Eltern erhielten Todesnachricht aus Bagdad per Telefon

Mindestens 27 Menschen kamen in Bagdad bei den Selbstmordattentaten vom 19. Juli ums Leben. Ein 21-Jähriger aus Ennepetal gehörte wohl zu den Attentätern.
Mindestens 27 Menschen kamen in Bagdad bei den Selbstmordattentaten vom 19. Juli ums Leben. Ein 21-Jähriger aus Ennepetal gehörte wohl zu den Attentätern.
Foto: dpa

Ennepetal/Bagdad.. Die Stimmes des Vaters ist ruhig, sachlich, eine tiefe Betroffenheit schwingt mit, als er bestätigt: „Ja, einen solchen Anruf hat es gegeben. Aber damit befasst sich die Polizei. Mehr will er zu der Sache zu dem jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“ Seit einer knappen Woche hielten sich die Gerüchte hartnäckig, dass ein 21-jähriger Ennepetaler einer der beiden Selbstmordattentäter sein könnte, die am 19. Juli in der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 27 Menschen mit in den Tod rissen.

Vor etwa einem Jahr soll der junge Mann, der viele Jahre Fußball im Verein gespielt hat und von ehemaligen Mannschaftskollegen als „liebenswürdig, lebhaft und sehr beliebt“ beschrieben wird, sich radikal verändert haben. Er soll sich extrem dem Koran zugewandt haben, religiöse Broschüren in der ­Klutert­stadt verteilt haben. Angeblich soll er sich Hass-Prediger Pierre Vogel angeschlossen haben, bis er auf einmal nicht mehr nach Hause kam.

Angeblich den Märtyrertod gewählt

Das war vor ungefähr sechs Wochen der Fall. Nach Informationen dieser Zeitung haben die Eltern ihn bei der Polizei als vermisst gemeldet, die Staatsanwaltschaft Hagen nahm ein Ermittlungsverfahren zur Suche des 21-Jährigen auf. Dann erreichte die Familie der verhängnisvolle Anruf. In dem Telefonat soll ihnen mitgeteilt worden sein, dass der 21-Jährige den Märtyrertod im Irak gewählt habe.

Umgehend meldeten die Eltern diesen Anruf der Polizei. Mit der neuen Information wanderte die Aufklärungsarbeit von Hagen aus zur Dortmunder Staatsanwaltschaft, die umgehend ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat einleitete.

Für Staatsschutz ist die Behörde in Hagen nicht zuständig. Allerdings ist die Informationsbeschaffung aus dem Krisenstaat im Nahen Osten äußerst kompliziert. Gesicherte Nachrichten aus dem Irak zu bekommen ist mindestens genauso schwer, wie einen DNA-Abgleich der beiden Attentäter, um absolut sicher gehen zu können, dass es sich bei einem von ihnen um den Ennepetaler handelt.

Verdacht erhärtet sich immer mehr

Allerdings soll sich für die ermittelnden Behörden anhand der Gerüchte, die auf diversen Seiten im Internet kursieren, der Verdacht immer mehr erhärten, dass es sich bei einem der beiden Männer, die im Namen der dschihadistisch-salafistischen Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) agierten, um den 21-Jährigen handelte, der noch vor Kurzem in der Klutertstadt weilte.

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