Eisenbahnfan kollidiert in Ennepetal fast mit dem „Teckel“

Foto: Kurt

Ennepetal/Schwelm..  Er selbst bezeichnet sich als „eingefleischter Eisenbahnfan“. Er habe „auf der ganzen Welt schon Fotos und Videos von Zügen gemacht“, sagt er. Umso überraschender: Ausgerechnet er, ein 57-jähriger Schwelmer, musste sich nun wegen „gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr“ vorm Schwelmer Strafgericht verantworten. Er hatte offenbar dem Güterzug auf der selten befahrenen „Teckelstrecke“ in Ennepetal am unbeschrankten Bahnübergang „An der Kehr“ quasi die Vorfahrt genommen.

Das hörte sich in der Anklageschrift durchaus dramatisch an. Trotz roten Warnblinklichts habe er mit seinem Pkw den Übergang passiert, obwohl der Zug zudem nur noch rund 20 Meter entfernt war. Nur durch eine Vollbremsung habe der Lokführer eine Kollision verhindern können.

Verfahrenseinstellung ohne Auflagen

Der Angeklagte bezeichnete dies als völligen Unsinn. Einzig gab er zu, zur Tatzeit am Tatort gewesen zu sein. Der passionierte Eisenbahnfreund hatte den Zug bereits auf Gevelsberger Stadtgebiet vor dem Kruiner Tunnel abgepasst und drei Video-Sequenzen gedreht. Dann habe er ihn vor dessen Passieren der B7 bei Dörken-Öl überholt. Er selbst sei dann Richtung „An der Kehr“ gefahren. „Ich wollte eine Abkürzung über den Berg Richtung Bilstein nehmen, wusste allerdings nicht, dass die Straße eine Sackgasse ist.“

Beim Überqueren des Übergangs habe er weder ein Rotblinklicht wahrgenommen, noch den Zug in Reichweite gesehen. Direkt vor mir fuhr noch ein anderer Pkw da drüber.“

Die zweiköpfige Besatzung bestehend aus Lokführer (50) und Rangierer (47) des „Güter-Teckels“ war sich in einigen Punkten in der Zeugenvernehmung durchaus uneinig. Diskrepanzen gab es schon bei der Länge des Zuges. Der Fahrer meinte, die Lok sei „alleine“ unterwegs gewesen, der Rangierer erinnerte sich, drei Anhänger mit 400 Tonnen Metall im Schlepp gehabt zu haben. Beide allerdings sahen vor sich den Pkw bei Rotlicht quer passieren. „Unverschämt dreist“, so der 47-Jährige. „Doch der Fahrer wendete, sodass ich mir dann sein Kennzeichen notieren konnte.“ Einig waren sie sich allerdings, dass es keine Voll- oder Notbremsung gab, sondern lediglich eine „betriebliche Bremsung“ der Lok bei circa 20 km/h.

Aufgrund der divergierenden Aussagen und der Tatsache, dass offensichtlich keine Vollbremsung des Zuges von Nöten war, sah die Anklagevertreterin, Oberamtsanwältin Dräger, keine strafrechtlich relevante Gefährdungslage. Allerdings bliebe die Ordnungswidrigkeit wegen eines für sie zweifelsfrei erwiesenen Rotlichtverstoßes. Trotzdem bot sie eine komplette Verfahrenseinstellung ohne Auflagen an. Zunächst murrte der Schwelmer, der lieber einen Freispruch gehört hätte, stimmte dem Vorschlag dann aber zu.

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