Eine Nacht auf kaltem Leder

Hatte ich gestern an dieser Stelle noch darüber spekuliert, ob meine Frau zum Mann mutiert, weil sie plötzlich das Klischee bediente, dass eigentlich die Herren der Schöpfung nicht zuhören können, wurde ich postwendend eines Besseren belehrt. Wenn sie schon nicht zuhört, wenn ich etwas sage, so liest sie wenigstens sehr aufmerksam und mit kritischem Blick, was ich schreibe – nämlich exakt die gestrigen Zeilen.


Ein Satz reichte aus, um mir deutlich zu machen, dass ich mit der Vermutung zum schleichenden Geschlechterwandel vollkommen auf dem Holzweg war: „Dafür schläfst Du auf der Couch.“ Das ist einerseits beruhigend, weil ich noch nie gehört habe, dass ein Mann seine Frau aufs Sofa schickt. Andererseits hätte sie den Gegenbeweis ja auch liebevoller antreten können.


Wie dem auch sei, ich kauere mich dann mal auf das kalte Leder und denke darüber nach, in Zukunft mehr zu schreiben – an die Frau, die heute nicht neben mir aufwacht, sondern zwei Zimmer weiter. Ob ich wenigstens die Bettdecke mitnehmen darf?

EURE FAVORITEN