Ennepetal brennt – Retter proben

Foto: Jonas Güttler

Ennepetal/Ennepe-Ruhr.. Innerhalb eines Wimpernschlages ist die Sicht im vernebelten Maschinenraum der Gießerei Schmolz& Bickenbach nahe null. Schemenhaft schimmert das Absperrband durch die Nebelwand und führt zum Ausgang. Das, was bei den sieben Großübungen der Rettungsdienste aus dem EN-Kreis und den Feuerwehren und des THW nur Nebel war, ist in der Realität eines Brandes schwarz-grauer, beißender Rauch. Die Feuerwehrleute müssen trotzdem in das Gebäude, um zu löschen und nach Verletzten zu suchen.

Am Wochenende verwandelte sich Ennepetal in ein Großübungsszenario für die Rettungskräfte des Ennepe-Ruhr-Kreises. Ab 8.15 Uhr am Samstag heulten die Sirenen in regelmäßigen Abständen und rief die Einheiten unter anderem zu einem Wohnungsbrand, schweren Verkehrsunfällen, einer Fettexplosion und dem Einsturz einer Konzertbühne. 350 Einsatzkräfte waren im Einsatz, um die Zusammenarbeit der Rettungskräfte miteinander zu trainieren und zu optimieren, außerdem unterzogen sich 19 Einsatzkräfte aus ganz Westfalen-Lippe mit Erfolg der Prüfung zum organisatorischen Leiter Rettungsdienst. Sie müssen später als Leitungskräfte bei Großeinsätzen weitreichende Entscheidungen treffen.

Kaum Gaffer trotz
ausdrücklicher Erlaubnis

Die Ennepetaler Bürger ließen sich von den heulenden Sirenen und den Fahrzeugen nicht aus der Ruhe bringen. Nur wenige folgten der Einladung der Wehr, bei den Einsätzen zuzusehen. Gaffen ist bei den Ennepetalern verpönt, auch wenn es am Wochenende erlaubt war. Wiebke Kottsieper und Ina Brückner stehen mit ihren Kindern hinter der Absperrung. Ihre Ehemänner proben den Ernstfall, sie wollen zusehen und auch die Kinder wollen wissen, was Papa macht. „Sonst können wir ja nicht mit.“

Rund 30 Kilo schleppt ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau mit sich in den Einsatz. Körperliche und mentale Fitness ist Voraussetzung für den Job am Schlauch.

Kreisbrandmeister Rolf- Erich Rehm zog eine positive Bilanz: „Die Einsätze werden zielgerichtet geplant und durchgeführt, alle wissen, was sie tun und ich bin erstaunt darüber, wie reibungslos die Zusammenarbeit von Beginn an funktioniert hat“.

Drei Monate haben Feuerwehr. DRK, Malteser, Johanniter, das THW und der Arbeiter-Samariter-Bund auf die Planung der Großeinsätze verwandt. Die Bedingungen an den Einsatzorten sind für die Rettungskräfte eine überlebenswichtige Übung für den Ernstfall.

Dazu gehören auch die erschreckend realistisch wirkenden, wenn auch geschminkten Verletzungen der Darsteller. „Ich habe Verbrennung dritten Grades“, sagt Janina Kaläne. Ihre rechte Gesichtshälfte besteht nur noch aus rot-weißer Masse, der Mund ist halb verklebt. Viel Zeit hat sie nicht, denn die Darsteller werden von Einsatz zu Einsatz gebracht und warten darauf, von Feuerwehrleuten mit schwerem Atemschutz aus den qualmenden Gebäuden geschleppt und von Notärzten und Rettungssanitätern behandelt zu werden.

„Für die Stadt Ennepetal und ihre Feuerwehr ist es etwas Besonderes Ort der Großübungen zu sein. Nur selten bekommt man die Möglichkeit der Zusammenarbeit kreisweit, aber auch zum Beispiel mit der Stadt Hagen,” resümiert der Pressesprecher der Feuerwehr Ennepetal, Ulrich Lüdorff.

Gestern Mittag waren die Übungen dann beendet. Die Vorbereitungen auf dem THW-Gelände und an der ­Voerder Straße waren gar umsonst. Sie wurden abgesagt wegen „totaler Erschöpfung des Einsatzpersonals“. Merke: Großübungen sind nicht nur wirklichkeitsnah, sondern auch wirklich anstrengend.

 
 

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