Engels lebte und lebt in Wuppertal

Wuppertal..  Natürlich ist Friedrich Engels in Wuppertal gegenwärtig: Mit seinem Geburtshaus-Museum in Barmen und neuerdings mit einem massigen, überlebensgroßen Denkmal chinesischer Provenienz im Park. Ein Theaterstück über Engels aber fehlte. Diese Lücke schloss nun Michael Wallner mit seiner dramatischen Collage „Engels & Friends“ im Theater am Engelsgarten zur Saisoneröffnung.

Intendantin Susanne Abbrederis wagt damit endlich wieder eine Uraufführung als politisches Theater – sogar mit Wuppertal-Bezug. Und, um es vorweg zu sagen: Das Experiment ist gelungen. Regisseur Wallner zeichnet mit den sieben Schauspielern des Ensembles, die in zahlreiche Rollen schlüpfen, ein lebendiges Bild des jungen, hochbegabten Engels bis zu dessen 49. Geburtstag. Dann erst sagt er sich vom väterlichen Druck los, verlässt das Textil-Unternehmen und widmet sich ganz seiner wissenschaftlichen und publizistischen Arbeit. Gut gelingt es der Regie, den Szenen trotz häufiger Verwendung komplexer Originaltexte, emotionalen Zugang zu sichern.

Koffer-Requisiten

Der Zwiespalt Engels zwischen seinem Leben als Kapitalist und dem Kampf um Überwindung sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit an der Seite von Karl Marx steht im Mittelpunkt. Thomas Braus ist die Rolle des Engels auf den Leib geschrieben: Vehement lehnt er sich gegen den Vater auf, quirlig ringt er mit Marx (beide Rollen bestens verwaltet von Stefan Walz) um die beste Formulierung, engagiert und atemlos kämpft er in der 1848er Revolution – dargestellt an einem immer wüster ausufernden Kampf mit zahlreichen Koffer-Requisiten. Die Regie arbeitet gerne mit atmosphärischer Musik (Christof Unterberger) und aussagekräftigen Bildern: Der kleinwüchsige Karl Marx, der auf Knien gehen muss oder der Klassenkampf als echter Boxkampf.

Zuschauer darf interpretieren

Den sozialen Untergrund in Manchester erlebt Engels zusammen mit der irischen Arbeiterin und Partnerin Mary Burns (Philippine Pachl) unter dem Tisch. Die Bühne (Heinz Hauser) beherrschen riesige Köpfe: Marx im Vordergrund und Lenin – abgewandt vom Zuschauer im Hintergrund. Interpretationen überlässt die Regie dem Zuschauer, so dass der gelungene Theaterabend nachwirkt und zur weiteren Beschäftigung mit Engels/Marx anregt.

 
 

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