Eine Perspektive für alle, die hart arbeiten

Foto: Stefan Scherer
Amadou Keita kann sein Glück, nach allem was er erlebt hat, immer noch kaum fassen. Aus Mali floh er nach Deutschland.

Ennepetal..  Amadou Keita kann sein Glück, nach allem was er erlebt hat, immer noch kaum fassen. Nachdem in Mali islamistische Terrorgruppen ein Leben in Sicherheit unmöglich gemacht hatten, floh er aus seiner afrikanischen Heimat und landete schließlich in Deutschland. Nun hat er, nach eineinhalb Jahren, die er inzwischen hier lebt, eine neue Chance bekommen. Am Montag begann er bei der Firma Frischkorn eine Ausbildung.

Jörg Frischkorn, geschäftsführender Inhaber des Karosserie- und Lackzentrums Frischkorn GmbH und der Frischkorn Oberflächen + Systeme GmbH, sah angesichts der momentanen Flüchtlingssituation die Notwendigkeit, sich gegenseitig zu helfen. Zusammen mit anderen Firmen gründete er eine Flüchtlingsinitiative mit dem Gedanken, den Einwanderern hier eine Ausbildung und einen Job anzubieten und im Gegenzug dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Jörg Frischkorns Tochter Daniela, Ausbildungsleiterin im Familienbetrieb, erklärt: „Wir möchten jungen Leuten eine Perspektive bieten. Aber nicht nur für solche mit deutschem Schulabschluss, sondern für alle, die hart dafür arbeiten.“ Außerdem habe das Unternehmen erfreuliche Erfahrungen gemacht: „Wir haben einen ehemaligen Flüchtling, der nun schon seit sechs Jahren in der Firma tätig ist und mit dem wir mehr als zufrieden sind.“

In diesem Jahr sind es sogar vier Emigranten, die von Frischkorn in Rücksprache mit der Stadt Ennepetal nach passenden Interessen und Vorstellungen ausgewählt wurden – unter anderem eben Amadou Keita. Er wirkt zurückhaltend, aber ein Blick in sein Gesicht verrät, dass er sich mit ganzer Kraft einsetzt für das, was er will. Nun ist es der Job als Fahrzeuglackierer. „Es interessiert mich nicht nur. Es ist mein Wunschberuf“, sagt er. Im weiteren Verlaufe des Gesprächs merkt man ihm an, wie schwierig er die deutsche Sprache findet – was ihn jedoch nicht davon abhält, sie zu sprechen und sich weiter anzueignen. Amadou Keita absolviert zunächst eine einjährige Einstiegsqualifizierung, bei der quasi die Berufsschule wiederholt und somit die Erfolgsaussicht erhöht wird.

Bei Ibrahim Bah, Kennedy Uwoghien und Ibrahim Korka Diallo ist dieser Plan bereits aufgegangen: Sie haben die Voraussetzungen erfolgreich erfüllt und beginnen nun eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Beschichtung. Zuvor erhielten sie parallel zur Einstiegsqualifizierung zweimal pro Woche einen Deutschkurs bei der Volkshochschule Ennepe-Ruhr-Süd und zusätzlich jeden Samstag berufsspezifischen Unterricht von einer Deutschlehrerin. Die Kosten trägt die Firma Frischkorn. Die Zeit und Mühe, die das Lernen mit sich bringt, müssen die Flüchtlinge natürlich selbst investieren. Die Bereitschaft dafür sei absolut vorhanden, meint Daniela Frischkorn. Die Azubis sind dem Unternehmen dankbar, denn die Ausbildung schützt sie erst einmal vor einer Abschiebung, die in ihrem Fall nicht ausgeschlossen war.

Teambuilding zum Einstieg

Kennedy Uwoghien kommt aus Nigeria, wo nicht nur die Terrororganisation Boko Haram Angst und Schrecken verbreitet. Die Anerkennung nigerianischer Flüchtlinge in Deutschland ist jedoch selten und Betroffene müssen sich auf ein langwieriges Asylverfahren einstellen. Ähnlich ergeht es auch Asylbewerbern wie Ibrahim Bah und Ibrahim Korka Diallo aus Guinea, einem der Länder mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen auf der Erde. Dort herrschen instabile politische Verhältnisse, und zudem warnt das Auswärtige Amt vor gewaltsamen Konflikten zwischen verschiedenen Familienclans oder ethnischen Gruppen. Trotzdem werden die meisten Asylanträge in Deutschland abgelehnt.

„Sie sind alle schon länger hier und wollen endlich arbeiten“, versichert Daniela Frischkorn, der ihre Schützlinge erkennbar am Herzen liegen. „Ohne diesen Willen geht es gar nicht. Manchen ist sogar egal, welche Arbeit sie genau leisten, aber sie möchten gerne Teil eines Teams sein.“ Das sei für ihr Unternehmen genau richtig, so Daniela Frischkorn. Für den Betrieb stehe Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung ganz oben. Dies wurde den vier Flüchtlingen sowie den weiteren 22 Auszubildenden von Anfang an vermittelt.

Beim Azubitag am vergangenen Montag unternahmen die diesjährigen Berufseinsteiger zusammen mit den älteren Lehrlingen eine Wanderung zur Klütinger Alm. Dabei mussten sie teambildende Aufgaben lösen, die Vertrauen oder Knobelgeschick forderten. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, und auch ,unsere Flüchtlinge’ haben sich bei der Umsetzung gut angestellt und integriert“, zeigte sich Daniela Frischkorn begeistert.

Gelingende Integration – ein Traum, der häufig schwierig umzusetzen ist. Für Amadou Keita, Ibrahim Bah, Kennedy Uwoghien und Ibrahim Korka Diallo kann er bei Frischkorn Realität werden.

 
 

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