Eine schrecklich durchgeknallte Familie

Keine Bilderbuchfamilie (von links): Allegra (Carola Schmidt), die Schwiegertochter in spe, der Auftragskiller (Marc Neumeister), Sohn Darnley (Thorsten Hamer), Schwiegertochter Chrissie (Petra Reimann) und Mutter Emmie Packer (Christiane Breucker) haben mit dem Gesetz nichts am Hut. Auch vor der eigenen Sippe machen sie nicht Halt.
Keine Bilderbuchfamilie (von links): Allegra (Carola Schmidt), die Schwiegertochter in spe, der Auftragskiller (Marc Neumeister), Sohn Darnley (Thorsten Hamer), Schwiegertochter Chrissie (Petra Reimann) und Mutter Emmie Packer (Christiane Breucker) haben mit dem Gesetz nichts am Hut. Auch vor der eigenen Sippe machen sie nicht Halt.
Foto: WP

Ennepetal..  Es war nicht nur eine Premiere für das Leo-Theater, es war die deutsche Uraufführung der Komödie „Familie Durchgeknallt“ von Clive Exton. Und das Publikum im Haus Ennepetal hatte seinen Spaß bei der turbulenten Inszenierung.

Familie Packer aus London blickt auf eine lange kriminelle – wenn auch nicht immer erfolgreiche – Familiengeschichte zurück. Den letzten großen Coup, einen Bankraub, hat Sohn Algie ausgeführt und dafür sieben Jahre im Gefängnis gesessen. Allerdings blieb ihm die Beute von drei Millionen Pfund erhalten.

Mord hat Tradition

Den Schlüssel zum Versteck hatte er Mutter Emmie anvertraut, aber drei Millionen sind ja doch recht schnell ausgegeben, in sieben Jahren. Nun plagt Mutter Emmie die Angst vor der Rückkehr des jähzornigen Sohnes, ebenso wie den Bruder Darnley und dessen Frau Chrissie.

Ausgerechnet am Tag der Entlassung taucht eine Frau auf, die behauptet, Algies Zukünftige zu sein und verlangt den Schlüssel. Es scheint nur eine Lösung zu geben: die Frau muss weg und Mord hat schließlich Tradition in der Familie Packer.

Bei nahezu ausverkauftem Haus merkte man Ensemble und Publikum den Spaß an dieser schwarzen Komödie an. Immer wieder gab es laute Lacher und Szenenapplaus – was auch daran lag, dass im Leo-Theater häufig auf Reaktionen des Publikums direkt eingegangen wird. Schließlich handelt es sich um ein „Theater zum Anfassen“, wie der künstlerische Leiter Thorsten Hamer immer wieder betont.

Viel Mühe hat man sich bei der Übersetzung des Stücks aus dem Englischen gegeben, an der Thorsten Hamer auch selbst mitgewirkt hat. Wo es möglich war, wurden die Umstände auf deutsche Verhältnisse übertragen. So ist in der Eingangsszene von einer Quiz-Show mit Günther Jauch die Rede, nicht etwa von einer mit Chris Tarrant, der die gleiche Show in Großbritannien moderiert.

Gelungene Kostüme

Die gelungenen Kostüme von Gaby Hammer trugen einiges dazu bei, den Leopardendruck-Luxus der Familie Packer mit Mutter Emmie (Christiane Breucker), Sohn Darnley (Thorsten Hamer, der auch Regie führte), Schwiegertochter Chrissie (Petra Reimann), der Schwiegertochter in spe Allegra (Carola Schmidt) und dem Auftragskiller aus der Nachbarschaft, Rocco (Marc Neumeister), zum Ausdruck zu bringen.

Im Anschluss an die erfolgreiche Premiere feierten die Mitwirkenden mit den Zuschauern im Theater-Café „Nie mehr allein“ und ließen einen sehr heiteren Abend ausklingen.

INFO:

Im Leo Theater herrscht nicht nur auf der Bühne Bewegung: Bei der Premiere von „Familie Durchgeknallt“ kündigte Thorsten Hamer an, dass er sich in Kürze aus dem Tagesgeschehen als künstlerischer Leiter zurückziehen wird.

„Ich werde nicht komplett weg sein“, betont Hamer. „Ich suche weiterhin die Stücke aus und bin für die Disposition zuständig. Spielen und Inszenieren werde ich nur deutlich weniger.“

Dieser Schritt sei notwendig gewesen, erklärte der Schauspieler, der bundesweit als Komödiant gefragt ist. „In den letzten Jahren habe ich im Schnitt 400 Vorstellungen im Jahr gespielt. Damit muss jetzt mal Schluss sein“, so Hamer. Er habe ein tolles Angebot des Weyhe Theaters in Bremen erhalten. Dort wirkt auch der Autor Frank Pinkus, dessen Stücke auch im Leo mit großem Erfolg aufgeführt wurden und werden. In der kommenden Spielzeit wird Hamer dort auf der Bühne zu sehen sein. Im Mai und Juni wird er aber noch regelmäßig im Haus Ennepetal auftreten, danach bis Dezember nur noch sporadisch.

„Schon seit 2014 leitet Christiane Breucker dieses Theater in allen geschäftlichen Belangen. Nun wird sich das Haus neu aufstellen. Ich bin davon überzeugt, dass das Leo mit diesem großartigen Ensemble, dem engagierten Freundes- und Helferkreis und Christiane Breucker an der Spitze auch die nächsten Jahre hervorragende Arbeit macht und seinen Beitrag zur kulturellen Vielfalt leisten wird“, sagt Hamer.

Das Leo Theater brauche Leute, die Zeit haben, sagte er. „Ich bin immer mal wieder für längere Zeit außer Haus. Das geht nicht anders, denn vom Leo allein kann ich nicht leben.“

 
 

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