher haben wir noch kein Geld verdienen können, aber nach einigen Anfangsschwierigkeiten sind wir auf dem Weg der Gesundung“, sagt Meiko Haertel, der sein Unternehmen allein, nur mit gelegentlichen Aushilfen führt. Im neuen Jahr möchte er aber nach Möglichkeit zwei Mitarbeiter einstellen. Haertel hofft, durch die Auszeichnung mit dem Rohstoffeffizienz-Preis einen Schritt weiter zu kommen. Immerhin hat er ihn schon werbewirksam in den Internetauftritt seines Unternehmens einbauen können.

„Das streichelt die Erfinderseele“, meint Meiko Haertel über die Verleihung des Deutschen Rohstoffeffizienz-Preises für sein Unternehmen. Der Firmengründer zeigt sich sehr überrascht, dass ein so kleines Unternehmen wie das seine ausgezeichnet worden ist.

Firmenname aus zwei Vornamen Im vergangenen Jahr hatte ihn eine Agentur angerufen, die ihn auf die Ausschreibung für den Preis aufmerksam machte. „Gut, dann bewerben wir uns mal“, meinte Meiko Haertel. Irgendwann kam dann der Anruf, dass die Maija Frästechnik GmbH für den Preis nominiert sei, verbunden mit der Einladung zur Verleihung am 4. Dezember in Berlin. „Ich habe zu meiner Frau gesagt, dass wir uns da ein schönes Wochenende machen“, erzählt Meiko Haertel. Ohne größere Erwartungen gingen sie zu der Veranstaltung, die im Rahmen der Fachkonferenz „Rohstoffe effizient nutzen – erfolgreich am Markt“ stattfand. „Und dann wurden wir gleich als erste aufgerufen“, ist Meiko Haertel immer noch erstaunt. Aus den Händen des Parlamentarischen Staatssekretärs Uwe Beckmeyer nahm Haertel den Preis entgegen.

Unabhängige Jury entscheidet

Eine unabhängige Jury aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft hatte die drei ausgezeichneten Unternehmen ausgewählt. Neben der Maija Frästechnik GmbH erhielten auch die IAS GmbH Industrie Automationssysteme aus Weil der Stadt sowie das Forschungsinstitut C3-Carbon Concrete Composite e.V. aus Dresden den Preis, den das Ministerium seit 2011 vergibt. Herausragende Beispiele rohstoff- und materialeffizienter Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen sowie anwendungsorientierte Forschungsergebnisse werden damit gewürdigt.

„Die Preisträger leisten als kreative Vorreiter einen ganz wichtigen Beitrag zu einer sicheren und nachhaltigen Rohstoffversorgung in Deutschland“, erklärte Staatssekretär Beckmeyer. „Denn ein intelligenter Einsatz von Rohstoffen ist ein zentrales Mittel, um unsere Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und unsere Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Schließlich entfallen mehr als 40 Prozent der Gesamtkosten des verarbeitenden Gewerbes auf Materialkosten. Rohstoff- und Materialeffizienz bieten gerade kleinen und mittleren Unternehmen bedeutende Einsparpotenziale.“

 
 

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